Henry & June


Film Henry & June

Anais (Maria de Medeiros, links) ist von Henry (Fred Ward) und June (Uma Thurman) gleichermaßen fasziniert.

Anais (Maria de Medeiros, links) ist von Henry (Fred Ward) und June (Uma Thurman) gleichermaßen fasziniert.

Produktionsland USA
Jahr 1990
Spielzeit 131 Minuten
Regie Philip Kaufman
Hauptdarsteller Fred Ward, Uma Thurman, Maria de Medeiros, Richard E. Grant, Kevin Spacey
Bewertung

Worum geht’s?

Mit ihrem Mann Hugo ist Anais aus den USA ins Paris der 1930er Jahre gekommen. Anais arbeitet an einem Buch über D.H. Lawrence und schreibt nebenher erotische Geschichten in ihr Tagebuch. Als der Schriftsteller Henry Miller zu Besuch kommt, ist Anais fasziniert von dem außergewöhnlichen, ebenso vorlauten wie erfahrenen Mann. Auch seine Frau June, eine Schauspielerin, hat es ihr angetan und erscheint Anais wie der Gegenentwurf zu ihrem eigenen, bürgerlichen Leben. Es beginnt eine komplexe Dreiecksgeschichte, in der sich Anais in immer gewagtere Abenteuer stürzt.

Das sagt shitesite:

Einiges überrascht an Henry & June: Der Film, der auf den Erinnerungen von Henry Miller und Anais Nin beruht und im Prinzip die Entstehung von Millers Im Wendekreis des Krebses erzählt, zeigt mehr Fahrräder als die BMX-Bande. Die Figuren aus James Camerons Avatar sind schon beim Karneval im Paris des Jahres 1931 durch die Straßen spaziert. Und Uma Thurman war schon vier Jahre vor Pulp Fiction entweder zu berühmt oder zu prüde, um selbst in einem freizügigen Film wie Henry & June ihre nackten Brüste zu zeigen.

Abseits davon ist Henry & June sehr stimmungsvoll und konsistent, aber mitunter auch anstrengend. Alle Figuren sind in erster Linie eitle Selbstdarsteller. Sie sind auf der Suche nach Sinn, und weil sie ihn nicht finden können, wird die Vervollkommung ihrer Individualität für sie zum Ersatz. Das mündet oft in affektierten Dialogen, in denen jede Zeile erdrückend bedeutungsschwanger ist. Auch die Kamera lässt sich leider auf dieses Spiel ein: Mit Licht, Blenden und Spiegeln wird in Henry & June immer wieder unnötig geprotzt und ästhetisiert.

Immerhin gelingt es dem Film ganz geschickt, die verschiedenen Dimensionen der Handlung zu zeigen. Anais sieht aus wie ein scheues Reh aus gutem Hause, doch in ihr schlummert eine Nyphomanin. Henry wirkt wie ein solider Kerl, der mit beiden Beinen im Leben steht, doch er ist ein ordinärer Hallodri, der nur für sein Werk lebt, nicht für seine Mitmenschen. Aus ihrer Beziehung wird ein erotischer und literarischer Wettstreit, in dem sie sich gegenseitig beflügeln.

Wenn dann noch June (erst als Vamp, dann hysterisch) und Hugo (erst als Spießer, dann neugierig) dazu kommen, entfaltet Henry & June seine ganze Bandbreite. Was hier ausgefochten wird, ist nicht nur ein Kampf der Paare. Es ist auch ein Kampf der Geschlechter, sogar ein Kampf der Kulturen. Wie das prüde Amerika, verkörpert durch Hugos Bankgeschäfte, auf das freizügige Europa trifft (am auffälligsten in der ausführlichen Karnevalszene), ohne seine eigenen Hemmungen jemals völlig ablegen zu können – das ist dann doch so clever wie viele der Dialoge und Figuren hier bloß sein wollen.

Bestes Zitat:

„Alle sagen, Sex sei obszön. Aber die einzige Obszönität ist der Krieg.“

Der Trailer zum Film:

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