Draufgeschaut: Dead Man Working


Film Dead Man Working

Dead Man Working Kritik Rezension

Tom (Benjamin Lillie) will seinen Chef Jochen (Wolfram Koch) beeindrucken.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2016
Spielzeit 90 Minuten
Regie Marc Bauder
Hauptdarsteller Benjamin Lillie, Wolfram Koch, Jördis Triebel, Manfred Zapatka, Bernhard Schütz
Bewertung

Worum geht’s?

Als „Investmentbanker des Jahres“ ist Jochen Walther sowieso schon ausgezeichnet, jetzt bringt er für seinen Arbeitgeber einen weiteren Mega-Deal unter Dach und Fach: 1 Milliarde Euro Gewinn steht bei dem Geschäft in Aussicht. Möglich gemacht hat das auch sein Protegé Tom, ein Mathegenie, dessen größtes Glück es ist, den Chef beeindrucken zu können, um vielleicht irgendwann in seine Fußstapfen treten zu können. Die Gelegenheit bietet sich schneller als erwartet: In der Nacht nach dem Abschluss des hart umkämpften Vertrags stürzt sich Jochen Walther vom Dach des Wolkenkratzers, in dem die Bank ihren Firmensitz hat. Tom ist schockiert, auch das Unternehmen gerät ins Zwielicht, die Witwe wittert eine Verschwörung. Weil Tom die Gründe für Jochens Tod nicht verstehen kann, macht er sich auf die Suche nach einem möglichen Motiv – und zweifelt schon bald an der Branche, in der er so steil aufgestiegen ist.

Das sagt shitesite:

Die „Bank der Deutschen“ heißt die Firma, um die es hier geht. Das ist genauso wenig subtil wie der Filmtitel Dead Man Working und verweist auf die größte Schwäche dieses Wirtschaftsthrillers: In einigen Momenten ist er zu plump und explizit.

Wenn in der eiskalten Kulisse der Wolkenkratz lauter gestresste Männer einsame Entscheidungen treffen und in den wenigen Momenten ihrer Reflexion pseudo-bedeutende Blicke in die Leere ihrer Büros werfen, dann wird ein bisschen zu deutlich, dass der Film nicht nur aufklären will, sondern anklagen.

Auch die Tatsache, dass Regisseur Marc Bauder versucht, unglaublich viel Kontext in diese 90 Minuten zu packen, geht auf Kosten der Fokussierung auf seine Figuren und ihr Innenleben. Es gibt in einigen Passagen von Dead Man Working mehr Nachrichten aus dem Off als eigentlichen Plot.

Immerhin bietet der Thriller aber ein paar überraschende Wendungen; vor allem gelingt es, die Mechanismen aufzuzeigen, die in der (im Film wie in der Realität) angeblich geläuterten Finanzbranche weiterhin herrschen. Ein überholtes Männlichkeits-Ideal sorgt dafür, dass hier mit sportlichem Ehrgeiz eine Scheinwelt aufgebaut wird, die Verantwortung und Druck vorgaukelt, obwohl die Banker doch bloß mit dem Geld anderer Leute spielen und nie ernsthaft in Gefahr geraten, wirklich in existenzielle Bedrängnis zu geraten. Dass sie am Urinal durch die Panoramafenster der Firmenzentrale hoch über den Dächern Frankfurts auf die Menschen dort unten schauen (und pinkeln) ist ein schönes Sinnbild dafür.

Vor Paranoia bewahrt sie das freilich nicht. „Den ganzen Adrenalin-Budenzauber“, wie es an einer Stelle des Films heißt, als eben solchen vorzuführen, ist die größte Stärke von Dead Man Working. Die Moral hingegen, die mit einiger Penetranz betont wird, ist vollkommen erwartbar: Banker kennen keine Moral, keine Loyalität und keine Skrupel.

Bestes Zitat:

„Geld vermehren: Das war wie eine Religion für ihn.“

Der Trailer zum Film.

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