Draufgeschaut: Mulholland Drive


Film Mulholland Drive

Mulholland Drive Kritik Rezension

Betty (Naomi Watts, links) will Rita (Laura Harring) helfen, ihre Identität zu finden.

Produktionsland USA
Jahr 2001
Spielzeit 141 Minuten
Regie David Lynch
Hauptdarsteller Naomi Watts, Laura Harring, Ann Miller, Dan Hedaya, Justin Theroux
Bewertung

Worum geht’s?

Es sieht aus, als wäre die elegante Frau auf der Rückbank auf dem Weg nach Hause, vielleicht nach einem Empfang oder einer Dinnerparty, in jedem Fall nach einem Tag, der lang genug war, um jetzt von der Welt verlangen zu können, sie in Ruhe zu lassen. Plötzlich hält ihr Fahrer an und bedroht sie mit einer Pistole, Sekunden später rast ein anderes Auto in ihres hinein. Verstört klettert sie als einzige Überlebende aus dem Wrack und schleppt sich vom Mulholland Drive in ein benachbartes Haus. Die Eigentümerin hat sich gerade zu einer Geschäftsreise verabschiedet, sodass sie sich dort zunächst ein wenig erholen kann. Ein paar Stunden später trifft allerdings Betty ein, die Nichte der Hausbesitzerin. Sie will in Los Angeles als Schauspielerin durchstarten und hat sich zunächst im Haus ihrer Tante einquartiert. Als sie die fremde Frau entdeckt, die sich Rita nennt, bietet sie ihr Hilfe an: Rita hat ihr Gedächtnis verloren, und Betty will sie so lange begleiten, bis sie wieder weiß, wer sie ist.

Das sagt shitesite:

Nicht einmal die Hauptdarsteller wissen, was Regisseur und Drehbuchautor David Lynch sich wohl mit Mulholland Drive gedacht hat. „David behielt seine Erklärungen für sich und genoss unseren Frust“, hat Naomi Watts erzählt über ihre eigenen Versuche, vom Schöpfer dieses Films eine Erklärung zu bekommen.

In der Tat ist auch dies wieder ein Werk, in dem „der Wunsch nach einer vernünftigen Geschichte antreten muss gegen einen wachsenden Ansturm unkontrollierbarer Obsessionen“, wie die Zeit die Filme von David Lynch einmal charakterisiert hat. Nach etwa drei Vierteln der Handlung gibt es einen Bruch des bis dahin chronologischen Plots. Dieselben Schauspieler verkörpern plötzlich andere Figuren, es scheint ein Zeitsprung und auch ein Ortswechsel stattgefunden zu haben.

Diese Zweiteilung des Films hat vielleicht damit zu tun, dass Mulholland Drive ursprünglich als zehnteilige Fernsehserie geplant war. Nachdem der auftraggebende Sender sie nicht mehr haben wollte, kompilierte David Lynch aus dem bereits gedrehten Material diesen Spielfilm. Auch ohne diese Entstehungsgeschichte passt diese Idee, den Zuschauer völlig aus seiner Erwartungshaltung herauszureißen, Logik, Plausibilität und sogar die Gesetze von Raum und Zeit infrage zu stellen, aber perfekt zur womöglich zentralen Botschaft dieses Films: Der Horror ist in uns.

Dass es in der Welt (und erst recht in Hollywood, dessen Leitbilder hier gleich mehrfach zerlegt werden) genug tatsächlichen Schrecken gibt, zweifelt David Lynch natürlich nie an. Aber als ein im höchsten Maße unzuverlässiger Erzähler zeigt er hier vor allem, dass Angst nicht in erster Linie durch das entsteht, was uns tatsächlich umgibt und was wir beobachten, sondern durch das, was wir uns in unserem Kopf ausmalen.

Immer wieder gibt es dysfunktionale Dialoge, in dem ein Gesprächspartner die Fragen unbeantwortet lässt und der andere dann seine eigenen Schlüsse ziehen muss, die er zur Beruhigung seiner eigenen Ratlosigkeit allenfalls als die wahrscheinlich richtige Interpretation der Gedanken des Gegenübers auffassen kann.

Die dunklen Seiten von Fantasie, Unterbewussten und Erinnerung werden in Mulholland Drive verknüpft mit den Hollywood-Methoden der Täuschung, Verkleidung und Inszenierung. So entsteht nicht nur eine höchst surreale, beklemmende Atmosphäre, sondern auch die Erkenntnis: Genauso viele Abgründe wie in einem Traum lauern können, stecken auch in der Traumfabrik.

Bestes Zitat:

„Eines Mannes Einstellung hat einiges damit zu tun, wie sein Leben sein wird.“

Der Trailer zum Film.

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