Draufgeschaut: Das letzte Wort


Film Das letzte Wort

Bischof Lorenz (Thomas Thieme, rechts) wird von Oliver (Shenja Lacher) in die Mangel genommen.

Bischof Lorenz (Thomas Thieme, rechts) wird von Oliver (Shenja Lacher) in die Mangel genommen.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2012
Spielzeit 89 Minuten
Regie Didi Danquart
Hauptdarsteller Thomas Thieme, Shenja Lacher, Wolfram Koch, Anna Stieblich
Bewertung

Worum geht’s?

Mord im Pfarrhaus: Ein Pfarrer wird nachts erschlagen, die Polizei geht von einem Raubmord aus. Bischof Lorenz, der Bruder des Opfers, der zur Tatzeit bei ihm zu Besuch war, glaubt allerdings nicht an diese Theorie. Er vermutet, der Anschlag habe eigentlich ihm gegolten, weil er in den Tagen zuvor immer wieder mysteriöse Anrufe erhalten hat. Das erklärt er auch der Polizei und einem Ermittler des Landeskriminalamts, der kurz nach den Kommissaren im Pfarrhaus auftaucht und ihn zum Mord befragen möchte. Aus dem Verhör wird eine Geiselnahme – denn der vermeintliche Beamte ist in Wirklichkeit ein mehrfach vorbestrafter Krimineller, der den Bischof für eine verhängnisvolle Entscheidung in seiner Vergangenheit zur Rechenschaft ziehen möchte. „Ich werde Sie töten, aber vorher müssen Sie mir noch helfen, die Welt zu verstehen“, lautet sein Vorhaben.

Das sagt shitesite:

Das letzte Wort hat eine kurze Einführung in den Fall und ein vergleichsweise großes Finale. Dazwischen sind fast 70 Minuten lang nur zwei Männer in einem Haus zu sehen. Das zeigt schon, dass der Fernsehfilm von Didi Danquart den Zuschauer fordert und mit den üblichen Sehgewohnheiten – erst recht im Krimi-Format – bricht. Allerdings gilt das nicht nur formal. Die beiden Männer, die sich im Pfarrhaus gegenüber sitzen, kommen in ihrem Gespräch schnell zu den großen ethischen Fragen. Schuld, Selbstbetrug, Anmaßung, Vergebung, Vereinbarkeit von weltlicher und religiöser Moral – das sind die Themen in diesem intensiven, besonderen Film.

Das alles kann natürlich nur mit herausragenden Hauptdarstellern funktionieren. Thomas Thieme gibt den Bischof als unerschütterlichen Glaubensmann, der gleichzeitig Hirte und Machtmensch ist. Obwohl er womöglich dem Mörder seines Bruders gegenübersitzt, der nun droht, ihn ebenfalls zu töten, will er beherrscht, würdevoll und höflich bleiben. Shenja Lacher gibt den labilen, aber hoch intelligenten Querulanten, der permanent gegen den tiefen Groll in sich ankämpft, ebenso eindrucksvoll.

Einige der vielen Volten in Das letzte Wort ahnt man als Zuschauer zwar schnell, trotzdem hält die Handlung noch etliche Überraschungen und Zuspitzungen bereit. Im Kern geht es um eine Abtreibung: Der Bischof hatte einst einer 16-Jährigen zugeredet, ihr ungeborenes Kind nicht abzutreiben, ließ sie danach aber im Stich. Die junge Frau brachte das Baby trotz ihrer Zweifel zur Welt, was letztlich aber für sie und das Kind nur Unglück brachte. Oliver will den Bischof mit dieser Situation und den Folgen konfrontieren.

Das Dilemma rund um den Schutz des ungeborenen Lebens seziert Das letzte Wort, ohne dem Zuschauer eine Entscheidung nahezulegen. Dass beide Männer selbstgerecht sind, ihre Fehler verleugnen und ihren eigenen moralischen Ansprüchen nicht im vollen Maße gerecht werden können, macht ihr Duell so aufreibend. Das Gespräch ist manchmal eine Beichte, manchmal eine Folter, manchmal ein Verhör, manchmal ein theologischer Disput.

Der eine ist ein Verbrecher, der Absolution für seine bevorstehende Tat und sein verkorkstes Leben sucht. Der andere ist ein Bischof, der auch dann Sinn und Anleitung stiften will, wenn er vielleicht seinem eigenen Mörder gegenüber sitzt. Diese Konstellation führt ihr Gespräch zu den letzten Fragen: Was ist ein Vater? Was ist Leben? Was ist, wenn die mutmaßliche Meinung Gottes der Lehre der Kirche widerspricht? Wie sicher können wir sein, dass wir mit gut gemeinten Entscheidungen den Menschen nicht Unrecht tun? Und wie können wir uns anmaßen, unsere Maßstäbe an andere anzulegen?

Die rasanten, intelligenten, präzise formulierten Dialoge sind großartig und begründen letztlich die sehr eindringliche Atmosphäre von Das letzte Wort. Geisel und Geiselnehmer liefern sich eine unerbittliche, beinahe brutale Debatte, zu deren Spannung auch die Tatsache beiträgt, dass jeder von beiden für bestimmte Phasen die Oberhand in diesem argumentativen Gerangel gewinnt, ebenso wie die Sympathien der Zuschauer für die beiden Männer ständig wechseln dürften.

Bestes Zitat:

„Es kommt nicht auf das Gefühl an, mit dem wir unseren Feinden begegnen. Sondern nur darauf, wie wir an ihnen handeln.“

Der Film:

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