Draufgeschaut: Malen oder Lieben


Film Malen oder Lieben

Malen oder Lieben Kritik Rezension

Madeleine (Sabine Azéma) und William (Daniel Auteuil) genießen das Landleben.

Produktionsland Frankreich
Jahr 2005
Spielzeit 98 Minuten
Regie Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrieu
Hauptdarsteller Sabine Azéma, Daniel Auteuil, Amira Casar, Sergi López
Bewertung

Worum geht’s?

Als Chefin einer Immobilienfirma hat Madeleine viel zu tun. Um einen Ausgleich zu finden, fährt sie gerne aufs Land und malt Landschaftsbilder. Bei einem dieser Ausflüge entdeckt sie ein hübsches Haus und beschließt, es zu kaufen. Auch ihr Mann William, der gerade seinen Vorruhestand angetreten hat, ist begeistert von dem neuen Zuhause. Die malerische Landschaft in einem Tal am Rand der Pyrenäen, die Gartenarbeit und die Möglichkeit, das Haus zu renovieren und nach ihren Vorstellungen zu gestalten, belebt das Paar. Neuen Schwung in ihre Beziehung bringt aber auch die Bekanntschaft mit den Nachbarn: Adam, der blinde Bürgermeister des Örtchens, und seine Frau Eva werden zu guten Freunden und ziehen dann, als ihr eigenes Haus bei einem Brand zerstört wird, sogar bei Madeleine und Matthieu ein. Spätestens damit erkennen sie, wie wichtig das befreundete Paar mittlerweile in ihrem Leben geworden ist – und dass die Zuneigung nicht nur platonisch ist.

Das sagt shitesite:

Hilfe, wir sind zu Swingern geworden! Das könnte die Kernaussage von Malen oder Lieben sein. In der Tat erleben Madeleine und Matthieu hier den Partnertausch, allerdings ohne dass sie ihn angestrebt hätten und ohne dass sie erklären könnten, wie es dazu gekommen ist.

Die besondere Leistung des Films ist, dass er diese unverhoffte Erfahrung nicht reißerisch oder voyeuristisch erzählt, sondern dezent und mit viel Ruhe. Als die beiden Paare sich kennen lernern und irgendwann eine nicht mehr zu leugnende sexuelle Anziehungskraft im Raum steht, bleibt alles unausgesprochen, auch die eigentlichen Bettszenen sind nicht zu sehen. Es passiert einfach, und das ist wohl die Botschaft von Malen oder Lieben: Lust kennt kein Alter, und wenn ein Paar nach einer langjährigen Beziehung eine tiefe Vertrautheit empfindet, kann sie vielleicht sogar noch unbeschwerter ausgelebt werden. Dass Madeleine und Matthieu, ebenso wie Adam und Eva, sich innig lieben und zusammen gehören, auch wenn sie das Bett manchmal mit anderen Partnern teilen – daran besteht in keinem Moment dieses Films ein Zweifel.

Malen oder Lieben schafft es, dabei nicht nur die erotische Komponente zu sezieren, sondern vor allem die Dynamik, die durch das neue Haus und die neuen Nachbarn ins Leben von Madeleine und Matthieu kommt. Adam und Eva sind erst freundliche Fremde, dann inspirierende Freunde, dann mysteriöse Eindringlinge, und sie werden schon nach kurzer Zeit zum Dreh- und Angelpunkt im Alltag des Ehepaars, der in so festen Bahnen eingefahren schien. Auch daraus gewinnt Malen oder Lieben einen Teil seiner Sinnlichkeit: Diese vier durch und durch erwachsenen Menschen suchen nicht bloß einen körperlichen Kick, nicht bloß Abenteuer und Nervenkitzel, sondern tatsächlich die Nähe zueinander, eine Verbundenheit, die weit über den Austausch von Intimitäten hinaus geht. Mit anderen Worten: Sie suchen das Leben.

Bestes Zitat:

„Ich frage mich, ob das Leben im Grunde nicht aus ganz wenigen Momenten von extremer Bedeutung besteht. Und Intervallen, in denen nur der Schatten dieser Momente uns umgibt.“

Der Trailer zum Film.

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