Draufgeschaut: Erbarmungslos


Bill Munny (Clint Eastwood) plant ein Comeback als Auftragsmörder.

Bill Munny (Clint Eastwood) plant ein Comeback als Auftragsmörder.

Film Erbarmungslos
Produktionsland USA
Jahr 1992
Spielzeit 125 Minuten
Regie Clint Eastwood
Hauptdarsteller Clint Eastwood, Gene Hackman, Morgan Freeman, Jaimz Woolvett, Richard Harris, Saul Rubinek
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Im Städtchen Big Whiskey wird eine Hure von einem Freier übel misshandelt. Der Sheriff lässt die beiden Täter mit einer vergleichsweise milden Strafe davonkommen. Doch die Frauen im Bordell wollen selbst für Gerechtigkeit sorgen: Sie setzen eine Prämie von 1000 Dollar aus für den Mann, der die beiden Schuldigen tötet. Das lockt, sehr zum Verdruss des knallharten Sheriffs, eine Menge Killer nach Big Whiskey. Auch Billy Munny, Ned Logan und der Schofield Kid haben es auf die Belohnung abgesehen. Dabei ist der jüngste von ihnen beinahe blind und die beiden erfahrenen Killer hatten sich eigentlich schon zur Ruhe gesetzt. Ihre Jagd auf die Täter konfrontiert sie mit der Frage, wofür sie eigentlich töten.

Das sagt shitesite:

Die Wirkung von Erbarmungslos ist heute, in Zeiten beispielsweise von Last Man Standing, True Grit oder Cowboys & Aliens, nur noch schwer nachzuvollziehen. Im Jahr 1992 muss diese Idee hingegen die Filmwelt erschüttert haben: ein Western! Mit Pferden! Mit einem knallharten Sheriff! Mit Männern, die durch Wind und Wetter reiten und am Lagerfeuer übernachten!

Durchaus hat der Streifen einige der typischen Merkmale des Genres, etwa die Suche nach Gerechtigkeit, ein spannendes Finale im Kugelhagel oder einen leichten Anflug einer Liebesgeschichte. Aber natürlich ist die Stärke von Erbarmungslos vor allem, dass es zugleich ein Neo-Western und ein Anti-Western ist. Das fängt bei dem Killer-Trio an: Jeder von ihnen ist auf irgendeine Weise ein Versehrter. Der eine braucht jedesmal mehrere Versuche, um aufs Pferd zu steigen, der andere muss wegen seiner Kurzsichtigkeit blindlings um sich schießen, der Dritte im Bunde wagt es gar nicht mehr, den Abzug zu drücken. Das kontrastiert herrlich mit dem Titel des Films – und spielt zudem auch mit der Metapher der Impotenz, auf die auch andere Stellen in Erbarmungslos verweisen.

Genauso unerhört: Jeder will hier der Schnellste, Härteste und Mutigste sein, trotzdem werden die Revolverhelden in Erbarmungslos einer nach dem anderen als Maulhelden bloßgestellt. Diese Killer haben nicht nur Ladehemmungen. Sie haben auch Angst und Gewissensbisse, sie kriechen im Dreck und sind krank, sie wimmern und weinen. Sie leben ganz oft nicht von ihrer wirklichen Kaltblütigkeit, sondern von Mythen, Legenden und Image. Und genau das trifft auch auf die zu, die sie jagen, und auf die, von denen sie gejagt werden.

Das alles ergibt nicht nur ein womöglich realistischeres Bild vom Wilden Westen. Es zeigt auch, wie Gewalt zum Selbstzweck werden kann – und entzaubert damit einen wichtigen Teil der amerikanischen (Film-)Geschichte.

Bestes Zitat:

“Es ist sowieso nicht leicht, einen Mann zu erschießen. Insbesondere, wenn der Mann zurückschießt.”

Der Trailer zum Film:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.