Draufgeschaut: Jasmin


Jasmin (Anne Schäfer) wollte sich das Leben nehmen.

Jasmin (Anne Schäfer) wollte sich das Leben nehmen.

Film Jasmin
Produktionsland Deutschland
Jahr 2011
Spielzeit 120 Minuten
Regie Jan Fehse
Hauptdarsteller Anne Schäfer, Wiebke Puls
Bewertung

Worum geht’s?

Jasmin Schückel sitzt in der geschlossenen Psychiatrie. Sie leidet an einer schweren Depression, sie hat einen Selbstmordversuch hinter sich und sie hat ein abscheuliches Verbrechen begangen: Sie hat ihre kleine Tochter Franziska getötet. Die Psychiaterin Dr. Feldt soll ihre Schuldfähigkeit feststellen und versucht, die Beweggründe von Jasmin aufzudecken. Ihre Gespräche werden zu schmerzhaften Reisen an die dunkelsten Ränder der menschlichen Psyche und offenbaren ein Leben, in dem praktisch alles schief gegangen ist.

Das sagt shitesite:

„Die ganze Zeit frage ich mich, wie das passieren konnte, wie es dazu kam. Weil ich alles falsch gemacht habe, was man falsch machen kann.“ In diesen beiden Sätzen der Titelfigur liegen zwei der wichtigsten Dimensionen von Jasmin: Der Film zeigt zum einen eine Hauptfigur mit einem völlig verkorksten Leben, das nur ein paar kleine Träume wagte, die schließlich alle zerplatzten. Zum anderen führt er eine scheinbare Folgerichtigkeit vor, an deren Ende sogar das Unfassbare in gewisser Weise verständlich (wenn auch nicht nachvollziehbar) erscheint: eine junge Mutter, die aus lauter Verzweiflung ihre eigene Tochter mit in den Tod nehmen will.

Die Vorgeschichte der Tat wird ein bisschen zu umfangreich betrachtet und gelegentlich verliert sich Jasmin auch im Schablonenhaften (Jasmins Vater stirbt früh und sie sucht fortan Ersatz). Aber der Kampf, den Jasmin mit sich selbst ausficht, um schließlich von ihrer Tat zu berichten, ist genauso spannend wie die Dynamik zwischen Ärztin und Patienten: Ziemlich genau in der Mitte des Films fängt Jasmin plötzlich an, Dr. Feldt ebenfalls Fragen zu stellen und ihr letztlich ihrerseits ein Geheimnis zu entlocken, was dem Film noch eine zusätzliche Ebene gibt.

Jasmin ist ein eindrucksvoller emotionaler Kraftakt, vor allem dank zweier grandioser Hauptdarstellerinnen und einer fast dogmatischen Konzentration auf die Gesprächssituation: vier Tage, zwei Frauen, ein Raum und ein riesiger Scherbenhaufen – mehr braucht es hier nicht für ein Kammerspiel voller Gänsehaut-Momente.

Bestes Zitat:

„Danke, Sie nehmen mich ernst. Das bin ich nicht gewohnt.“

Der Trailer zum Film:

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