Draufgeschaut: Alle anderen


Film Alle anderen

Im Urlaub werden sich Gitti (Birigt Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) fremd.

Im Urlaub werden sich Gitti (Birigt Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) fremd.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2009
Spielzeit 124 Minuten
Regie Maren Ade
Hauptdarsteller Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Nicole Marischka, Hans-Jochen Wagner
Bewertung

Worum geht’s?

Gitti, die für eine Plattenfirma arbeitet, und ihr Freund Chris, ein Innenarchitekt, verbingen ihren Urlaub auf Sardinien. Statt Pärchen-Idylle gibt es aber ständig Stress. Gitti langweilt sich schnell, Chris zweifelt an seiner Arbeit und seiner Männlichkeit. Als sie Hans und Sana begegnen – Freunden von Chris aus Deutschland – bringt das noch mehr Zündstoff in die Beziehung. Nach und nach drängt sich ihnen in diesem Urlaub die Frage auf, ob sie überhaupt noch zusammen sein wollen.

Das sagt shitesite:

Wenn Filme mit Begriffen wie „intim“, „gekonnt beobachtet“ oder „feinfühlig“ versehen werden, dann sind das oft nur poetische Umschreibungen für: langweilig. Bei Alle anderen ist das nicht so, obwohl all die genannten Attribute zutreffen. Sehr schnell sorgen Misstrauen, Vorwürfe und Aggression für Spannung, auch wenn (und gerade weil) sie zunächst bloß unterschwellig zu bemerken sind.

Dass Chris ein Schweiger ist und Gitti überdreht, ist keineswegs das Problem in dieser Beziehung. Vielmehr wird den beiden im Urlaub deutlich, dass sie nie festgelegt haben, was sie von ihrer Beziehung über das bloß Zusammensein hinaus erwarten. Beide suchen nach einer Identität, nach einem Weg, um sich selbst zu finden – und sie sind plötzlich unschlüssig, ob sie diesen Weg nicht eher finden oder besser beschreiten könnten, wenn sie alleine wären. Sie werden sich fremd, ohne diesen Prozess aufhalten zu können, sie geraten direkt aus der scheinbaren Harmonie in eine existenzielle Krise, ohne den Moment des Übergangs benennen zu können.

Banale Alltagssituationen wechseln sich in Alle anderen mit Szenen kurz vor der Eskalation ab. Der Film zeigt viel Landschaft und – natürlich exzellent gespielt – noch mehr Schweigen. Dass Chris sie manchmal hasst, muss Gitti aus seinem Blick ablesen. Dass sie lauter Wünsche hat, die er verkennt, bleibt ebenfalls unausgesprochen.

All dies im hitzigen Sommer des Südens anzusiedeln, auch noch im Urlaub, der doch Entspannung und traute Zweisamkeit bieten soll, ist nicht sonderlich originell, aber wirkungsvoll. Noch besser funktioniert die Idee mit dem befreundeten Pärchen, das plötzlich zum Spiegel und zur Messlatte für Chris und Gitti wird. Durch diese Begegnung werden sie herausgefordert, sich selbst und ihren Zusammenhalt zu hinterfragen, und sie sehen sich erstmal mit dem Problem konfrontiert, so etwas wie eine Form zu finden, die ihre Beziehung auch nach außen hin, vor anderen repräsentiert. Dass die Suche nach einer Definition für ihr Miteinander das Miteinander an sich so elementar strapaziert, ist eine virtuos erzählte Lektion aus dem Leben.

Bestes Zitat:

„Ich wäre manchmal so gern anders für dich.“

Der Trailer zum Film:

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