Draufgeschaut: Die Fischerin


Film Die Fischerin

Meike (Alwara Höfels) hatte lange keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater (Rüdiger Vogler).

Meike (Alwara Höfels) hatte lange keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater (Rüdiger Vogler).

Produktionsland Deutschland
Jahr 2014
Spielzeit 90 Minuten
Regie Jan Ruzicka
Hauptdarsteller Alwara Höfels, Rüdiger Vogler, Max von Thun, Golo Euler, Paul Faßnacht
Bewertung

Worum geht’s?

Mit ihrer alten Heimat am Bodensee hat Meike abgeschlossen: Sie lebt zufrieden in Berlin mit ihrem Sohn Paul und ist auf dem besten Weg, in der Gastronomie Karriere zu machen. Als sie erfährt, dass ihr Vater einen Herzinfarkt hatte, packt sie aber doch die Sachen und fährt gen Süden in das Dorf, in dem sie aufgewachsen ist. Der Vater, zu dem sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hatte, ist wenig begeistert von dem Besuch und bestreitet, im harten Arbeitsalltag als Fischer neuerdings Hilfe zu brauchen. Deutlich erfreuter reagiert Markus, die Jugendliebe von Maike – bis er erfährt, dass er der Vater ihres Sohnes ist, von dem sie ihm nie erzählt hat.

Das sagt shitesite:

Da war doch was! Die Fischerin vom Bodensee hieß 1956 ein Heimatfilm-Klassiker, und auch Die Fischerin hat zumindest auf dem Papier ein paar Zutaten für eine Schmonzette. Herzschmerz (sogar im Wortsinne), eine Jugendliebe, ein Kind auf der Suche nach einer Vaterfigur, ein mühsam verdrängter Schicksalsschlag, reichlich pittoreske Landschaftsaufnahmen – all das gibt es auch hier.

Ganz so seicht wie ein Heimatfilm ist Die Fischerin dann aber doch nicht. Die Figuren haben durchaus Tiefe, vom neunjährigen Buben bis zum störrischen Großvater. Die Erzählweise ist so unaufgeregt wie die schwäbische Mentalität, die hier nicht nur wegen der gelegentlichen Mundart-Passagen gut eingefangen wird. Oft lässt Regisseur Jan Ruzicka gleich ganz die Bilder sprechen statt seiner Schauspieler.

Im Zentrum steht Meike, deren Aufgaben in diesem Drama Selbstfindung und Vergangenheitsbewältigung lauten. Was sie zurückgelassen hat, gleicht einer biografischen Müllhalde, und sie ist zunächst fest entschlossen, aufzuräumen. Schließlich ist sie eine Frau, die anpacken kann. Das gilt in Berlin im Restaurant, dessen Chefin sie bald werden könnte, und in der alten Heimat in einem Holzboot mit Außenbordmotor.

Leider bleibt sie dann aber bis ganz kurz vor dem Ende von Die Fischerin hin- und hergerissen. Diese Unentschlossenheit (nicht nur der Figur, sondern des Films) nervt auf Dauer und ist zudem so wenig glaubhaft, dass sie zum entscheidenden Manko des Films wird. In Berlin hat Meike als alleinerziehende Mutter alles im Griff, jetzt kann sie ihrer Vergangenheit nur mit zitternden Händen und wackligen Knien begegnen und sich nicht eingestehen, dass sie beim Versuch, alte Wunden im Schnellverfahren heilen zu lassen, mindestens so überfordert ist wie ihr gebrechlicher Vater bei der harten Arbeit draußen auf dem See.

Als sie von der Nostalgie (in der Person ihrer alten Flamme Markus) übermannt wird, muss sie sich schon bald fragen: Wo gehöre ich hin – geografisch und emotional? Dass ihr bei der Suche nach einer Antwort genau derselbe Egoismus im Weg steht, der sie einst zur Flucht nach Berlin veranlasst hat, bemerkt sie erstaunlicherweise nicht. Dass sie sich ohne Not in diese Krise begibt, leuchtet ebenfalls kaum ein. Daran krankt Die Fischerin: Die Konflikte und Probleme kann man noch nachvollziehen, die Entscheidungen und Lösungen nicht.

Bestes Zitat:

„Neun Jahre! Wie soll ich das jemals wieder aufholen?“

Der komplette Film.

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