Draufgeschaut: Die Invasion der Barbaren


Rémy nimmt gemeinsam mit Freunden und Familie Abschied vom Leben.

Rémy nimmt gemeinsam mit Freunden und Familie Abschied vom Leben.

Film Die Invasion der Barbaren
Produktionsland Kanada, Frankreich
Jahr 2003
Spielzeit 95 Minuten
Regie Denys Arcand
Hauptdarsteller Rémy Girard, Stéphane Rousseau, Dorothée Berryman, Louise Portal, Dominique Michel, Yves Jacques, Pierre Curzi, Marie-Josée Croze, Marina Hands
Bewertung *****

Worum geht’s?

Rémy wird sterben. Er weiß es, und alle um ihn herum wissen es auch. Während seine Schmerzen immer größer werden, versuchen die Menschen um ihn herum, dem einstigen Lebemann einen erträglichen Abschied zu verschaffen. Sein Sohn besorgt ihm ein luxuriöses Zimmer inmitten eines chaotischen Krankenhauses, seine Freunde versammeln sich noch einmal und schwelgen mit Rémy in Erinnerungen. Der Patient ist dabei im Angesicht des Todes nicht der Einzige, der sich die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt.

Das sagt shitesite:

Schon der Beginn des Films zeigt, wie schonungslos, amüsant und klug Die Invasion der Barbaren ist: Eine Krankenschwester geht da im Krankenhaus einen Gang voller Überfüllung, Unterfinanzierung  und Unzulänglichkeiten entlang, um schließlich ihren Patienten eine Hostie zu überreichen – und Rémy verwickelt sie daraufhin in eine Diskussion über den Sinn und Unsinn von Religion.

Es sind vor allem die messerscharfen Dialoge, die den Film so unterhaltsam machen. Rémy trifft zunächst auf seine Ex-Frau und seinen Sohn, und auf keiner der Seiten hat man ein Interesse an Versöhnung – obwohl alle wissen, dass zum Versöhnen nicht mehr viel Zeit bleibt. Dann trommelt die Familie die engsten Freunde des todkranken Professors zusammen – und auch die nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es gilt, die Vergangenheit des Lustmolchs Revue passieren zu lassen.

Rémy Girard ist dabei kolossal stark als Zyniker, der plötzlich sentimental wird. Habe ich meine Jugend verschwendet? Mein Talent vergeudet? Was bleibt, wenn ich tot bin? Was ist wichtig im Leben? All diese Fragen stehen ihm ins Gesicht geschrieben, und so spiegelt sich in seiner Figur nichts weniger als die Vergänglichkeit als solche, mit all ihrem Reiz und all ihrer Tragik.

Die Invasion der Barbaren erzählt aber nicht nur von der unumgänglichen (und unerträglichen) Kapitulation des Geists vor dem Körper, der Erinnerung vor der Gegenwart, des Zorns vor der Liebe, der Angst vor dem Verdrängen. Es ist auch ein politischer Film, der es auf höchst intelligente und poetische Weise schafft, die Themen Religion, Sterbehilfe, das Scheitern des Kommunismus, das Gesundheitssystem und den modernen Terror unter einen Hut zu bringen. Neben der überaus rührenden Familiengeschichte ist das die wirklich erschütternde Botschaft des Films: Er erzählt auch von der Niederlage der Kultur gegen die Barbarei.

Bestes Zitat:

„Ich bin mein ganzes Leben lang jeden Abend mit den schönsten Frauen dieser Welt eingeschlafen. Bis zu dem verhängnisvollen Tag, an dem ich morgens aufwachte und feststellte, dass ich am Tag zuvor beim Einschlafen von der Karibik geträumt hatte. Ich war alt geworden. Die Frauen waren aus meinen Träumen verschwunden.“

Der Trailer zum Film:

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