Draufgeschaut: 12 Years A Slave


Film 12 Years A Slave

Chiwetel Ejiofor 12 Years A Slave Film Kritik Rezension

Solomon (Chiwetel Ejiofor) wird entführt und verkauft.

Produktionsland USA, Großbritannien
Jahr 2013
Spielzeit 134 Minuten
Regie Steve McQueen
Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch, Paul Dano, Garret Dillahunt, Paul Giamatti, Lupita Nyong’o, Brad Pitt
Bewertung

Worum geht’s?

Saragota, 1841: Der Musiker Solomon Northup lebt als angesehener Mann im Bundesstaat New York. Zwei Männer bieten ihm ein lukratives Engagement in Washington an. Die Gelegenheit ist günstig, denn Solomons Frau ist mit den Kindern ohnehin gerade für einige Wochen auf Reisen. Er schließt sich den beiden Männern an, wacht nach einer durchzechten Nacht aber in Ketten auf. Die vermeintlichen Musik-Agenten haben ihn an Sklavenhändler verkauft. Solomon wird in die Südstaaten verschleppt, niemand glaubt ihm, dass er ein freier Mann aus dem Norden ist. In der Landwirtschaft muss er erleben, wie barbarisch Schwarze wie er im Süden behandelt werden. Gewalt, Willkür und Missbrauch sind an der Tagesordnung. Solomon steht vor der Frage, ob er möglichst unauffällig bleiben soll, um als Sklave zu überleben, oder weiter auf seine Freilassung drängen soll – der Kampf wird zwölf Jahre lang dauern.

Das sagt shitesite:

Als persönliches Schicksal wäre 12 Years A Slave, basierend auf der wahren Geschichte und der Autobiographie von Solomon Northup, bedrückend, schockierend und eindringlich genug. Der Film von Steve McQueen leistet aber deutlich mehr. Er zeigt mit entwaffnender Schonungslosigkeit, wie falsch, menschenverachtend und letztlich in jeder Hinsicht destruktiv Rassismus ist. Das nimmt nicht nur das zweite große Trauma der amerikanischen Nation nach der weitgehenden Ausrottung der Ureinwohner unter die Lupe, die zweite Lebenslüge im angeblichen „Land of the free, home of the brave“. Es ist in Zeiten von #BlackLivesMatter auch extrem aktuell und hält eben jener Nation den Spiegel vor.

Der besondere Effekt entsteht dabei dadurch, dass Solomon im Geschehen zugleich konsternierter Beobachter und auf denkbar brutale Weise Beteiligter ist. Er wundert sich ebenso sehr über diese Zustände, die so vollkommen unserem normalen Maßstab von zivilisiertem Miteinander widersprechen, wie es die heutigen Zuschauer tun. Von Anfang an gibt es keinen Grund, ihm nach seiner unglückseligen Nacht in Washington nicht zu glauben, dass er ein freier Mann ist – außer Rassismus und Gier. Wie sehr Kapitalismus und Rassismus verknüpft sind, zeigt 12 Years A Slave auf subtile Weise, selbst wenn die Sklavenhalter im Süden in ihrem immer wieder hervorbrechenden blanken Sadismus gerne selbst den Wert ihres Humankapitals verkennen. Auch die Religion spielt in diesem System eine erhebliche Rolle, als Vorwand für Unterdrückung in Namen einer vermeintlich gottgegebenen Ordnung auf Seiten der Weißen, zugleich als Quelle für Trost, Hoffnung und Stolz auf Seite der Sklaven.

Dank der exzellenten Leistung von Chiwetel Ejiofor und vieler extremer Nahaufnahmen gelingt es, diese Konstellation in einer Person zu konzentrieren. Die Fassungslosigkeit und Zerrissenheit von Solomon speist sich dabei nicht nur aus seiner geraubten Identität, sondern auch aus der Unmöglichkeit, Koalitionen zu bilden: Als Schwarzer ist er nicht auf Augenhöhe mit den Weißen, als eigentlich freier Mann aus dem Norden ist er auch nicht auf Augenhöhe mit seinen Leidensgenossen im Süden. Mehr noch: Sein grausames Los ist nicht allein dadurch zustande gekommen, dass er schwarz ist. Sondern dadurch, dass er schwarz ist in der falschen Region des Landes. Diese Zerrissenheit innerhalb einer Nation ist es, die seine Situation (und damit die Idee einer rassistisch begründeten sozialen Ordnung) so absurd erscheinen lassen, für ihn als Leidtragenden, aber auch für uns heute. Auflehnen oder wegducken, assimilieren oder aufbegehren – was ist die richtige Strategie gegen eine offenkundige und ungerechtfertigte Ungleichbehandlung? Dass sich so viele Schwarze in den USA auch 150 Jahre nach der Heimkehr von Solomon Northup noch immer diese Frage stellen müssen, ist die eigentlich schockierende Botschaft von 12 Years A Slave.

Bestes Zitat:

„Ich will nicht überleben. Ich will leben.“

Der Trailer zum Film.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.