Draufgeschaut: Die Geschichte des Richard O.


Film Die Geschichte des Richard O.

Richard (Mathieu Amalric) hängt noch immer an Emma (Ludmila Ruoso).

Richard (Mathieu Amalric) hängt noch immer an Emma (Ludmila Ruoso).

Produktionsland Frankreich
Jahr 2007
Spielzeit 75 Minuten
Regie Damien Odoul
Hauptdarsteller Mathieu Amalric, Stéphane Terpereau, Ludmila Ruoso, Tiara Comte
Bewertung

Worum geht’s?

Richard steckt in der Krise. In seinem Beruf als Fotograf fehlt ihm die Inspiration, seine Freundin Emma hat von ihm eine Trennung auf Zeit verlangt. Immerhin hat er eine Idee, wie er beides überwinden kann: Er heuert einen Arbeitslosen an, der auf der Straße wildfremde Frauen anspricht und sie bittet, an Richards neuem Kunstprojekt mitzuwirken. Sie sollen nackt vor laufender Kamera von ihren erotischen Fantasien erzählen – und Richard ist ihnen dann nur zu gerne behilflich, diese auch auszuleben.

Das sagt shitesite:

Mit einiger Berechtigung könnte man Die Geschichte des Richard O. für den Prototyp eines anspruchsvollen französischen Films halten. Es geht äußerst freizügig zur Sache (das bedeutet neben expliziten Sexszenen auch, dass beide Hauptdarsteller mit vollem Peniseinsatz spielen). Nach der dritten Flasche Wein und der fünften Packung Zigaretten wird über Lust, Liebe und nicht verarbeitete Konflikte aus der Kindheit philosophiert. Wenn Richard mit Emma streitet, explodieren die Dialoge beinahe vor Leidenschaft. Wenn der namenlose Arbeitslose, den er als Casting Director anheuert, auf den Straßen von Paris neue Probandinnen für Richards Videoprojekt anspricht und die Damen dann ihre feuchten Träume in die Kamera sprechen, dann könnte man das für die Verkörperung von Offenherzigkeit halten.

Leider ist Die Geschichte des Richard O. aber eher eine Karikatur all dessen. Weder die formalen Kniffe (nach ein paar Minuten ist Richard tot, der Rest der Geschichte wird als Rückblende erzählt, deren Pointe man damit schon kennt) noch die erzählerischen Metaphern (Richard versucht sich als Ringer, um eine Entsprechung für den psychischen und physischen Machtkampf der Geschlechter zu finden) tragen dazu bei, dem Film so etwas wie Tiefe zu verleihen.

Man kann ahnen, dass es Richard beim Versuch, seinen Trieben freien Lauf zu lassen, nicht um sexuelle Erfüllung geht, sondern um emotionale. Er sucht die Antwort auf die Frage, ob er glücklich sein wird, wenn er all seine Lust ausgelebt, jede Option ausprobiert hat. Und er erkennt Sex als eine Methode, das wahre Ich des Gegenübers (und sein eigenes) zu erkennen. Doch letztlich bleibt er seltsam konturlos und leer – wie dieser Film.

Bestes Zitat:

„Lieben heißt, einer Zerstörung zu widerstehen.“

Der Trailer zum Film.

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