Draufgeschaut: Looking For Eric


Film Looking For Eric

Looking For Eric Kritk Rezension

Eric Bishop (Steve Evets) sammelt Mut durch sein Idol Eric Cantona.

Produktionsland Großbritannien
Jahr 2009
Spielzeit 116 Minuten
Regie Ken Loach
Hauptdarsteller Steve Evets, Eric Cantona, Stephanie Bishop
Bewertung

Worum geht’s?

„Ich bin am Arsch“, muss Eric Bishop sich eingestehen. Seine Frau hat ihn verlassen (schon die zweite), seine Stiefsöhne tanzen ihm auf der Nase herum und in seinem Job als Briefträger kann er auch schon längst keine Erfüllung mehr finden. Wenigstens erkennen seine Arbeitskollegen und Freunde, wie schlecht es um Eric bestellt ist und versuchen, ihn aufzuheitern. Gerade, als ihr Verwöhnprogramm für Eric anfangen soll, hat der aber bereits einen eigenen Motivationscoach gefunden, der ihn dabei unterstützen will, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen: Als er einen Joint geraucht hat, steht plötzlich sein großes Idol Eric Cantona im Zimmer. Der einstige Star von Manchester United erklärt dem Postboten, wie er die Dinge anpacken soll – und ist auch zur Stelle, als Eric (der Postbote, nicht der Fußballgott) es auch noch mit einem Gangsterboss zu tun bekommt.

Das sagt shitesite:

Während der Fußball-Europameisterschaft im vergangenen Sommer in Frankreich gab es auf Eurosport eine sehr legendäre Serie: Eric Cantona gab dort als „Commissioner of Football“ seine Kommentare zum aktuellen Turniergeschehen ab, auf einem Thron sitzend, wunderbar theatralisch und augenzwinkernd und in seinem unnachahmlichen Franzenglisch.

Looking For Eric ist so etwas wie eine ausgedehnte Variante dieser Idee: Der Film feiert Cantona als Ausnahmefußballer und Charakterkopf. Mit wie viel Spaß der Franzose diese Rolle ausfüllt, trägt nicht nur erheblich zu seiner eigenen Mythenbildung bei, sondern auch zum Vergnügen, das dieser Film bereitet. In jeder Szene ist Cantona die personifizierte Coolness, im Minutentakt wirft er mit Lebensweisheiten um sich.

Vor allem aber ist der Film eine gute Analyse der Überhöhung, zu der Fußballfans (nicht nur in Manchester) fähig sind. Eric glaubt tatsächlich, dass der Mann, den er einst als „The King“ auf dem Platz bewundert hat, der einzige ist, der eine tragfähige Lösung für seine Probleme hat. Er glaubt auch sofort, dass die Fleischwerdung des Fußballstars in seinem trauten Heim nichts anderes ist als gerecht: So sehr er als Fan geglaubt hat, er könne mit seinem Jubel und seiner Anfeuerung das Geschehen auf dem Platz beeinflussen, er habe – gemeinsam mit den anderen Anhängern – einen ganz persönlichen Anteil daran, wenn die Mannschaft erfolgreich ist, so selbstverständlich findet er es jetzt, dass der einst umjubelte Spieler die jahrelange Bewunderung mit ein bisschen persönlicher Fürsorge für seinen Superfan zurückzahlen will.

Viel Romantik steckt auch im Plot, der sich in Looking For Eric jenseits der Begegnung zwischen Fan und Idol entwickelt. Miteinander, Zusammenhalt, Solidarität: Diese Werte, die im Profifußball oft genug nur noch als Folklore propagiert statt wirklich gelebt werden, stehen hier im Mittelpunkt. Das gilt in der Familie Bishop, in Erics Freundeskreis, schließlich sogar beim Blick auf seine Vergangenheit. Das ist hochgradig amüsant, überaus charmant und sehr originell.

Bestes Zitat:

„Ohne Gefahr können wir Gefahr nicht überwinden.“

Der Trailer zum Film.

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