Deutsche Laichen – „Deutsche Laichen“


Künstler Deutsche Laichen

Deutsche Laichen Review Kritik

Deutsche Laichen setzen auf Agenda statt Albernheiten.

Album Deutsche Laichen
Label Zeitstrafe
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Das erste Wort auf dieser Platte heißt “Rise”, die letzte Zeile lautet „Deutschland ist scheiße.“ Das zeigt gleich zweierlei: Erstens mischen Deutsche Laichen auf ihrem selbstbetitelten Debüt munter deutsche und englische Texte. Zweitens sind sie nicht besonders zufrieden mit dem Zustand der Welt.

Was sie in erster Linie stört, wird ebenfalls sehr schnell klar, nämlich bei einem Blick auf das Albumcover. Dort ist eine Zitrone zu sehen, die verdächtig einer Vulva ähnelt, aus der blaues Blut läuft. Unschwer ist das als Symbol für die Unterdrückung von Frauen zu verstehen. Als ihre wichtigsten Themen benennt das 2015 gegründete Quintett aus Göttingen selbst: Pöbeln und Feminismus. „Deutsche Laichen sind für uns nicht nur Herzenssache, sondern auch politische Praxis“, sagen Fluse, Asche, Nille, Kralle und Krätze.

Was die Platte dabei sei eindrucks- und wirkungsvoll macht, ist vor allem die Kompromisslosigkeit, mit der sie gegen Homophobie, toxische Männlichkeit oder kapitalistische Zwänge ansingen. Es gibt auf diesem Album keine Albernheiten, sondern eine Agenda. Trotzdem findet man auf Deutsche Laichen erfreulich viel Leichtigkeit, Spaß und Eingängigkeit. Die Band setzt nicht auf Philosophieren, sondern auf Parolen. Trotzdem sind die oft sehr kurzen Texte und knackigen Slogans in dem von der Band als “Pöbel-Punk” bezeichneten Sound auffällig schlau.

„Halt’s Maul, geh‘ weg, verpiss‘ dich!“ heißt in Von Mackern und Pumas ihre Antwort auf Mansplaining. Das wirkt so unmittelbar, dass es auch zu Feine Sahne Fischfilet passen würde. Auch Emanzenlesbenschlampe lebt von unverblümtem Furor. Die einfache Logik von Heartache Legbreak lautet: „You break my heart / I’ll break your neck.“ Beim Album-Abschluss Menschen = Scheiße sagt der Titel bereits alles.

Elektrizität artikuliert sehr wild und direkt das Recht auf Lust, Begehren und Befriedigung, vor allem aber auf Selbstbestimmung. Auch das programmatische My Cunt My Business wählt dieses Thema, es ist nicht nur im Titel sehr plakativ, sodass man an Spitting Off Tall Buildings denken kann. „So lange du lebst, sollst du rauchen“ (ein Zitat aus einem Helge-Schneider-Film) ist die Botschaft von Rauchen, „Hass ist kein Accessoire“ lautet eine der vielen richtigen Erkenntnisse in Du bist so schön, wenn du hasst.

Bullen bildet den einzigen Schwachpunkt des Albums. Polizeigewalt ist natürlich ein wichtiges Thema (und ein sehr passendes für eine Punkband), aber der Song ist selbst genauso unreflektiert wie die Sicherheitsbeamten mit locker sitzendem Gummiknüppel, die er an den Pranger stellen will. Zweimal glänzen Deutsche Laichen dafür aber auch in besonderem Maße: Warm Bodies ist das musikalisch interessanteste Stück der Platte, klingt zunächst noch etwas wilder und schneller als der Rest, bis sich nach einer knappen Minute dann aber plötzlich so etwas wie Nachdenklichkeit einstellt. Der Opener For A Start macht es genau umgekehrt: Er täuscht Harmlosigkeit vor, bevor der schon erwähnte „Rise!“-Schrei ertönt und dann eine Punk-Party losbricht, die in die Worte „I misbehave“ mündet. Auch das ist wieder: ein Credo.

Brutal und direkt geht es auch im Video zu Du bist so schön wenn du hasst zu.

Hier gibt es Deutsche Laichen demnächst live zu sehen:

19.07. Düsseldorf, Linkes Zentrum
20.07. Münster, Punkbar
02.08. Berlin, Schokoladen
16.08. Bremen, G18
17.08. Hannover, Sturmglocke
24.08. Friedland, Entropie Festival
14.09. Potsdam, Zeppifest
04.10. Leipzig, Conne Island
05.10. Berlin, ://about blank

Deutsche Laichen bei Bandcamp.

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