Draufgeschaut: Die Wolke


Film Die Wolke

Hannah (Paula Kalenberg) muss mit ihrem kleinen Bruder (Hans-Laurin Beyerling) fliehen.

Hannah (Paula Kalenberg) muss mit ihrem kleinen Bruder (Hans-Laurin Beyerling) fliehen.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2006
Spielzeit 102 Minuten
Regie Gregor Schnitzler
Hauptdarsteller Paula Kalenberg, Franz Dinda, Hans-Laurin Beyerling, Richy Müller, Carina Wiese, Claire Oelkers, Jennifer Ulrich
Bewertung

Worum geht’s?

Hannah und Meike sind beste Freundinnen. Den beiden 16-Jährigen steht ein Sommer voll unbeholfener Flirtversuche und dem Traum von der großen Freiheit in der Zeit nach dem Abitur bevor. Sie teilen die typischen Probleme, die Teenager eben in Schlitz, einem Provinzstädtchen im hessischen Vogelsberg, haben: nervige kleine Brüder, langweiliger Biologieunterricht, gestresste Eltern. Dann ereignet sich ein GAU in einem Atomkraftwerk in der Nähe von Schweinfurt, eine Wolke mit radioaktivem Fallout nähert sich Schlitz. Hannahs Mutter ist am Morgen zu einer Dienstreise ausgerechnet nach Schweinfurt aufgebrochen, jetzt muss sie selbst entscheiden, wie sie auf die Gefahr reagiert und sich zudem um ihren kleinen Bruder Uli kümmern. Sie hofft auf die Unterstützung von Elmar, den sie am Morgen des Unglücks zum ersten Mal geküsst hat. Doch schnell steht die ganze Gegend Kopf – und Hannah ist auf sich allein gestellt.

Das sagt shitesite:

Fünf Jahre vor Fukushima ist Die Wolke ein engagiertes Plädoyer für den Atomausstieg, in der Verfilmung von Gregor Schnitzler allerdings etwas weniger didaktisch als die Romanvorlage von Gudrun Pausewang. Schnitzler (Soloalbum, Resturlaub) lässt sich viel Zeit, um das Leben in der beschaulichen Provinz zu zeigen, und verschiebt den Akzent dann ein wenig in Richtung Katastrophenfilm und deutlich in Richtung Liebesgeschichte – das Techtelmechtel zwischen Hannah und Elmar, das hier zum roten Faden der Handlung wird, spielt im Buch keine Rolle.

Das Ergebnis ist solide und für einen Film, der wohl landauf, landab noch jahrelang im Schulunterricht zu sehen sein wird, erstaunlich düster. Hannah verliert in Die Wolke erst ihre Mutter, dann ihren Bruder, dann ihren Freund und ist angesichts dieser Entwicklung verständlicherweise mehr als die Hälfte der Spielzeit im Dauerschock. Den vermutlich vor allem jungen Zuschauern werden eine ganze Menge Tod, Verzweiflung und Hilflosigkeit zugemutet, auch durch die brutale Rücksichtslosigkeit der Menschen auf der Flucht vor der Strahlung. Diese Entschlossenheit, nicht zu beschönigen, zählt zu den Stärken des Films.

Dass es die Unvernunft ist (durch die Unreife ihres kleinen Bruders, durch die Panik ihrer Mitmenschen, durch ihre eigene Verliebtheit), die Hannah das Leben schwer macht und in noch größere Gefahr bringt als es der GAU ohnehin schon tut, dürfte manchem Klassenlehrer als Moral ebenfalls gefallen. Viel mehr noch aber hat DIe Wolke eine andere Botschaft: Der Film ist ein Appell zum Atomausstieg, vor allem aber zur Solidarität mit den Mitmenschen. Denn als schmerzhaft erweisen sich für Hannah nicht so sehr Krankheit und Strahlung, sondern das Alleingelassensein.

Bestes Zitat:

„In Schlitz habe ich mir ganz oft gewünscht, dass jeder Tag so schnell wie möglich vorbei geht, bis ich endlich weg kann. Und jetzt wünsche ich mir, dass jede Sekunde eine Ewigkeit dauert.“

Der Trailer zum Film:

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