Draufgeschaut: Komm näher


David (Marek Harloff) hat keine Lust mehr auf die Beziehung zu Ali (Stefanie Stappenbeck).

David (Marek Harloff) hat keine Lust mehr auf die Beziehung zu Ali (Stefanie Stappenbeck).

Film Komm näher
Produktionsland Deutschland
Jahr 2006
Spielzeit 104 Minuten
Regie Vanessa Jopp
Hauptdarsteller Meret Becker, Hinnerk Schönemann, Stefanie Stappenbeck, Marek Harloff, Fritz Roth, Heidrun Bartholomäus, Marie-Luise Schramm, Jana Pallaske
Bewertung ****

Worum geht’s?

Mathilda hangelt sich von einem Aushilfsjob und einem spontanen Quickie zum nächsten. Ihr Schwester Ali führt hingegen ein scheinbar vorbildliches Leben als junge Mutter und erfolgreiche Landschaftsarchitektin, bis ihr Freund in eine Sinnkrise gerät. Auch Johanna bekommt ihr Leben nicht in den Griff. Sie hat ständig Ärger mit ihrer Teenager-Tochter, und versucht nebenher, per Kontaktanzeige endlich wieder einen Mann zu finden. Sie alle treffen im winterlichen Berlin aufeinander.

Das sagt shitesite:

Man merkt den Figuren in Komm näher nicht an, dass sie teilweise spontan am Set und in Zusammenarbeit mit den Schauspielern entwickelt wurden. Denn sie alle wirken so authentisch und eindrucksvoll, als sei jahrelang an diesen Charakteren gezeichnet und gefeilt worden.

Da ist die junge Architektin, die ihr Gutmenschentum aufgeben muss, als es ans Eingemachte geht. Da ist ihr Freund David, der sich nur noch als Dienstleister für Frau und Sohn sieht. Und da sind Mathilde und der Taxifahrer Andi, die froh wären, wenn sie wenigstens jemand hätten, für den sie Dienstleister sein könnten.

Komm näher zeigt so gekonnt, dass Einsamkeit nichts mit dem Beziehungsstatus zu tun hat. Besonders gut gelingt das, weil hier ein ausgezeichnetes Ensemble agiert, aus dem Meret Becker als Choleromantinkerin und Heidrum Bartholomäus als alleinerziehende Mutter mit Zweifeln an der eigenen Weiblichkeit noch herausragen. Enorm wohltuend ist, dass der Film dabei keine großen Worte braucht, sondern das Innenleben der Figuren gerade wegen ganz lapidarer Sätze nackt daliegt: „Ich bin ein einsamer alter Sack“, stellt sich Andi vor. „Du bist so feige“, wirft Ali ihrem Freund an den Kopf. „Ich hab dich nicht mehr ausgehalten“, erwidert der.

Sie alle sind nicht nur sexuell frustriert, sondern durchweg bloß einen kleinen Schritt vom totalen Zusammenbruch entfernt. Sie alle sehnen das Ende ihrer Einsamkeit herbei, und doch ängstigt sie die Aussicht auf dieses Ende genauso sehr wie der Perspektive ewigen Unglücks. Das ist wohl die Botschaft von Komm näher: Ein passender Partner, eine glückliche Gelegenheit und die Kraft der Gefühle reichen nicht aus, um eine Beziehung entstehen zu lassen oder am Leben zu erhalten. Es braucht immer auch eine Entscheidung.

Bestes Zitat:

“Ich weiß gar nicht mehr, was Liebe ist.”

Es gibt leider keinen Trailer zum Film.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.