Draufgeschaut: Nicht ohne meine Tochter


Betty (Sally Field) wird von ihrem Mann Moody (Alfred Molina) im Iran festgehalten.

Betty (Sally Field) wird von ihrem Mann Moody (Alfred Molina) im Iran festgehalten.

Film Nicht ohne meine Tochter
Produktionsland USA
Jahr 1991
Spielzeit 117 Minuten
Regie Brian Gilbert
Hauptdarsteller Sally Field, Alfred Molina, Sheila Rosenthal
Bewertung

Worum geht’s?

Das Leben von Betty und Moody wirkt harmonisch: Sie sind seit sieben Jahren verheiratet, sie lieben sich innig und ihre kleine Tochter Mahtab ist ein Sonnenschein. Moody, der aus dem Iran stammt und seit 20 Jahren in den USA lebt, hat allerdings Sehnsucht nach der Familie in seiner Heimat, die er seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. Auch der latente Rassismus, den er in seinem Job als Arzt erlebt, macht ihm zu schaffen. Er schafft es, Betty zu einem zweiwöchigen Urlaub in Teheran zu überreden. Dort erwartet sie zunächst viel Herzlichkeit, doch dann will Moody im Land bleiben. Betty ist schockiert, denn von einem Leben als selbstbestimmte Frau kann sie im Iran nicht einmal träumen. Doch sie darf das Land nur verlassen, wenn sie ihre Tochter zurücklässt, und das will sie auf keinen Fall. So wird sie zur Gefangenen ihres Mannes, der immer herrischer wird, und ihre Tochter wird zur Geisel.

Das sagt shitesite:

Mit möglichst viel Melodramatik soll möglichst große Herzlosigkeit verdeutlicht werden – auf diese einfache Formel könnte man Nicht ohne meine Tochter bringen. Als Gefühlskino funktioniert der Film leidlich, es gibt reichlich dramatische Szenen, überzeugende Schauspieler, ein süßes Mädchen (das meist nichts anderes sagt als ein herzzerreißendes „Mommy!“) und am Ende auch etwas Spannung.

Als sich Betty entscheiden muss, ob sie alleine flieht oder ihrer Tochter beisteht, entsteht zudem ein recht cleverer Konflikt: Das, was sie zurückhält, ist die archaische Kraft der Familie, und genau diese archaische Kraft ist es auch, die Moody dazu bringt, plötzlich auf seiner Rolle als strenger Ehemann und Vater zu bestehen.

Trotzdem gibt es zwei gravierende Probleme bei dieser Romanverfilmung: Das erste ist die Figur des Moody. Er scheint keinerlei Persönlichkeit zu haben, sondern wirkt  immer bloß wie ein willfähriges Produkt seiner Umwelt – sowohl in den USA, wo er vorbildlich assimiliert zu leben scheint, als auch im Iran, wo er sich sofort den moralischen Vorstellung seiner Familie beugt. Seine Liebe zu Betty ist noch nachvollziehbar, seine Liebe zur Heimat aber nicht.

Es wirkt einigermaßen bemüht, wie die Motivation für seinen Sinneswandel konstruiert wird: Zunächst lernt er die Arroganz des Westens kennen und fühlt sich deshalb ausgegrenzt, dann entdeckt er plötzlich seine Frömmigkeit, die er jahrelang nicht ausleben durfte (erst unter dem Schah, dann in den USA). Er wird so zu einem Anti-Individuum, zur personifizierten Radikalisierung.

Damit sind wir beim zweiten Problem von Nicht ohne meine Tochter, und das ist ein kaum kaschierter kultureller Chauvinismus. Als Betty im Iran ankommt, erlebt sie einen Kulturschock, und dem Zuschauer muss es genauso gehen, denn von Beginn an wird das Land als bedrohlich dargestellt: zu viele Menschen, zu viele Emotionen, zu viele Militärs, zu viele Vorschriften. Es gibt ein paar Feigenblatt-Momente, in denen die persische Kultur oder die gastfreundliche Seite des Iran zumindest etwas Raum bekommen, ansonsten ist die Position aber klar: Der Iran ist hoffnungslos rückständig und der Islam ist hoffnungslos barbarisch. Die westliche Welt steht hier für Zukunft und Miteinander, die muslimische für Vergangenheit und Autorität. Auch wenn die Geschichte von Nicht ohne meine Tochter auf einer wahren Begebenheit beruht, gibt es für eine derart tendenziöse Darstellung nur ein Wort: Rassismus.

Bestes Zitat:

„Jeder Glaube scheint primitiv, wenn er nicht dein eigener ist.“

Der Trailer zum Film:

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