Draufgeschaut: Der Mann, der die Frauen liebte


Bertrand (Charles Denner) kann seine Augen nicht von den Frauen lassen.

Bertrand (Charles Denner) kann seine Augen nicht von den Frauen lassen.

Film Der Mann, der die Frauen liebte
Produktionsland Frankreich
Jahr 1977
Spielzeit 117 Minuten
Regie François Truffaut
Hauptdarsteller Charles Denner, Brigitte Fossey, Nelly Borgeaud, Geneviève Fontanel, Leslie Caron, Nathalie Baye, Sabine Glaser
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Bertrand ist ein Mann im sogenannten besten Alter. Er arbeitet als Ingenieur und genießt sein Leben im Montpellier der 1970er Jahre. Vor allem erfreut er sich an der Damenwelt: Eine Affäre reiht sich an die nächste, und von einer echten Beziehung will Bertrand aus Prinzip nichts wissen. Als er beschließt, seine amourösen Erlebnisse in Buchform zusammenzufassen, entwirft er beim Schreiben eine Philosophie seines Verständnisses von Zweisamkeit.

Das sagt shitesite:

Das Schönste an Der Mann, der die Frauen liebte, ist die Leichtigkeit dieses Films. Niemals wird Bertrand zum Prahlhans, der mit all seinen Eroberungen angibt. Niemals versinkt die Handlung in allzu grüblerischen Gedanken über das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit. Flirt, Erotik, Liebe – all das ist hier ein Spiel. Auch der Mutterkomplex von Bertrand und die späte Pointe, dass es in seinem Leben vielleicht doch die eine, große Liebe gab, wird nicht zwanghaft problematisiert, sondern hingenommen, beinahe als eine Episode unter vielen.

Wie viel Humor in diesem Film steckt, zeigt bereits die Anfangsszene: Es ist die Beerdigung von Bertrand, und die Trauergemeinde besteht ausschließlich aus Frauen. Keine von ihnen nimmt ihm krumm, dass er nicht für immer bei ihr geblieben ist, denn Bertrand ist ein Suchender – und das spüren sie noch mehr als er selbst. Erst, als er sein Buch schreibt, wird auch ihm das völlig klar. Hinter seiner Unersättlichkeit und der scheinbaren Beliebigkeit seiner Abenteuer („Ich bin kein Schürzenjäger. Ich kann Schürzenjäger nicht ausstehen. Ich finde sie erbärmlich“, betont er) steckt so etwas wie eine hoch motivierte Recherche nach der Essenz der Weiblichkeit.

Ein einziger Moment reicht aus, um diesen Mann völlig in Verzückung zu versetzen, ein Blick, ein Geräusch, eine Stimme am Telefon. Dann scheint es neben dieser einen Frau plötzlich keine anderen mehr zu geben, und Bertrand setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um diese Frau für sich zu gewinnen. Hauptdarsteller Charles Denner schafft es großartig, den Mix zu illustrieren, auf den Bertrand dabei setzt: Er ist forsch und geradeheraus, doch er ist dabei niemals dominant. Er liefert sich der Situation des Flirts völlig aus, der Flüchtigkeit, dem Werben und Bangen, und er hat auch kein Problem damit, um ein Rendezvous zu betteln.

„Du glaubst zu lieben, aber es ist nicht wahr. Du liebst nur die Idee von der Liebe“, wirft ihm eine seiner Geliebten in dem Moment an den Kopf, als sie ihn verlässt – und kommt damit der Wahrheit wohl recht nahe. Trotz dieser spannenden Charakterisierung wäre Der Mann, der die Frauen liebte aber ein banaler Film, wenn da nicht noch eine zweite Ebene wäre. Bertrand ist nicht nur Jäger, sondern auch Sammler. In seinen Schubladen türmen sich Briefe, Andenken und Fotos von Verflossenen, und sie werden zu den Quellen, aus denen er für seine Buch schöpft.

Der Mann, der die Frauen liebte wird so, vor allem in der zweiten Hälfte, auch zu einer Geschichte vom Schreiben und Erinnern, von der Selbstfindung durch Reflexion. Wenn Bertrand versucht, Struktur inmitten all seiner Spontaneität und Instinkte zu finden, und vor allem, wenn er plötzlich bemerkt, dass er die wichtigste Frau in seinem Leben in seinem Werk gar nicht erwähnt hat und das Buch deshalb noch einmal neu schreiben möchte, dann ist das eine wunderbar subtile Kritik an der Schwäche des Manns, eine noch grandiosere Hommage an die Reize der Frau und – wie der ganze Film – herrlich romantisch.

Bestes Zitat:

“Du bist reizvoll, wirklich sehr reizvoll. Und wenn du mich ein bisschen lieben würdest, wärst du vollkommen.”

Eine Szene aus dem Film:

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