Die zehn größten Enttäuschungen der Bundesligasaison


Seit heute stehen die Absteiger in der Fußball-Bundesliga fest: Hertha und Bochum sind in der nächsten Saison nicht mehr erstklassig. Die Saison 2009/10 hatte aber auch sonst jede Menge Absteiger zu bieten. Ich habe die zehn größten Enttäuschungen der Saison zusammengestellt:

Nicht mal mehr halb so gut wie 2008/09: Franck Ribéry. Foto: Fred Joch/ProSieben/obs

Franck Ribéry: Dass Franck Ribéry auch heute beim letzten Saisonspiel des FC Bayern wieder wie ein Superstar hofiert wurde, erstaunt angesichts seiner Leistungen in dieser Spielzeit. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 2008/09 bestritt Ribéry 25 Bundesliga-Spiele, schoss 9 Tore und bereitete 12 Treffer vor. In dieser Saison waren es in 19 Einsätzen nur noch 4 Treffer und 6 Assists. Natürlich ist er damit noch ein Leistungsträger. Aber solche Werte sind nicht mehr herausragend genug, um skandalöse Bordell-Eskapaden und ständige Wechsel-Absichten rechtfertigen zu können.

Mein Tipp: Wenn es ein gutes Angebot gibt, werden die Bayern Ribéry ziehen lassen, denn mit der Rückkehr von Toni Kroos steht bester Kreativ-Ersatz schon bereit. Wenn er bleibt, muss das für Ribéry eine Entscheidung (und keine Notlösung) sein, um wieder zu glänzen wie in seinen besten Zeiten.

Artur Wichniarek: Alles sollte diesmal besser werden für König Artur in der Hauptstadt. Der Pole bezahlte sogar einen Teil seiner Ablösesumme selbst, um vor der Saison von Absteiger Bielefeld zu Hertha BSC wechseln und dort ein zweites Mal sein Glück suchen zu können. Doch wieder lief alles schief. In der Hinrunde war Wichniarek das Sinnbild für die Pleitenserie der Hertha, in der Rückrunde kam er gegen (den zugegebenermaßen auch nicht viel besser spielenden) Gekas kaum mehr zum Zuge. So blieb es eine Null-Tore-Saison – und Wichniarek wurde ein zweites Mal vom Hoffnungsträger zum Buhmann in Berlin.

Mein Tipp: Wenn Wichniarek bei der Hertha bleibt, wird er in der Zweiten Liga wieder zum Leistungsträger.

Prinz Poldi: Stark auf dem Werbemarkt, schwach auf dem Platz. Foto: obs/Hugo Boss Fragrances

Lukas Podolski: Prinz Poldi ist zur Witzfigur geworden. Was aus dieser Saison am meisten in Erinnerung bleiben wird, sind wohl einzig die Prügel, die er einem allzu kritischen Reporter angedroht hat. Dass Podolski mit zur WM nach Südafrika fahren darf, ist wohl eher mit seinen Werbeverträgen zu erklären als mit seinen Leistungen. Mit zwei Saisontoren war er noch schlechter als die ebenfalls enttäuschenden Sturmkollegen Novakovic (6 Treffer) und Freis (2).

Mein Tipp: In der nächsten Saison wird sich die Poldi-Krise fortsetzen. Spätestens, wenn es einen neuen Bundestrainer gibt, ist er auch den Status als Nationalspieler los.

Michael Rensing: Nach der Demontage in der Vorsaison hatte das ewige Torwarttalent zu Saisonbeginn eine neue Chance. Doch auch unter Trainer Louis van Gaal konnte er sich nicht durchsetzen. Dass Jörg Butt, eigentlich nur als Backup für alle Fälle verpflichtet, nach einer starken Saison und der Verletzung von Leverkusens René Adler nun sogar Chancen hat, bei der WM in Südafrika im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu stehen, muss für Rensing der Gipfel der Enttäuschung sein. Trotz des Frustes ist unklar, ob ein Vereinswechsel dem bald 26-Jährigen helfen könnte, den Durchbruch zu schaffen. Das Beispiel Stefan Wessels zeigt, dass man auch als jahrelange Nummer 2 beim FC Bayern nicht automatisch zu den besten Keepern der Liga gehört, nur weil man jetzt woanders einen Stammplatz hat.

Mein Tipp: Rensing verschwindet im Ausland oder in der Versenkung.

Grafite: Der Torschützenkönig der vergangenen Saison steht sinnbildlich für den Niedergang in Wolfsburg. Dass der VfL mit einem quasi identischen Team sieben Plätze schwächer abschnitt als im Meisterjahr, ist keineswegs nur dem Weggang von Alleinherrscher Felix Magath  geschuldet. Viele Spieler wirkten satt – und Grafite war der Prototyp von ihnen. Kunststückchen wie bei seinem Tor des Jahres gegen den FC Bayern sah man gar nicht mehr, und in punkto Effektivität und Einsatz wurde er von seinem Sturmpartner Edin Dzeko regelmäßig in den Schatten gestellt. Man darf gespannt sein, ob Trainer Armin Veh die Wolfsburger in der nächsten Saison wieder in die Spur bringt. Die Chancen auf eine Widerauferstehung von Grafite stehen schlecht.

Mein Tipp: Nach einer weiteren schwachen Saison in Wolfsburg geht er zurück nach Brasilien.

Miroslav Klose wird wohl weiter auf der Ersatzbank versauern. Foto: obs/Nike

Miroslav Klose: Das einstige Kopfballungeheuer sitzt beim FC Bayern meist auf der Bank. Und auch wenn er spielt, strahlt Klose gar nichts mehr aus. Dass unlängst über eine Rückkehr zu Aufsteiger Kaiserslautern spekuliert wurde, zeigt, wie schlecht die Perspektiven für den Musterprofi beim Rekordmeister trotz nunmehr 120 Bundesligatoren sind.

Mein Tipp: Klose bleibt beim FC Bayern. Und bleibt dort meist auf der Bank.

Thomas Hitzlsperger: Von der Stammkraft in der Nationalmannschaft und Führungsspieler beim VfB Stuttgart hat sich Hitzlsperger in dieser Saison konsequent ins Abseits gespielt. Die Aufholjagd der Stuttgarter mag zwar in erster Linie dem neuen Trainer Christian Gross zu verdanken sein. Aber es erstaunt doch, wie problemlos der einstige Chef im VfB-Mittelfeld ersetzt werden konnte – und wie schwer sich Hitzlsperger jetzt bei Lazio Rom tut, zurück zu alter Form zu finden.

Mein Tipp: Um noch einmal mit Leistung Schlagzeilen zu machen, muss Hitzlsperger nach England zurückkehren.

Piotr Trochowski: Es ist noch gar nicht so lange her, dass Piotr Trochowski als die große deutsche Spielmacherhoffnung galt. Inzwischen muss er sich in diesem Punkt hinter Özil, Kroos, Marin und sogar dem Mönchengladbacher Senkrechtstarter Marco Reus anstellen. In der Rückrunde hat er in Hamburg nur noch sechs Spiele über 90 Minuten bestritten. Auch sieben Torvorlagen sind kein Spitzenwert. Und bei seiner oft gelobten Schusstechnik müssen für einen Offensivspieler auch mehr als drei Saisontreffer rumkommen. Kein Wunder, dass Trochowski als Wackelkandidat für den WM-Kader gilt.

Mein Tipp: Wenn der neue HSV-Trainer für Konstanz und Aufschwung sorgen kann, wird auch Trochowski wieder besser spielen. Wenn das Chaos weiter geht, wird das Trochowski mit runterziehen.

Vedad Ibisevic: Viele hatten darauf gesetzt, dass der Torjäger der vergangenen Hinrunde nach seiner überstanden Verletzung wieder die gegnerischen Teams in Angst und Schrecken versetzen würde. Aber 12 Tore sind nur eine durchschnittliche Bilanz – vor allem, wenn man bedenkt, dass das Hoffenheimer Spiel durch das wiederholte Fehlen von Ba und Obasi stärker auf den Bosnier zugeschnitten war. Dazu kamen immer wieder wochenlange Phasen ohne Tor. Somit war Ibisevic das Symbol für die Hoffenheimer Bilanz: Nach der mehr als verheißungsvollen Premierensaison in der Liga ist er auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

Mein Tipp: Wenn Ba und Obasi wieder richtig fit sind, wird Ibisevic nur noch der Platz bleiben, den er im Aufstiegsjahr hatte: auf der Bank.

Patrick Helmes: Der Ex-Nationalspieler war der einzige Verlierer in einer starken Saison von Bayer Leverkusen. Natürlich muss man ihm nach seinem Kreuzbandriss noch einen Bonus zugestehen. Niemand kann nach sechs Monaten Pause sofort wieder in Top-Form sein. Aber: Helmes feierte schon am 14. Spieltag sein Comeback, hatte also die gesamte Rückrunde Zeit, sich einen Stammplatz zu erobern. Dass er nicht einmal an dem keineswegs immer überzeugenden Eren Derdiyok vorbeikam, spricht nicht für ihn. Nur zwei Saisontore liefern ebenfalls kaum Argumente für Helmes.

Mein Tipp: Nur mit einem starken Start in die neue Saison wird Helmes wieder zur Torjäger-Selbstverständlichkeit früherer Tage zurückkehren. Ansonsten droht das Schicksal Podolski.

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