Draufgeschaut: Antichrist


Film Antichrist

Antichrist Film Kritik Rezension

Er (Willem Dafoe) will seine Frau (Charlotte Gainsbourg) trösten.

Produktionsland Dänemark, Deutschland, Frankreich, Schweden, Italien, Polen
Jahr 2009
Spielzeit 104 Minuten
Regie Sean Penn
Hauptdarsteller Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg
Bewertung

Worum geht’s?

Ein Ehepaar in Seattle gibt sich im Badezimmer der Lust hin. Während sie Sex haben, klettert ihr kleiner Sohn aus dem Kinderbett aufs Fensterbrett, um die Schneeflocken zu bestaunen – und stürzt in den Tod. Die Eltern sind erschüttert. Während der Mann, ein Psychotherapeut, sich der Situation stellen will, ist die Frau völlig traumatisiert, leidet regelmäßig an Panikattacken und kapselt sich von der Welt ab. Auch die von ihrem Mann angebotene Hilfe schlägt sie aus. Ein Ausflug in ein Ferienhaus im Wald soll beiden bei der Trauerarbeit helfen – bringt aber erst recht zutage, was in ihnen für Abgründe und Konflikte lauern.

Das sagt shitesite:

Das Beste an Antichrist ist der unfassbar erschütternde Prolog. Die Exposition profitiert von sehr starken Bildern, mutigen (und splitternackten) Schauspielern und einer Tragik von fast alttestamentarischer Dimension. Zugleich legen die ersten Minuten des Films die Messlatte extrem hoch – und danach bemühen sich alle Beteiligten vergeblich, sie noch einmal zu erreichen.

Der Film, manchmal Porno, manchmal Thriller, sehr oft Horror, vereint viele Elemente, die man aus dem Werk von Lars von Trier kennt. Es gibt visuelle Referenzen an antike Mystik, Mittelalter und Drittes Reich. Es gibt sehr viel Provokation und eine ordentliche Dosis märchenhaften Schmonzes.

Das sorgt durchaus für Gänsehaut und auch für ein Filmerlebnis, das man so schnell nicht wieder vergisst. Allerdings ist Antichrist insgesamt eher fragwürdig als eindrucksvoll. Das liegt vor allem am Frauenbild, das dieser Film zeigt. Große Themen des Geschlechterkampfs wie Erbsünde, Emanzipation oder Genitalverstümmelung sind hier letztlich nur ein Vorwand für möglichst schockierende Bilder und werden in keinem Moment wirklich ernsthaft reflektiert.

Auch die Tatsache, dass die beiden Figuren in Antichrist keine Namen haben, stärkt den Verdacht, dass sie als Prototypen gedacht sind und dass Lars von Trier hier sein Verständnis vom Wesen der Geschlechter auf die Leinwand bringt, und dass dieses Verständnis ebenso plump wie misogyn ist: Er ist die Stimme der Vernunft, Sie wird mehr und mehr zur Furie.

Bestes Zitat:

„Was der Verstand sicher denken und glauben kann, das kann er auch erreichen.“

Der Trailer zum Film.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.