Die Entdeckung des Himmels


Ein Tipp für alle, die jetzt übersetzen wollen: Man liest von links und rechts.

Ein Tipp für alle, die jetzt übersetzen wollen: Man liest von links und rechts.

„Das Gewissen ist die Wunde, die nie heilt“, hat der Schriftsteller Friedrich Hebbel einmal gesagt. Wo sollte dies wahrer sein als hier? Nur ein paar Kilometer entfernt breitet sich der unendliche Sand der Wüste Sinai aus, umgeben von Bergen, die schon so lange der Sonne ausgesetzt sind, dass sie selbst aus der Farbe ihres Gesteins ein verlockendes Geheimnis machen. Man ist versucht, sie mit einem riesigen Kärcher von ihrer Staubschicht zu befreien, um ihren Terrakotta-Glanz freizulegen, dunkle Basalt-Töne oder das blendende Hellgrau von Sandstein.

Nur eine gute Autostunde ist es bis zum 2300 Meter hohen Berg Sinai. Hier soll Moses die zehn Gebote empfangen haben – eine nicht ganz unbedeutende Episode in der Entwicklung der Menschheit hin zu Ethik und Moral, die schließlich auch die Wunde entstehen ließen, die uns nach Hebbels Ansicht alle noch heute plagt.

Nicht weit weg von hier passiert auch genug, um ihm Recht zu geben. Verlässt man in Ägypten die Touristenviertel, ist man oft geschockt von der Armut und Rückständigkeit des Landes, das in Afrika noch zu den wohlhabenderen Staaten zählt und vor 5000 Jahren die Blüte menschlicher Kultur darstellte. Ein Eselkarren ist für viele das einzige Transportmittel. Auf der anderen Seite des Roten Meeres säumen Heerscharen von Kindern die Ufer des Nils, um ein paar Almosen von Touristen zu erbetteln, die nach einer Bootstour wieder an Land kommen.

Weiter im Norden versuchen Menschen gerade verzweifelt, die Mauer zu durchbrechen, die sie im Gaza-Streifen einsperrt, wo es nach einem Embargo Israels keinen Strom mehr gibt. Und vor knapp drei Jahren rissen hier zwei Autobomben 49 Menschen in den Tod – ein Akt des Terrors, aber geboren aus der Verzweiflung.

All dies umgibt einen. Und man selbst? Sitzt hier und macht Urlaub. Genießt die ersten kraftvollen Sonnenstrahlen des Jahres, stärkt sich an der „Balilah“ genannten köstlichen Kombination aus Reis und heißer Milch. Entspannt sich. Und tut dies in einer Umgebung, die so luxuriös, malerisch und wohltuend ist, dass sie Hebbels Wunde beinahe vollständig heilen könnte.

Das im April 2007 eröffnete „Maritim Royal Peninsula“ in Sharm El Sheikh ist ein Wohlfühl-Tempel, der einfach kein schlechtes Gewissen aufkommen lassen will. Es ist die Entdeckung des Himmels. Hoteldirektor Michael Fuhrmann erzählt gerne (und am liebsten in der stilvollen Windsor-Bar), welche bürokratischen und baulichen Hindernisse zu überwinden waren, bis die Anlage mit 18 Bungalows stand.

Stolz berichtet er von der eigenen Entsalzungs-Anlage, die noch einige andere Hotels mit Trinkwasser versorgt. Er verät, dass Maritim gerade den Bau einer neuen Landebahn mitfinanziert, damit das Hotel künftig nicht mehr genau in der Einflugschneise des Flughafens liegt (zunächst eine „Entdeckung des Himmels“ der anderen Art, die aber schon nach wenigen Tagen Aufenthalt zu der Erkenntnis führen wird, dass sich wirkliche Ruhe nicht in Dezibel angeben lässt). Und er klagt über die Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden.
Ägypten Doch davon merkt man als Gast nichts: Zahlreiche dienstbare Geister, die ebenso allgegenwärtig wie unsichtbar zu sein scheinen, sorgen dafür, dass praktisch jeder Servicewunsch erfüllt wird. Andere Gäste nimmt man auf der 20 Hektar großen Anlage ebenso wenig war. Und auch die insgesamt 337 Zimmer sind mit einer Mindestgröße von 60 Quadratmetern mehr als großzügig angelegt: So groß wie man hier allein das Bad bemessen hat, ist in manch europäischem Spitzenhotel das ganze Zimmer.

Die Wege zur Lobby, zum benachbarten 18-LochPGA-Meisterschaftsgolfplatz mit Driving Range und zwei Putting Greens oder zum 1200 Quadratmeter großen Thai Spa verlaufen nie gerade, auf dem kürzestem Weg, sondern immer gebogen. Und auch so lernt man schnell, sich vom Tempo des Alltags zu verabschieden und sich Zeit zu lassen.

Die kann man hier schließlich auch sinnvoller nutzen als mit Stress: beim Baden, Tauchen und Schnorcheln im Roten Meer, einer Wüsten-Safari auf dem Quad oder einem Kamel. In einem der drei Hotelrestaurants, wo der auf Thai-Gerichte spezialisierte Küchenchef David Jones gerne und überzeugend das Vorurteil widerlegen wird, dass die Briten nicht kochen können. Oder beim Shoppen und Clubbing im Trubel an der „Na’ama Bay“.

Tagsüber sieht man hier nicht mehr, dass Sharm El Sheikh vor 20 Jahren noch ein kleines Fischerdorf umgeben von Wüste war. Und nachts macht der Ort mit vielen Bars, lauter Musik aus allen Ecken und unzähligen Neonlichtern seinem Ruf als Las Vegas der arabischen Welt alle Ehre.

Wer näher dran sein will am pulsierenden Herzen von Sharm, der ist im Schwesterhotel „Jolie Ville Resort & Casino“ an der richtigen Adresse. Setzt man im „Peninsula“ auch gerne auf Business-Gäste, die das nebenan gelegene imposante Kongresszentrum nutzen, dominiert hier voll und ganz die Urlaubsatmosphäre.

„Das gefällt mir am besten an Sharm El Sheikh: Es ist hier so friedlich. Und das, obwohl so viele verschiedene Nationalitäten aufeinander treffen“, sagt Azza Aziz Kirollos. Die 38-Jährige, die aus Kairo stammt und ihre Karriere in der Hotellerie als Telefonistin begann, ist die einzige Hoteldirektorin in ganz Ägypten. 396 Zimmer in 42 Bungalows hat ihr Haus, dazu locken zwei Pools, ein Privatstrand mit hauseigenem Tauch- und Wassersportzentrum, vier Restaurants, ein Nachtclub und ein Casino.

Wer es etwas ruhiger mag, sollte sich das „Maritim Golf & Resort“ vormerken, das dritte Haus der Kette in Sharm El Sheikh. Hier kann man nicht nur direkt vom Frühstück auf den Golfplatz. Auch die 30.000 Quadratmeter große Poollandschaft wird schnell zum Ort der Entspannung. Die 418-Zimmer-Anlage liegt auf einem Felsplateau direkt über dem Roten Meer. Deshalb kann man Sonne nicht nur am Privatstrand des Hotels tanken, sondern auch in vielen privaten Nischen, die an Piratennester erinnern.

Hier ist man nicht nur geschützt vor dem mitunter recht frischen Wind, sondern auch vor Ärger aller anderen Art. Immerhin hat Staatspräsident Muhammad Husni Mubarak gleich nebenan seine Villa – und man darf sich entsprechend gut bewacht fühlen.

Auf eine andere Weise abgeschottet wird man im vierten ägyptischen Maritim-Haus: Die 5-Sterne-Anlage „Jolie Ville Luxor Island Resort“ liegt auf einer traumhaften Privatinsel im Nil. Das 360.000 Quadratmeter große Gelände, das mit Palmen, Blumen und Obstbäumen (und ohne Krokodile, wie Hoteldirektor Andreas Bourdon versichert) einem tropischen Garten gleicht, ist nur mit dem Boot oder über eine einzige Brücke zu erreichen. Im November 2007 hat Maritim das Haus von Mövenpick übernommen. Es gibt nicht nur viele Stammgäste in den 21 Bungalows mit 332 Zimmern. Die Anlage ist mit einem Kinder-Club und kleinem Zoo auch besonders attraktiv für Familien.

Daneben locken zwei Pools (einer davon mit traumhaftem Blick auf den Nil), ein eigener Wanderweg und das „Fella’s“-Zelt, in dem es abends Wasserpfeife und Bauchtanz gibt. Auf den vier Kilometer langen Weg nach Luxor macht man sich am besten im alten ägyptischen Segelboot, der Felucca. Dort kann man eine weitere Weisheit Hebbels leicht bestätigt finden: „Die Kunst ist das Gewissen der Menschheit.“ Ob im Tal der Könige mit 62 Gräbern und der Mumie des legendären Tutanchamun, im Luxortempel mit seinem gewaltigem Säulengang oder dem Karnak-Tempel, bei den 18 Meter hohen Kolossen von Memnon, die früher zum Sonnenaufgang noch gesungen haben, im Tempel der Hatschepsut oder auf der 17 Quadratkilometer großen Anlage von Karnak: Wohl sonst nur in Rom findet man so viel historische Pracht auf so engem Raum. Hier wird es sofort lebendig: Das Gefühl der Ehrfurcht für die Könnerschaft und Zivilisation der alten Ägypter. Wenn man etwa die Wandmalereien der Gräber im Tal der Könige betrachtet, kommt noch die Faszination dieser fremden Schrift, Ikonographie und Religion hinzu.

Die Kombination aus Begeisterung und Respekt ist ein veritables Dilemma. Denn die feuchte Luft, die Touristen mit in die Grabkammern bringen, schadet den historischen Kostbarkeiten enorm. Wenn der Führer erzählt, dass bei gleich bleibenden Besucherzahlen schon in vierzig Jahren nichts mehr von den schillernden Farben zu sehen sein wird, dann will man am liebsten gar nicht ausatmen. Da ist es dann doch wieder: das schlechte Gewissen.

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