Der Märchenprinz


Man(n) hat es ja schwer genug. Bekanntermaßen gibt es auf diesem Planeten mehr Männer als Frauen. Auf 100 neugeborene Mädchen kommen 105 Angehörige des in diesem Alter noch nicht allzu starken Geschlechts.

Die Evolution hat uns also sogleich in einen erbarmungslosen Konkurrenzkampf geschickt. Nur die Schönsten, Schlausten, Hartnäckigsten können sich dabei durchsetzen und werden am Ende – wenn wir da im Biologieunterricht richtig aufgepasst haben – mit dem rein rechnerisch seltenen Genuss belohnt, ihr Erbgut mit dem einer Frau vermischen und an die nächste Generation weitergeben zu dürfen.

Als Frau hat man es da leichter. Zumindest statistisch gesehen ist klar: Jede kriegt einen ab. Natürlich ist manch eine zu beschäftigt, anspruchsvoll oder schlicht zu blöd, um den Märchenprinzen zu erkennen – wie wir alle in der Zeit nach dem Biologieunterricht schmerzhaft erfahren haben. Wahrscheinlich wollen sich die Damen auch nicht mit irgendeinem dahergelaufenen, sozusagen evolutionstheoretisch überschüssigen Kerl abgeben. Dennoch: Das Angebot übersteigt in jedem Fall die Nachfrage.

Für eine ganz besondere Spezies Frau sind Männer aber die reinste Mangelware. Dabei sind die Mädels, von denen wir hier sprechen, durchweg aus gutem Hause und stets mit einem Lächeln auf dem Lippen unterwegs. Dazu kommen Modelmaße, ein gesunder Teint und ein exquisiter Modegeschmack. In manchen Fällen gar ein Wohnmobil, ein eigenes Pferd oder eine Stadtvilla.

Doch ausgerechnet für sie kann die Suche nach einem passenden Mann schier hoffnungslos werden. Denn begibt man sich in einen Spielzeugladen mit dem Auftrag, einen Mann für die Barbie-Puppe des Patenkindes zu kaufen, ist das Scheitern so gut wie sicher. Der gute alte Ken ist praktisch nirgends zu finden, förmlich vom Aussterben bedroht.

Man leidet sofort mit all den Plastikschönheiten, die eben diesem Mann als einzig denkbarem Traumpartner hinterherjagen. Einen Ken zu entdecken, wird zusätzlich dadurch erschwert, dass er gut verkleidet ist. Wenn der Mattel-Mann überhaupt noch existiert, trägt er nirgends einen Anzug oder schlichte Jeans. Die Männer, die eine Barbie finden kann, sind von „Fashion Fever“ geplagt, als Ritter verkleidet oder als Prinz. Böse Zungen behaupten: Wie im echten Leben.

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