Im Reich der Sinne


Film Im Reich der Sinne

Sada (Eiko Matsuda) und Kichizō (Tatsuya Fuji) können nicht voneinander lassen.

Sada (Eiko Matsuda) und Kichizō (Tatsuya Fuji) können nicht voneinander lassen.

Produktionsland Japan, Frankreich
Jahr 1976
Spielzeit 105 Minuten
Regie Nagisa Ōshima
Hauptdarsteller Tatsuya Fuji, Eiko Matsuda
Bewertung

Worum geht’s?

Japan 1936: Abe Sada arbeitet als Hausmädchen und Prostituierte in einem Geisha-Haus. Sie will Geld verdienen, denn sie hat Schulden. Der Besitzer Kichizō hat ein Auge auf sie geworfen, und schnell beginnen die beiden eine leidenschaftliche Affäre. Beide sind wie besessen voneinander, sodass Kichizō schließlich das Geisha-Haus und seine Ehefrau verlässt, um nur noch mit Sada zusammen sein zu können. Das Paar kann nicht genug voneinander bekommen, rund einen Monat verbringen sie fast ununterbrochen im Bett. Das verstört nicht nur die Menschen in ihrer Umgebung – bald entwickelt die Beziehung eine zerstörerische Kraft.

Das sagt shitesite:

Im Reich der Sinne ist freizügig weit über die Grenzen des Mainstream-Kinos hinaus: Als der Film bei der Berlinale 1976 erstmals gezeigt wurde, schritt die Staatsanwaltschaft ein und beschlagnahmte ihn als Pronografie. Auch heute hat der Streifen noch das Potenzial, für Empörung zu sorgen. Viel Geld für die Kostüme hat Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Nagisa Ōshima jedenfalls nicht gebraucht. Der Penis von Tatsuya Fuji könnte mit einigem Recht einen eigenen Eintrag im Vorspann verlangen.

Es gibt Oralverkehr und Gruppensex, improvisiertes Sexspielzeug und SM. Alles in der Beziehung von Sada und Kichizō wird exzessiv, obsessiv und schamlos. Sada will in dieser Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, ihren Geliebten ganz für sich, und Kichizō lässt sich eher aus Neugier denn aus Überzeugung darauf ein. Sie ist die absolute Entschlossenheit, er ist die Leichtigkeit. Sie ist die Begierde, er ist die Lust.

Erstaunlich ist, dass Im Reich der Sinne bei all dem zwar viel Wert auf eine gelungene Ästhetik legt (samt einiger exotischer Gesangs- und Tanzeinlagen), aber sich nicht im Ansatz die Mühe macht, den Protagonisten so etwas wie Charakter zu verleihen. Niemand in diesem Film hat andere Interessen als Sex. Der Herr ist allzeit bereit und die Mädchen im Geisha-Haus leben bloß für die Aussicht auf ein Schäferstündchen mit ihm.

Warum das aber so ist, bleibt rätselhaft. Dasselbe gilt für die Frage, warum Sada und Kichizō die totale Symbiose anstreben. Spätestens die schrägen Dialoge beim Liebesakt lassen Im Reich der Sinne dann ins Peinliche und unfreiwillig Komische kippen. Sätze wie „Er bewegt sich, ich spüre ihn!“ oder „Kannst du denn schon wieder?“ sollen die Leidenschaft zum Ausdruck bringen, die hier ausgiebig vorgeführt wird. Aber leider wird sie kein einziges Mal begründet.

Bestes Zitat:

„Du stirbst nicht an der Tugend.“

Eine Szene aus dem Film:

http://www.youtube.com/watch?v=X5JYVn8vEf4

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