Johanna von Orleans


Film Johanna von Orleans

Szene aus dem Film Johanna von Orleans mit Milla Jovovich

Jeanne (Milla Jovovich) hat einen göttlichen Auftrag erhalten.

Originaltitel The Messenger: The Story of Joan of Arc
Produktionsland Frankreich
Jahr 1999
Spielzeit 158 Minuten
Regie Luc Besson
Hauptdarsteller Milla Jovovich, Dustin Hoffman, Faye Dunaway, Timothy West, John Malkovich
Bewertung

Worum geht’s?

Selbst für die Verhältnisse des Spätmittelalters und selbst für ein französisches Bauernmädchen ist die kleine Jeanne erstaunlich fromm. Ihr liebster Ort ist der Beichtstuhl, ihr liebster Gesprächspartner ist Gott, der ihr immer wieder in Visionen erscheint. Als ihr Dorf von den Engländern überfallen und ihre ältere Schwester getötet wird, die sich für Jeanne opfert, stürzt sie in tiefe Verzweiflung. Dann reift in ihr der Gedanke: Sie sollte überleben, um Frankreich zu retten, die Engländer zu besiegen und Charles VII. auf den Thron zu verhelfen. Im einfachen Volk findet sie schnell Anhänger beim Versuch, sich in den Dienst dieses göttlichen Auftrags zu stellen, und kann schließlich auch den Dauphin überzeugen, ihr Vertrauen zu schenken. Sie führt ein Heer in die Schlacht – muss sich aber bei weitem nicht nur gegen die Engländer durchsetzen.

Das sagt shitesite:

Nur einen von vielen möglichen Fehlern macht Luc Besson bei der Verfilmung der Lebensgeschichte einer der Nationalheiligen seines Heimatlands: Johanna von Orleans ist einen Tick zu lang und – auch für einen Mittelalter-Film, in dessen Zentrum das Thema Religiosität steht – mit einem Hauch zu viel Mystik ausgestattet.

Sonst gelingt ganz vieles. Johanna von Orleans findet die richtige Mischung aus Psychogramm, Fantasy-Elementen, Action und Historiendrama. Besson weiß um die Kraft der Bilder, beschränkt sich aber nicht auf Augenschmaus oder protzige Optik. Und er hat mit Milla Jovovich, wie schon in Das fünfte Element, eine Hauptdarstellerin, die mit ihrer Energie quasi alleine durch diese zweieinhalb Stunden tragen könnte.

Es ist nicht nur wunderbar, wie bockig und trotzig sie die Titelfigur spielt (verstärkt durch die wunderbare Tatsache, dass Milla Jovovich hier dieselbe deutsche Synchronstimme bekommt wie Bart Simpson, nämlich die von Sandra Schwittlau). Sie bringt auch wunderbar die Entwicklung auf die Leinwand, die Jeanne d’Arc durchläuft, so facettenreich, dass man diese Wandlung als Zuschauer oft erst im Nachhinein bemerkt: von Überzeugung zu Innbrunst zu Wahn, von Ungeduld zu Eifer zu Verblendung, von Demut zu Eitelkeit zu Hybris.

Zusätzlich profitiert Johanna von Orleans von der Vielzahl der elemantaren Konflikte, die hier ausgefochten werden. Der zwischen Mann und Frau ist nicht einmal der grundsätzlichste davon, auch wenn Jeanne der Männerwelt der Militärs mit all ihrer Erfahrung und Arroganz nur ihre Überzeugung und ihren Mut entgegenzusetzen hat.

Doch auch hier ist das Innenleben der spannendste Schauplatz: Sie ist keine Heldin, sondern selbst ein Opfer der Pflicht, die sie erfüllen zu müssen glaubt. Und sie ist ein Werkzeug – willentlich als „Schwert Gottes“, unwillentlich als Erfüllungsgehilfin und Spielball politischer Ränkespiele. Sie ist zerrissen, weil sie ahnt, dass ihr Glaube eigentlich Friede, Gnade und Gerechtigkeit anstreben sollte, nicht Tapferkeit, Rache und Blutvergießen.

Mit ihren Fähigkeiten und Erfolgen stellt sie anderen, mit ihren Zweifeln und Gewissensbissen stellt sie sich selbst deshalb die Frage: Kann es so etwas wie Vorsehung (und damit Glaube, und damit Gott) wirklich geben? Der Film eröffnet damit – zwei Jahre vor 9/11 – auch die Debatte, ob es so etwas wie einen gerechten, womöglich gar heiligen Krieg geben kann.

Bestes Zitat:

„Ihr wisst doch, wie das einfache Volk so ist: immer bereit, an irgendwelche Prophezeiungen zu glauben.“

Der Trailer zum Film.

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