Draufgeschaut: Dreileben


Film Dreileben

Frank Molesch (Stefan Kurt) ist aus der Haft entflohen.

Frank Molesch (Stefan Kurt) ist aus der Haft entflohen.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2011
Spielzeit 88/89/90 Minuten
Regie Christian Petzold/Dominik Graf/Christoph Hochhäusler
Hauptdarsteller Jacob Matschenz, Luna Mijović, Vijessna Ferkic, Rainer Bock, Jeanette Hain, Susanne Wolff, Mišel Matičević, Stefan Kurt, Eberhard Kirchberg
Bewertung

Worum geht’s?

Frank Molesch, ein verurteilter Mädchenmörder, wird in ein Krankenhaus im thüringischen Dreileben gebracht, um sich von seiner sterbenden Mutter verabschieden zu können. Den Besuch am Totenbett nutzt er zur Flucht und löst damit eine großangelegte Suchaktion aus, die in der beschaulichen Gegend für ziemlich viel Aufregung sorgt und nicht nur die Polizei in Atem hält. In drei lose verbundenen Filmen wird in Dreileben die Geschichte dieser Flucht erzählt, aus jeweils unterschiedlicher Perspektive. In Etwas Besseres als den Tod steht Johannes im Mittelpunkt, der gerade ein Praktikum im Krankenhaus macht, sich in ein Zimmermädchen aus dem Ort verliebt und durch eine Unachtsamkeit die Flucht von Molesch ermöglicht. In Komm mir nicht nach wird die Polizeipsychologin Johanna begleitet, die den Ermittlern vor Ort vorhersagen soll, wie sich der entflohene Sträfling verhalten wird, und die diese Gelegenheit zum Besuch bei einer alten Studienfreundin nutzt, bei der sie sich einquartiert. Eine Minute Dunkel rückt Molesch selbst ins Zentrum, und einen Kommissar, der seinen Fall noch einmal ganz neu betrachten möchte.

Das sagt shitesite:

Man müsste Dreileben schon allein wegen seines Muts loben: Aus einer Diskussion der drei beteiligten Regisseure entstand dieses Projekt, im Ersten wurden für das Experiment tatsächlich viereinhalb Stunden Sendezeit bereitgestellt, alle drei Teile dieses Experiments wurden (wenn auch mit enttäuschenden Quoten) im August 2011 hintereinander ausgestrahlt, beginnend zur Prime Time. Die Trilogie zeigt, wie künstlerisch spannend Fernsehen sein kann, wenn man sich denn traut.

Es ist die Landschaft des Thüringer Walds, die Dreileben so etwas wie einen Rahmen gibt, innerhalb dessen jeder der Regisseure dennoch eine eigene Ästhetik entwickeln kann. Auch inhaltlich sind alle drei Teile eigenständig und funktionieren auch, wenn man den Rest der Trilogie nicht gesehen hat. Es gibt lediglich ein paar Szenen, deren Bedeutung sich erst in den späteren Teilen erschließt, und überraschende, oft winzige Schnittmengen. Vor allem aber gibt es die spannende Erkenntnis, wie viele Geschichten in einer einzigen Geschichte stecken.

Ort und Zeit der Handlung sind identisch, doch die Macher haben ihre Stoffe nicht detailliert abgestimmt, sondern nur lose verwoben. Die Figuren, die sich in dieser Szenerie bewegen, sind höchst unterschiedlich und decken eine imposante Breite von Themen und eine erstaunliche Anzahl von Konflikten ab. Korruption, Thüringer Sagen, Eifersucht, DDR-Willkür – alles dabei. In Etwas Besseres als den Tod wird viel geschwiegen, Komm mir nicht nach ist beinahe ein Kammerspiel mit viel Spaß am Dialog, Eine Minute Dunkel gleicht am ehesten einem klassischen Thriller, der angesichts der Ausgangssituation mit dem flüchtigen Mörder so naheliegend wäre.

Das größte Verdienst von Dreileben ist es, dass die Trilogie eben dieses Naheliegende verweigert und auch in vielen anderen Bereichen die Konventionen seines Mediums bricht. Dieses Experiment zeigt vor allem: Es gibt ganz viele Wirklichkeiten, nicht nur im Fernsehen, sondern in der Welt.

Bestes Zitat:

“Früher war ich auch alt und klug wie du. Jetzt werde ich immer jünger und blöder.”

Der Trailer zum ersten Teil der Trilogie:

 

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