Seide


Film Seide

Seide Filmkritik Rezension

Balbadiou (Alfred Molina, rechts) schickt Herve (Michael Pitt) nach Japan.

Produktionsland Kanada, Frankreich, Italien, Großbritannien, Japan
Jahr 2007
Spielzeit 110 Minuten
Regie François Girard
Hauptdarsteller Michael Pitt, Keira Knightley, Alfred Molina, Mark Rendall, Sei Ashina, Kōji Yakusho
Bewertung

Worum geht’s?

Frankreich im Jahr 1862: Dem jungen Herve Joncour bietet sich die Gelegenheit, seinen Militärdienst vorzeitig zu beenden. Der Unternehmer Baldabiou hat in Herves Heimatort binnen kürzester Zeit eine florierende Seidenindustrie aufgebaut. Nun sorgt eine Epidemie dafür, dass die bisher eingesetzten afrikanischen Seidenspinner reihenweise sterben. Das Geschäft ist bedroht, und damit der Wohlstand der gesamten Gemeinde. Balbadiou will Herve nach Japan schicken, um dort neue Seidenraupen zu besorgen. Der junge Mann dient zwar nur in der Armee, weil sein Vater darauf besteht, und hat zudem gerade die schöne Helene geheiratet, von deren Seite er nicht weichen möchte. Trotzdem nimmt Herve den Auftrag an und begibt sich auf die beschwerliche Reise nach Japan. Die Seidenlarven, die er mitbringt, haben höchste Qualität und führen das Geschäft von Balbadiou in neue Sphären, was dieser Herve reichlich entlohnt. Doch nicht nur deshalb will Herve schon bald wieder nach Japan: Er hat dort ein Mädchen getroffen, das ihm nicht mehr aus dem Sinn geht. Weil im fernen Osten mittlerweile ein Krieg ausgebrochen ist und besagtes Mädchen auch noch die Frau seines Geschäftspartners ist, der ihm bisher Schutz im Land gewährte, ist die Route nun aber lebensgefährlich. Herve macht sich dennoch erneut auf den Weg.

Das sagt shitesite:

Seide ist, viele Kritiker haben das treffend angemerkt, unnötig lang und in vielen Passagen viel zu bemüht, dem filigranen Stil der Romanvorlage von Alessandro Baricco gleichzukommen. Es gibt reichlich Landschaftsaufnahmen aus Frankreich, Japan und den Ländern dazwischen, sehr plakativ wird der Wechsel der Jahreszeiten inszeniert, auch die Besetzung ist nicht ideal, das gilt für Herve ebenso wie für Helene. Nicht zuletzt versäumt es die Stimme aus dem Off, die von Anfang an in einem wehmütigen, beinahe fatalistischen Ton auf das Geschehen zurückblickt und damit die Stimmung prägt, für wenigstens eine Winzigkeit an Spannung zu sorgen.

In gewisser Weise ist diese überbordende, auch selbstverliebte Form allerdings eine treffende Entsprechung für den Kern dieser Geschichte. So wenig Seide an Plot, starken Schauspielern oder guten Dialogen zu bieten hat, so sehr wird hier die Anziehungskraft der Liebe deutlich, selbst einer denkbar vagen Variante davon. Als sich Herve und das Mädchen als Liebende erkennen, ohne Worte, sogar ohne Blicke, ist das einer der stärksten Momente des Films. Ohne den Hauch einer Vorstellung davon zu haben, wie ein Zusammensein mit dem Mädchen möglich sein sollte, dreht sich von da an seine gesamte Gedankenwelt um sie.

Seine erste Reise nach Japan war noch Pflichterfüllung, aus Verantwortung für sein Dorf und als Dienst für den mächtigen Balbadiou. Bei der zweiten Reise geht es ihm nur um seine eigene Begierde, gerade die Verantwortung für seine junge Frau, die sich ein Kind wünscht, und Balbadious Unternehmen, das ihn mittlerweile lieber in Frankreich behalten will, ignoriert er – letztlich aus einer Schwärmerei heraus. Seide zeigt damit zum einen, wie schwer es einem Verliebten fällt, sich zu bescheiden: Nach seiner Rückkehr aus Japan findet Herve ein schönes Haus, einen herrlichen Garten, großen Reichtum, und eine ihn liebende Frau; trotzdem zieht es ihn hin zum Unbekannten, wahrscheinlich Unerreichbaren. Zum anderen verweist der Film auf nicht sehr subtile, aber doch recht romantische Weise auf die Metapher, die schon im Titel steckt: Glück und Liebe sind so wertvoll, aber auch so fragil wie die Larven der Seidenspinner.

Bestes Zitat:

„Er hatte einen Grund dafür. Ich weiß nicht mehr, was es war – Gründe werden vergessen.“

Der Trailer zum Film.

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