Draufgeschaut: Schicksalsspiel


Liebe auf den ersten Blick: Conny (Nicolette Krebitz) und Roland (Niels Bruno Schmidt).

Liebe auf den ersten Blick: Conny (Nicolette Krebitz) und Roland (Niels Bruno Schmidt).

Film Schicksalsspiel
Produktionsland Deutschland
Jahr 1993
Spielzeit 88 Minuten
Regie Bernd Schadewald
Hauptdarsteller Niels Bruno Schmidt, Steffen Wink, Marny Bergerhoff, Benno Fürmann, Nicolette Krebitz, Ilja Jens Goldbach, Stefan Kukofka, Jürgen Vogel
Bewertung **

Worum geht’s?

Hansa Rostock gegen FC St. Pauli. Das ist ein besonderes Spiel für die Fans beider Lager, nicht nur wegen des Charakters als Nordderby. Es heißt auch Ost gegen West, Rechts gegen Links. Als Roland mit seinen Fans, allesamt beinharte St. Pauli-Anhänger, zum Spiel nach Rostock fährt und sich als Mutprobe in eine Kneipe voller Hansa-Fans wagt, passiert das Erstaunliche: Er verliebt sich in die Kellnerin Conny, ein Mädchen aus Rostock, deren Bruder ein fanatischer Hansa-Fan ist. Der sieht die Liaison gar nicht gerne – zumal die Rostocker mit Rolands Gang noch eine Rechnung offen haben. Und auch Rolands Kumpels aus dem St. Pauli-Lager sind wenig angetan vom jungen Glück. Vor allem sein bester Freund Manni kann seine Abneigung kaum verbergen, als Roland plötzlich andere Dinge wichtiger findet als Fußball.

Das sagt shitesite:

Als Fußballfilm ist Schicksalsspiel halbwegs brauchbar. Einigermaßen authentisch wird hier die Fanszene porträtiert, die Euphorie, das Zusammengehörigkeitsgefühl, die sinnstiftende Kraft der Identifikation mit einem Club. „Kannst du dir was Besseres vorstellen als das hier: das Spiel, die Jungs, die Kurve?“, fragt Manni an einer Stelle, und das wirkt gegen Ende dieses Films deutlich weniger abgeschmackt als es sich als Text liest.

Höchst amüsant ist es aus heutiger Sicht auch, den damals blutjungen Hauptdarstellern zuzusehen, von denen etliche mittlerweile zu großen Stars geworden sind: Nicolette Krebitz (damals 21), Benno Führmann (21), Jürgen Vogel (24) oder Steffen Wink (26) – sie alle haben hier eine ihrer ersten größeren Rollen. Spannend ist in diesen Tagen rund um Fanprotest und Sicherheitsdebatten in der Bundesliga auch ein Gedanke, den der Film immer wieder nahe legt: Die Fans brauchen ihren Verein offensichtlich deutlich dringender als umgekehrt, denn für viele von ihnen ist er der einzige Lebensinhalt. Oder, ein bisschen böser formuliert: Wenn man keine Frau abbekommen hat, kann die Begeisterung für einen Fußballclub ein ziemlich naheliegender Trost sein.

Ansonsten ist der Film trotz unverkennbarer Liebe zum Detail aber leider recht unausgegoren und platt. Was Roland dazu bringt, sich Hals über Kopf in Conny zu verlieben, wird kaum plausibel gemacht. Auch die ambitionierte Parallele zu Romeo & Julia wirkt eher gezwungen: Am Beginn wird mit einem Shakespeare-Zitat die Rivalität zweier Häuser heraufbeschworen, der Ost-West-Konflikt muss dann statt der Adelsfehden herhalten und eine Balkonszene gibt es natürlich auch. Zudem sorgt der Verweis auf das Drama dafür, dass man von Anfang an ahnt, wie das Schicksalsspiel ausgeht. Im Fußball würde man dieses Filmerlebnis wohl allenfalls unter der Rubrik „Arbeitssieg“ verorten.

Bestes Zitat:

“Ohne Fans würde Fußball ziemlich erbärmlich aussehen.”

Es gibt leider keinen Trailer zum Film.

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