Das Leben ist nichts für Feiglinge


Film Das Leben ist nichts für Feiglinge

Das Leben ist nichts für Feiglinge Review Kritik

Markus Färber (Wotan Wilke Möhring) trauert mit Tochter Kim (Helen Woigk) um seine Frau.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2012
Spielzeit 97 Minuten
Regie André Erkau
Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring, Helen Woigk, Christine Schorn, Rosalie Thomass, Frederick Lau
Bewertung

Worum geht’s?

Alles war in Ordnung im Leben von Markus Färber. Als seine Frau bei einem Unfall stirbt, kann davon aber keine Rede mehr sein. Er weiß nicht, wie er mit ihrem Tod umgehen soll. Er findet keinen Zugang zu seiner ebenfalls traumatisierten Tochter Kim. Und er muss irgendwie seine Catering-Firma am Laufen halten. Als er seine Mutter um Hilfe bittet, setzt es bald den nächsten Nackenschlag: Sie hat gerade ihre Krebsdiagnose erhalten. Das will sie allerdings vor der ohnehin schwer gebeutelten Familie verheimlichen. Sie behauptet, in den Urlaub zu fahren und will in dieser Zeit auf eigene Faust ihre Chemotherapie durchziehen, betreut von Krankenpflegerin Paula. Als die erkennt, wie schwierig die Situation in der Familie ist, verrät sie Markus das Geheimnis und bemüht sich, Vater, Tochter und Großmutter wieder zusammenzubringen. Doch insbesondere die 15-jährige Kim will davon gar nichts wissen.

Das sagt shitesite:

Sensibilität und sehr starke Schauspieler sind die beiden größten Stärken von Das Leben ist nichts für Feiglinge, das auf dem Roman von Gernot Gricksch basiert, der auch das Drehbuch der Verfilmung schrieb. Besonders eindrucksvoll ist, wie einfühlsam sich der Film in die Protagonisten aus drei Generationen hineindenkt und den Sorgen und Träumen von Teenagern, Erwachsenen und Alten sehr glaubhaft nachspürt. Das bietet nicht nur ein großes Identifikationspotenzial für ein sehr breites Publikum, es verweist auch bereits auf den zentralen Konflikt: Es gibt hier eine Familie, in der Zusammenhalt einmal selbstverständlich war. Doch als eine Figur auf tragische Weise herausgenommen wird, bricht das ganze Gefüge zusammen. Jeder muss seine Rolle neu finden – und einen neuen Weg des Zugangs zu den anderen.

Kim sucht eine starke Schulter, Markus hofft auf die Unterstützung seiner Mutter, diese wiederum braucht selbst jemanden, der ihr nach der Krebsdiagnose die Angst vor dem Tod nimmt. Alle sollten Trost spenden und wollen doch zuerst Trost empfangen – deshalb funktioniert das Miteinander plötzlich nicht mehr. Das Leben ist nichts für Feiglinge zeigt dabei auch, wie unterschiedlich der Umgang mit Trauer sein kann: Stille, Rebellion, Verleugnung, Pflichterfüllung, Flucht – all diese Varianten werden hier am Beispiel der drei Hauptfiguren nachgezeichnet.

Erst die Krankenpflegerin Paula, eine Außenstehende, wird zum Bindeglied, das die Familienmitglieder einander wieder etwas näher bringt. Weil sie nicht persönlich betroffen ist, sorgt sie gelegentlich auch für Pragmatismus und Leichtigkeit in diesem Film, was (abgesehen vom etwas zu rührseligen Ende) ebenso überraschend wie wohltuend ist. Man kann hier schmunzeln und mitfühlen, es gibt Albernheiten und Schockmomente. Zu Letzteren kann man auch den Auftritt von Wotan Wilke Möhring zählen, der bisher vor allem aus komödiantischen Rollen bekannt war, den Part des ernsthaften Witwers aber sehr patent gibt. Ungewöhnlich ist in Das Leben ist nichts für Feiglinge auch die Kameraarbeit von Ngo The Chau. Oft nutzt er die Vogelperspektive, als würde die tote Mutter aus dem Himmel auf das Geschehen blicken und sich darüber wundern, wie schwer sich ihre Lieben damit tun, wieder dem Anspruch gerecht zu werden, den sie selbst an eine Familie stellen: Sicherheit füreinander zu schaffen, die darauf beruht, dass jedem im Zweifel die Gemeinschaft wichtiger ist als das eigene Wohlbefinden.

Bestes Zitat:

„War das jetzt Schauspiel oder Altenpflege?“

Der Trailer zum Film.

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