Draufgeschaut: Ende August, Ende September


Gabriel (Mathieu Amalric, rechts) bewundert den Schriftsteller Adrien (François Cluzet).

Gabriel (Mathieu Amalric, rechts) bewundert den Schriftsteller Adrien (François Cluzet).

Film Ende August, Anfang September
Produktionsland Frankreich
Jahr 1998
Spielzeit 111 Minuten
Regie Oliver Assayas
Hauptdarsteller Alex Descas, Arsinée Khanjian, François Cluzet, Mathieu Amalric, Nathalie Richard, Virginie Ledoyen
Bewertung ***

Worum geht’s?

Adrien ist Schriftsteller und gerade 40 geworden. Als eine Fernsehdokumentation über ihn gedreht werden soll, wird ihm klar, wie unzufrieden er mit seinem Leben und seinem Werk ist – und er hinterfragt die Freundschaft zu Gabriel, der ihn während der Dreharbeiten begleitet, sich nach zehn Jahren gerade von seiner Freundin Julie getrennt hat und nun in einer leidenschaftlichen Affäre mit Anne steckt. Als Adrien wenig später wegen einer geheimnisvollen Krankheit um sein Leben bangen muss, sind alle in diesem Freundeskreis aufgewühlt und versuchen, ihre Position im Leben neu zu bestimmen.

Das sagt shitesite:

Der Titel von Ende August, Anfang September ist zunächst irreführend: Die Handlung dieses leichtfüßigen, vagen, eleganten Films ist keineswegs auf einen so kurzen Zeitraum konzentriert. Vielmehr wird die Clique, in der Adrien so etwas wie das Bindeglied zwischen allen Freunden ist, in einzelnen Etappen über insgesamt ein Jahr begleitet. Ende August, Anfang September ist für sie alle aber der Punkt erreicht, an dem sie erkennen müssen, dass es nicht weiter gehen kann wie bisher.

Ihre Jugend ist vorbei, doch alle versuchen, sie am Leben zu erhalten. Die Aussicht aufs Erwachsenenleben hält für alle in diesem Freundeskreis nicht viel mehr bereit als den Zwang zu Entscheidungen, denen vor allem Gabriel gerne für immer aus dem Weg gehen möchte. Auch die Illusion, dass Geld keine Rolle spielt, solange man sich mit Kunst, Sex, Kaffee, Zigaretten und Freiberuflichkeit durchs Leben hangeln kann, schwindet zusehends.

Ende August, Anfang September lebt von sehr schönen Bildern, vor allem aber vom Nichtübereinstimmen von Erwartung und (Er-)Leben. Julie hängt noch an Gabriel, Jenny ist noch nicht über die Trennung von Adrien hinweg, doch beide ahnen, dass es keine Versöhnung oder gar Wiedervereinigung geben wird. Beide Männer haben neue Frauen an ihrer Seite, denen sie kaum mehr bieten wollen als Unverbindlichkeit. Letztlich erkennen alle, dass auch der Charakter ihrer Freundschaft möglicherweise nicht so ist, wie sie es sich eingebildet hatten: Erst der Schock durch Adriens Krankheit rüttelt alle wach, erst die Trauer um den gemeinsamen Freund führt dann dazu, dass alle wieder näher zusammen rücken.

Gerade Adrien, wunderbar zurückhaltend gespielt von François Cluzet, ist eine faszinierende Figur, in der alle Aspekte der Thematik von Ende August, Anfang September personalisiert sind: Er ist unnahbar, verloren, ein Einzelgänger – weil er nicht ahnt, wie viel Liebe und Bewunderung ihm alle entgegen bringen. Das ist am Ende vielleicht die Botschaft: Die Liebe ist da, für alle. Aber manchmal sieht man sie nicht.

Bestes Zitat:

“Ich denke an dich. Ich denke sogar in jedem Moment an dich. Mit Zärtlichkeit, mit Hoffnung, mit Sehnsucht, manchmal mit allen zugleich und manchmal einzig und allein nur mit dem Schuldgefühl, dich auszunutzen.”

Der Trailer zum Film:

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