Der Hugh Grant unter den Stadtflitzern


Vorbilder in den 60ern: der Trevis. Foto: Daihatsu

Vorbilder in den 60ern: der Trevis. Foto: Daihatsu

Fast könnte man es für einen Druckfehler halten. Denn Trevis, der Kleinwagen von Daihatsu, hat mit Travis, der Band aus Schottland, so viel gemeinsam, dass die kleine orthographische Abweichung wie ein Versehen erscheinen muss. Beide orientieren sich ganz klar an Vorbildern aus den Sixties, beide sind auf Anhieb extrem sympathisch, beide suchen nicht den ganz großen Auftritt. Und beide sind, wie man hört, bei Mädchen sehr beliebt.

Daihatsu trifft mit dem Trevis voll ins Schwarze: Die Hauptmärkte Europas im Kleinwagensegment sind zwischen 2005 und Anfang 2007 um 35 Prozent gewachsen – in Zeiten von stagnierenden oder gar schrumpfenden Absatzzahlen ist das Balsam für die Seele der Hersteller. Den nach wie vor aktuellen Retro-Trend hat die Toyota-Tochter optimal umgesetzt: Der Trevis ist knuffig und sportlich, aber auch edel und klassisch genug, um etwa bei den Schwiegereltern in spe vorfahren zu können. Der halbrunde Kühlergrill und die Kulleraugen-Scheinwerfer geben ihm einen enorm freundlichen Charakter.

Doch der Trevis ist kein debiler Grinse-Peter: Viel Chrom und eine elegante Linienführung verleihen ihm auch eine beeindruckende Klasse, die an britische Vorbilder denken lässt. Stets lächend, aber mit Stil: Der Trevis ist der Hugh Grant unter den Kleinwagen.

Somit dürfte ihm auch die Klimadebatte kaum graue Haare oder gar Sorgenfalten machen. Daihatsus Kleinster darf sich mit einem CO2-Ausstoß von 114 Gramm pro Kilometer hier als Musterknabe fühlen. Bei bedächtigem Gasfuß knackt er noch nicht einmal die 5-Liter-Marke, insgesamt kann sich im Test ein Verbrauch von 5,6 Litern sehr gut sehen lassen.

Dazu trägt auch eine Motorentechnik bei, die nach wie vor etwas exotisch anmutet, auch wenn Daihatsu schon in den 1970er Jahren mit dem Charade damit Erfolge feiern (und einige Nachahmer finden) konnte: Im Trevis arbeitet ein Dreizylindermotor als Viertakter. Der ist naturgemäß nicht nur kleiner und leichter als ein Vierzylinder-Aggregat, sondern zeigt auch bei Leistungsausbeute und Verbrauch seine Stärken.

Dazu hat der Motor eine knackige Charakteristik: Schon bei Standgas bringt er den Wagen leicht zum Wackeln. Und einmal in Bewegung gebracht, fühlen sich die 58 PS aus einem Liter Hubraum erstaunlich kraftvoll an. Spätestens auf der Autobahn merkt man allerdings, dass man damit auch keine Bäume ausreißen kann. Bei 160 Stundenkilometern ist Schluss, und wenn es länger bergauf geht, ist der Wagen selbst mit wiederholtem Herunterschalten nicht im dreistelligen Tempobereich zu halten.

Wenn es mitunter ein bisschen länger dauert, hat Daihatsu zumindest dafür gesorgt, dass man sich dabei wohlfühlt. Der Innenraum ist bequem und praktisch, Klimaanlage und CD-Player sind im Preis von 11.290 Euro bereits enthalten. Funktionalität und Gestaltung der Instrumente sind vorbildlich, das Dreispeichenlenkrad ist ein echter Hingucker.

Vor allem aber überrascht der Trevis mit einem angesichts der überschaubaren Außenmaße (der Wagen ist nur 3,40 Meter lang und 1,50 Meter hoch) erstaunlichen Platzangebot. Das gilt selbst noch im Fond und für den Kofferraum, der immerhin 167 Liter, bei umgeklappten Rücksitzlehnen sogar 420 Liter fasst.

Allerdings gibt es hier auch ein paar Kritikpunkte. Wer lieber CDs als Radio hört, muss ziemlich lange auf das Abspielen warten. Die Schaltung agiert gelegentlich, vor allem in Kurven, etwas ungenau. Und die Plastikarmaturen vor dem Beifahrersitz wirken weder besonders geschmackvoll noch allzu stabil. Allerdings sind sie praktisch: Dahinter verbergen sich nützliche Fächer. Dort kann man etwa seine Travis-CDs deponieren. Oder die Schmink-Utensilien. Falls man plötzlich den echten Hugh Grant trifft.

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