Draufgeschaut: Nora


Nora Barnacle (Susan Lynch) kämpft um die Liebe von James Joyce (Ewan McGregor).

Nora Barnacle (Susan Lynch) kämpft um die Liebe von James Joyce (Ewan McGregor).

Film Nora – Die leidenschaftliche Liebe von James Joyce
Originaltitel Nora
Produktionsland Deutschland/Großbritannien/Italien
Jahr 2000
Spielzeit 106 Minuten
Regie Pat Murphy
Hauptdarsteller Susan Lynch, Ewan McGregor, Peter McDonald
Bewertung ***

Worum geht’s?

Vom Leben bei ihrer Mutter und dem cholerischen Stiefvater hat Nora Barnacle die Nase voll. Sie geht nach Dublin, wo sie James Joyce kennen lernt. Die beiden verlieben sich, trotzdem fühlt sich keiner von beiden wohl in der Stadt. Gemeinsam ergreifen sie erneut die Flucht. Diesmal geht es nach Triest, wo James Joyce eine Stelle als Sprachlehrer antritt – und Nora darum kämpft, von ihm ebenso ernst genommen zu werden wie seine Kunst.

Das sagt shitesite:

Im Vorspann bekommt dieser Film den Untertitel Dichtung und Leidenschaft verpasst, und das ist eine weitaus treffendere Umschreibung der Thematik als Nora – die leidenschaftliche Liebe von James Joyce. Denn es geht hier nicht in erster Linie um den irischen Dichter, und auch als klassisches Biopic einer Frau, die am Anfang des 20. Jahrhunderts um ihre Anerkennung kämpft, kann Nora ebenfalls nicht betrachtet werden. Vielmehr ist es der permanente Streit zwischen Kunst und Beziehung, der diesen Film dominiert.

Als sie 1904 nach Dublin kommt, hat Nora nur einen Fixpunkt in der Stadt: James Joyce. Den Dichter wiederum verbinden immerhin Freunde, Familie, die Anfänge einer Karriere und vor allem eine innige Hassliebe mit der Stadt. In Triest wird Noras Abhängigkeit und Isolation noch größer, und erst da gewinnt dieser Film richtig an Fahrt.

Beide verbindet die Abscheu für die Zeit, in der sie leben, genauso wie der Traum von Freiheit und ein völlig übersteigerter Stolz. Der muss sich im Fall von Nora erst bitterer Armut ausliefern und dann der Kunst ihres Mannes. Selbst, als sie zur Mutter seiner Kinder geworden ist, bleibt sie für ihn nur Stoff, Rohmaterial für seine Werke, Muse – sie will ein Leben, aber er will nur Inspiration, weil Leben und Schreiben für ihn untrennbar verwoben sind.

Die literarische Ebene wird leider nur angerissen und letztlich bleiben beide Hauptfiguren seltsam schemenhaft. Dafür erzählt Nora aber eine faszinierende Geschichte einer Beziehung, in der unendlich viel Leidenschaft steckt, aber kein Vertrauen. Der unbedingte Wille, modern, unkonventionell und liberal zu sein, scheitert hier immer wieder an der eigenen Gefühlswelt, an einer Leidenschaft, die bis zur Unerträglichkeit gesteigert wird. Susan Lynch spielt den Trotz von Nora Barnacle großartig: Allein mit ihren Blicken zeigt sie alle Dimensionen dieses Machtkampfs, die Eifersucht ebenso wie die Fixiertheit und den Kampf um Emanzipation. Und sie macht damit nicht zuletzt klar, wie viel Egoismus immer auch in einer Obsession steckt.

Bestes Zitat:

“Ein gutes Leben ist die beste Rache.”

Der Trailer zum Film:

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