Draufgeschaut: Männertrip


Film Männertrip

Aaron (Jonah Hill, links) gibt den Aufpasser für Rockstar Aldous Snow (Russel Brand).

Aaron (Jonah Hill, links) gibt den Aufpasser für Rockstar Aldous Snow (Russel Brand).

Originaltitel Get Him To The Greek
Produktionsland USA
Jahr 2010
Spielzeit 109 Minuten
Regie Nicholas Stoller
Hauptdarsteller Russell Brand, Jonah Hill, Rose Byrne, Sean Combs
Bewertung

Worum geht’s?

„Das ist deine große Chance“, lautet die Botschaft, die Aaron von seinem Boss bekommt. Jahrelang hat er solide, aber im Hintergrund als Assistent für eine Plattenfirma gearbeitet, jetzt soll er einen Spezialauftrag übernehmen: Es gilt, Aldous Snow, „den letzten überlebenden Rockstar unserer Zeit“, innerhalb von 72 Stunden von London nach Los Angeles zu begleiten, wo er dann am 10. Jahrestag seines legendärsten Konzerts eine große Comeback-Show geben soll. Eigentlich sollte Aaron begeistert sein: Das Jubiläumskonzert war seine eigene Idee, er ist seit Jahren ein riesiger Fan von Aldous Snow, und er wartet schon längst auf ein Karrieresprungbrett. Doch das Timing ist mies: Seine Beziehung steckt gerade in einer Krise – und Aldous Snow hat, seit sein letztes Album gefloppt ist und seine Freundin ihn verlassen hat, viel mehr Lust auf Drogen und Exzess als auf Disziplin und Konzerte.

Das sagt shitesite:

Man mag gar nicht zählen, auf wie vielen Ebenen Männertrip (der deutsche Titel ist wieder mal dämlich, der Originaltitel aber auch nicht viel besser) verdammt clever ist. Wie Sean Combs als Plattenboss Sergio den großen Zampano heraushängen lässt, während er zuhause ein braver Familienvater ist, wie sich Pink, Christina Aguilera und Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich für herrlich dämliche Kleinstrollen hergeben, wie Talkshows ebenso verarscht werden wie die Einfallslosigkeit der Musikindustrie, wie sich auf dem Soundtrack wunderbar ironische Pseudo-Rockhymnen (unter anderem aus der Feder von Jarvis Cocker und Carl Barat) tummeln – all das ist hochgradig amüsant.

Der wichtigste Grund, diese Komödie zu empfehlen, ist aber eindeutig Russell Brand. Er genießt seine Rolle als Aldous Snow sichtlich und als Zuschauer kann man einen Heidenspaß daran haben, zu erraten, welchen blasierten Rockstar aus der echten Welt er jeweils gerade persifliert. Er ist Egomane und Muttersöhnchen, ebenso leicht für Esoterik zu begeistern wie für harte Drogen, sexbesessen und – genau dann, wenn man es nicht erwartet – plötzlich sensibel und tiefgründig.

Das bietet einen schönen Kontrast zu Aaron, der als „liebenswürdiger Depp“ (Zitat Aldous Snow) den Babysitter für den Rockstar spielen muss, zuerst ehrfürchtig und verklemmt ist, dann Gefallen am Rock’n’Roll-Lifestyle findet und schließlich erkennt, dass er von Aldous manipuliert wird – und dass er seinen Schützling nur dann pünktlich nach Los Angeles bekommen kann, wenn er ihn seinerseits manipuliert.

Das Ergebnis ist eine erfrischende Komödie, die sich etliche vulgäre Dialoge gönnt, ebenso wie Zoten, die zwar plump sind, aber wirkungsvoll. Nicht zuletzt ist Männertrip ein Denkmal für die Idee des Rockstars an sich: Es gibt keinen anderen Job auf der Welt, in dem man so hemmungslos kindisch, durchgeknallt und oberflächlich sein darf und dafür tatsächlich als Künstler bewundert wird. Und es gibt wenige Figuren, die dieses Konzept so lustvoll ausfüllen wie Russel Brand.

Bestes Zitat:

„Künstler sind die hinterhältigsten und sebstsüchtigsten Wichser der Welt.“

Der Trailer zum Film:

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