Draufgeschaut: Freigesprochen


Thomas (Frank Giering) hat das Leben von 22 Menschen auf dem Gewissen.

Thomas (Frank Giering) hat das Leben von 22 Menschen auf dem Gewissen.

Film Freigesprochen
Produktionsland Österreich
Jahr 2007
Spielzeit 95 Minuten
Regie Peter Payer
Hauptdarsteller Frank Giering, Lavinia Wilson, Corinna Harfouch, Robert Stadlober, Alfred Dorfer
Bewertung

Worum geht’s?

Bei der Österreichischen Bundesbahn herrscht Chaos. Nicht nur die üblichen Verspätungen – durch einen Streik sind viele Straßen gesperrt, die Bahn setzt deshalb Sonderzüge ein, entsprechend unübersichtlich ist die Lage. Thomas Hudetz soll als Fahrdienstleiter dafür sorgen, dass alle Signale und Weichen richtig gestellt sind. Doch als er Besuch von seiner alten Freundin Anna bekommt, sich auf einen kurzen Flirt und dann sogar auf einen leidenschaftlichen Kuss einlässt, verliert er seine Instrumententafel aus den Augen. Die Folgen sind fatal: Ein Zug kollidiert mit einem Lieferwagen, 22 Menschen sterben. Thomas wird angeklagt, doch man kann ihm keine Schuld nachweisen –  auch weil Anna und er vor Gericht den Kuss verschweigen. Das Wissen um die Verantwortung für die Katastrophe treibt die beiden dennoch aufeinander zu, und immer weiter weg von den Partnern, mit denen sie eigentlich zusammen sind.

Das sagt shitesite:

Beziehungen entgleisen, es gibt katastrophale Zusammenstöße und Verkettungen unglücklicher Umstände: Freigesprochen nutzt beinahe über die gesamte Spielzeit die Metapher des Zugunglücks, um sehr sensibel die Geschichte einer besonderen Beziehung zu erzählen.

Der Konflikt von Freigesprochen ist dabei gar nicht allzu originell, und gelegentlich neigt der Film auch zum etwas zu Offensichtlichen, dennoch gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Peter Payer, daraus ein eindrucksvolles Drama zu machen. Die Diskrepanz zwischen juristischer und moralischer Verantwortung ist dabei ein wichtiger Ausgangspunkt: Niemand würde einen so unverfänglichen Kuss für bestrafenswert halten, und doch machte dieser einzige Moment all die Jahre der rechtschaffenen Aufmerksamkeit von Thomas kaputt. Er beteuert immer wieder seine Dienstbeflissenheit als Fahrdienstleister, als wolle er sich selbst davon überzeugen, dass er niemals zu Fahrlässigkeit fähig wäre. Und doch beweist ein Berg von Leichen das Gegenteil. Dass auch sein bester Freund Josef unter den Opfern ist und ihn fortan regelmäßig als Geist besucht, ist der quälendste Ausdruck dafür.

Noch spannender wird allerdings das Beziehungsgeflecht in Freigesprochen. Hanni, die Frau von Thomas (mit sagenhafter, beinaher beängstigender Kälte gespielt von Corinna Harfouch), kann nach dem Unglück nicht mehr zur Harmonie zurückkehren – nicht, weil sie Thomas seinen tödlichen Fehler vorwirft, sondern weil sie Augenzeuge des verräterischen Kusses war und ihrem Mann die Feigheit nicht verzeiht, den Kuss nicht nur vor Gericht, sondern auch ihr gegenüber zu leugnen. Sie entfernt sich immer mehr von Thomas und lässt ihn allein mit seinen Schuldgefühlen und dem Versuch, das Geschehene irgendwie zu verarbeiten.

Das macht den Weg frei für Anna, die schon immer für Thomas geschwärmt hat und nun eine makabre, morbide Verbundenheit nutzt, um ihm näher zu kommen. Sie wirkt fasziniert, beinahe belustigt von all dem Blut und Leid, das sie mit einem einzigen Kuss, zu dem sie Thomas hat verlocken können, ausgelöst hat, und darf sich doch nichts davon anmerken lassen. Ihr Verlobter Ferdi (dem Robert Stadlober ein herrlich unbedarftes Gesicht gibt) ahnt nichts von den Kämpfen, die Anna mit sich ausficht, und auch er kann deshalb nichts gegen das schleichende Ende der Beziehung unternehmen.

So werden Anna und Thomas zu einer schaurigen Schicksalsgemeinschaft und zu einem Paar, das erst Vergessen sucht, dann Reue, Nähe – und schließlich Sühne.

Bestes Zitat:

“Wir sind ein Geheimnis. Und nur deswegen sind wir. Ohne unser Geheimnis gäb’s uns gar nicht.”

Der Trailer zum Film:

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