Draufgeschaut: Sophiiiie!


Film Sophiiiie

Sophiiiie Film Kritik Rezension

Sophie (Katharina Schüttler) streift eine Nacht lang durch Hamburg.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2002
Spielzeit 103 Minuten
Regie Michael Hofmann
Hauptdarsteller Katharina Schüttler, Alexander Beyer, Martin Brambach, Ercan Durmaz, Josef Ostendorf, Robert Stadlober
Bewertung

Worum geht’s?

Sophie ist 20 und ungewollt schwanger. An die Nacht, als es passiert ist, hat sie keine Erinnerung, weil sie betrunken war. Der Vater des Kindes könnte ihr Freund sein, ein anderer Mann bei einem One Night Stand, auch eine Vergewaltigung im Vollrausch kann sie nicht ausschließen. Jetzt hat sie einen Termin für eine Abtreibung, aber sie weiß nicht, ob sie ihr Kind nicht doch lieber behalten sollte. Auf der Suche nach Ablenkung, vielleicht auch nach einer Antwort, stürzt sich in der Nacht zuvor in eine Kneipentour durch Hamburg. Sie zofft sich mit ihrem Freund, flirtet mit gefährlichen Fremden und findet einen Taxifahrer, der ihr steter Begleiter wird.

Das sagt shitesite:

Das Ausrufezeichen am Ende des Titels darf man durchaus ernst nehmen: Sophiiiie! ist ein harter, manchmal lauter und sehr intensiver Film, der den Zuschauer dazu zwingt, sich zu positionieren. Die Odyssee der jungen Frau auf der Suche nach Nervenkitzel mag zu Beginn etwas eitel wirken, schnell wird hier allerdings – vor allem dank der grandiosen Leistung von Katharina Schüttler in ihrer ersten Hauptrolle – echte Verzweiflung deutlich.

Mit viel Alkohol torkelt die Titelfigur durch eine Horrornacht und begegnet einigen Gestalten, die in einer Geisterbahn oder Nervenklinik besser aufgehoben wären. Dass sie am Ende dieser Nacht selbst zu dieser Kategorie zählen wird, ist ihr wahrscheinlich von Anfang an klar, ebenso wie die Tatsache, dass noch ein paar mehr berauschte Eskapaden ohne jeden Gedanken an das Morgen keineswegs wie eine Katharsis anfühlen werden, sondern schlimmstenfalls bloß wie eine weitere folgenschwere Dummheit.

Doch man kann Sophie kaum böse sein für diesen Mangel an Rationalität und Verantwortungsgefühl. Zu groß ist ihre Wut, und die ist nicht nur durch das heranwachsende Baby in ihrem Bauch begründet. Ohne es explizit zu benennen und mit einer sehr freien, manchmal beinahe improvisiert wirkenden Form zeigt der Film, dass Sophie mehr vom Leben verlangt, dass sie nicht zufrieden ist mit dem, was die Welt ihr bisher geboten hat – und noch weniger mit dem, was sie künftig erwarten kann, ob als junge Mutter oder nicht. Die vielen Männer, die sich ihr aufdrängen, und auch die Männer, denen sie sich aufdrängt, sind ein Symbol dafür, wie sie versucht, ihren eigenen Wert zu taxieren und sich selbst darüber klar zu werden, was sie beanspruchen darf und ab wann sie den Bogen überspannt.

Sie wird bei den Begegnungen in dieser Nacht vor allem auf ihren Körper reduziert und weiß selbst nicht, was sie jenseits dieses Körpers ist. Auch das ist, erst recht vor dem Hintergrund ihrer Schwangerschaft, eine sehr gelungene Metapher für ihre Zerrissenheit und ihre Sehnsucht nach Selbstzerstörung. Vom Hedonismus, dann man anfangs noch vermuten kann, bleibt in Sophiiiie! schon bald nichts mehr übrig. Im Gegenteil: Das Ende ist so schmerzhaft, dass es kaum zu ertragen ist.

Bestes Zitat:

„Es muss auch Ungeziefer geben. Das ist genauso wichtig wie die Nutztiere.“

Der Trailer zum Film.

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