Draufgeschaut: Dallas Buyers Club


Film Dallas Buyers Club

Dallas Buyers Club Rezension Kritik

Ron (Matthew McConaughey) will nicht glauben, dass er Aids hat.

Produktionsland USA
Jahr 2013
Spielzeit 117 Minuten
Regie Jean-Marc Vallée
Hauptdarsteller Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner, Michael O’Neill, Denis O’Hare, Steve Zahn
Bewertung

Worum geht’s?

Ron Woodroof ist ein Texaner, wie er im Buche steht: Er liebt Rodeo, arbeitet für eine Ölfirma und lässt es privat gerne krachen, mit Whiskey und Weibern. Als ihn ein Arbeitsunfall ins Krankenhaus bringt, stellen die Ärzte fest, dass er HIV hat. Auf etwa 30 Tage beziffern sie seine verbleibende Lebenserwartung. Ron will die schockierende Diagnose nicht wahr haben. Nicht nur, weil er sich stets als unbesiegbar gegeben hat, sondern auch, weil Aids im Texas der 1980er Jahre als eine Krankheit gilt, die ausschließlich Homosexuelle dahinrafft. Sein körperlicher Verfall lässt sich allerdings nicht leugnen. So versucht Ron zunächst, sich in eine Studie mit einem experimentellen Wirkstoff zu schummeln, der Aids vielleicht besiegen könnte. Als das nicht gelingen will, wählt er einen anderen Weg: Er beschafft sich Medikamente in Mexiko. Bald stellt er fest, dass sie gut wirken und beschließt angesichts der riesigen Anzahl von Betroffenen in den USA, den dortigen Markt zu beliefern – wobei ihm etliche Steine in den Weg gelegt werden und er auf Unterstützer setzen muss, für die er in seinem früheren Leben nichts als Verachtung übrig hatte.

Das sagt shitesite:

Schon allein wegen der Performance von Matthew McConaughey wäre Dallas Buyers Club sehenswert. Der ewige Surferboy, der zuvor eher für flache Komödien wie Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen? oder Zum Ausziehen verführt bekannt war, legt hier – 21 Kilogramm leichter als in seinen früheren Auftritten – eine irre Leistung hin, die ihm den Oscar als bester Hauptdarsteller eingebracht hat. Das ist ein bisschen, als würde Oliver Pocher plötzlich als Charakterdarsteller glänzen.

Seine Interpretation der Hauptfigur ist der Schlüssel zur kolossalen Wirkung dieses Films, denn es glingt ihm, Ron Woodroof mit vielen Schattierungen auf die Leinwand zu bringen. Zu Beginn ist er ein homophober Macho, am Ende hilft er als Medikamenten-Importeur für die Welt der Schwulen und Junkies genau denjenigen, auf die er ein ganzes Leben lang herabgeschaut hat. Doch dieses Biopic, basierend auf einer wahren Geschichte, erzählt keine Hollywood-typische Verwandlung vom Saulus zum Paulus. Woodroof ist kein Held, sondern ein Pragmatiker. Er kann die Sehnsucht nach seinem alten Leben mit Kumpels, Suff und Nutten nie so richtig abschütteln, so viel er bei der Begegnung mit anderen Aidskranken auch über Ausgrenzung, Vorurteile und Einsamkeit (und damit über seine eigene Arroganz) dazulernt.

Dallas Buyers Club zeigt schockierend unmittelbar die Phasen von Wut, Verzweiflung und Selbstmitleid, die er nach seiner HIV-Diagnose durchläuft. Er verliert Freunde, Hoffnung und sein Ideal von Männlichkeit, bis ihm ausgerechnet sein Selbstverständnis als Outlaw den Mut verleiht, auf eigene Faust nach einem Ausweg für sich und andere Aids-Patienten zu suchen. Ähnlich wie beispielsweise Philadelphia thematisiert Dallas Buyers Club dabei Stigmatisierung und Scheinheiligkeit, wirft aber zugleich noch einen kritischen Blick auf eine Pharmabranche, die falsche Anreize setzt, fragwürdige klinische Studien durchführt und genau die Werte vermissen lässt, die Ron Woodroof (und dieser Film) hier beweisen: Risikobereitschaft, Solidarität und ein tiefes Empfinden von Menschlichkeit.

Bestes Zitat:

„Oft habe ich das Gefühl, ich kämpfe für ein Leben, für das ich gar keine Zeit mehr habe.“

Der Trailer zum Film.

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