Die rote Verschwörung


Film Die rote Verschwörung

Die rote Verschörung Review Filmkritik

Fluke Kelso (Daniel Craig) forscht zur russischen Geschichte.

Originaltitel Archangel
Produktionsland Großbritannien
Jahr 2005
Spielzeit 112 Minuten
Regie Jon Jones
Hauptdarsteller Daniel Craig, Yekaterina Rednikova, Gabriel Macht, Lev Prygunov
Bewertung

Worum geht’s?

Fluke Kelso ist ein britischer Historiker, dessen Forschungsschwerpunkte die kommunistische Partei der Sowjetunion und das Leben von Josef Stalin sind. Bei einem Fachkongress in Moskau sucht ein Zeitzeuge den Kontakt zu ihm. Er berichtet von mysteriösen Todesumständen des Diktators und gibt ihm den Hinweis, wo bisher unbekannte Notizbücher Stalins vergraben sind. Kelso ist Feuer und Flamme nach diesem Tipp, er will unbedingt wissen, was in den Dokumenten steht und ahnt, die darin enthaltenen Informationen könnten ein völlig neues Licht auf den Machthaber werfen – und nebenbei natürlich sein eigenes Renommee als Experte noch weiter steigern. Mit seiner Neugier steht er allerdings nicht allein: Auch der russische Geheimdienst will an die Papiere kommen, ebenso ein amerikanischer Fernsehreporter und nicht zuletzt die Tochter des Hinweisgebers, die ihr Studium mit Prostitution finanziert und Kelso bei der Recherche unterstützt. Auch der Politiker Mamantow, der für die kommunistische Partei kandidiert und von einer Renaissance des Stalinismus in Russland träumt, will die Dokumente haben. Was zunächst wie ein Wettrennen um eine historische Quelle wirkt, die womöglich gar nicht existiert, erweist sich bald als handfeste Verschwörung, die nicht nur Kelso in Lebensgefahr bringt.

Das sagt shitesite:

„Dieser Mann hat mehr Menschenleben auf dem Gewissen als Hitler, Pol Pot und Dschingis Khan zusammen“, sagt Fluke Kelso in einer Szene von Die rote Verschwörung über Josef Stalin. Das Zitat ist in zweierlei Hinsicht bezeichnend für die Wirkung dieses Films, der als Zweiteiler für BBC produziert wurde, basierend auf Roman von Robert Harris. Denn die zunächst offensichtlich erscheinende Parallele zu Adolf Hitler wird hier sehr deutlich verfolgt, genauer gesagt zur Wirkung der vermeintlichen Hitler-Tagebücher, über die Harris 1986 bereits ein Sachbuch geschrieben hatte, aus dem dann später auch eine Fernsehserie wurde. Die Hoffnung auf eine historische Sensation findet sich auch hier, einschließlich der Möglichkeit, einen womöglichen sehr privaten Blick auf eine Figur zu werfen, der man kaum eine menschliche Seite zutrauen möchte. Regisseur Jon Jones schickt Daniel Craig in der Hauptrolle auf die Jagd nach diesen mutmaßlich brisanten Dokumenten, irgendwo zwischen Indiana Jones und Robert Langdon.

Die zweite Parallele ist der spannende Blick auf die historische Beurteilung einer Figur, die ein mächtiges Reich geschaffen hat, aber um den Preis eines riesigen Blutzolls. War Stalin ein Gott oder ein Monster? Wie aktuell diese Frage ist, zeigen die politischen Trends in Russland. In einer vor drei Jahren durchgeführten Umfrage haben 37 Prozent der Russen das Wirken Stalins positiv bewertet, nur 17 Prozent negativ. Dieses Wirken umfasst den ruhmreichen militärischen Sieg über Nazi-Deutschland, aber wohlgemerkt auch rund 20 Millionen Todesopfer unter den eigenen Landsleuten im Zuge politischer Säuberungen während Stalins Amtszeit von 1927 bis 1953. Sehr geschickt greift Die rote Verschwörung diese erstaunlichen Zahlen auf. Frappierend werden sie ebenfalls durch den Vergleich mit Hitler: Man stelle sich vor, eine Mehrheit in unserem Land würde sich für eine Rehabilitierung des Diktators aussprechen, eine rechte Partei gar offen versuchen, das Erbe Hitlers für sich zu reklamieren und sich mit Blutsverwandten führender Nazis als Identifikationsfiguren schmücken. Das würde nicht einmal die AfD wagen, auch die NPD nicht. Hitler bleibt in Deutschland eine Persona non grata, das ist Konsens – anders als es für Stalin in Russland gilt.

Dieser Kampf Russlands mit Stalins Erbe, der letztlich mit seinem Selbstbild zwischen Entwicklungsland und Weltmacht verbunden ist, ebenso wie mit der weiterhin lebendigen Idee, dem kapitalistischen Westen ein eigenes, potentes Gegenmodell entgegenstellen zu können, ist hier der reizvollste Aspekt. Auch jenseits davon ist Die rote Verschwörung (zum reißerisch-altmodischen deutschen Titel passen etliche Russland-Klischees des Films, in dem überall Winter ist, immer eine Flasche Wodka auf dem Tisch steht und reichlich Kriminalität und Korruption zum Alltag gehören) ein sehenswerter, handwerklich guter Thriller.

Bestes Zitat:

„Stalin hat eine Nation geerbt mit hölzernen Pflügen und hat uns eine Weltmacht hinterlassen mit atomaren Waffen.“

Der Trailer zum Film.

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