Draufgeschaut: The Girlfried Experience


Film The Girlfriend Experience

Chelsea (Sasha Grey) arbeitet als Callgirl in Manhattan.

Chelsea (Sasha Grey) arbeitet als Callgirl in Manhattan.

Produktionsland USA
Jahr 2009
Spielzeit 77 Minuten
Regie Steven Soderbergh
Hauptdarsteller Sasha Grey, Philip Eytan, Chris Santos
Bewertung

Worum geht’s?

Chris arbeitet als Trainer in einem Fitness-Studio. Als einer seiner Kunden ihn einlädt, ein gemeinsames Wochenende in Las Vegas zu verbringen, zögert Chris zunächst, weil er sich kaum vorstellen kann, dass seine Freundin Chelsea mit so einem Trip einverstanden wäre. Doch als er ihr von dem Angebot erzählt, erfährt er, dass Chelsea – die als Luxus-Callgirl arbeitet – ohnehin eine Beziehungsauszeit vorschlagen wollte: Sie glaubt, sich in einen ihrer Kunden verliebt zu haben.

Das sagt shitesite:

Neben Großproduktionen wie Ocean’s Eleven gönnt sich Steven Soderbergh immer mal wieder kleine Experimente, bei The Girlfriend Experience kann man das in Reinform beobachten. In nur 16 Tagen wurde der Streifen abgedreht, mit einem Budget von weniger als 2 Millionen Dollar.

Es gibt noch mehr formale Besonderheiten: Fast alle Figuren heißen so wie die Schauspieler, von denen sie verkörpert werden. Viele Dialoge wirken so lebensecht, als seien sie improvisiert und ohne Drehbuch entstanden. Porno-Star Sasha Grey ist hier erstmals in einem Film zu sehen, in dem sie (zumindest meistens) nicht nackt ist. Und todschicke Bilder von Manhattan stehen der Hässlichkeit der Branchen gegenüber, um die es hier geht.

Da ist zum einen die Prostitution, zu deren vorgeblich modernen Beschäftigten Chelsea gehört. Sie macht ihren Job freiwillig, sie verdient bestens dabei und sie hat kein Problem damit, ihren Kunden nicht nur Bettgenossin zu sein, sondern ihnen für ein paar Stunden auch emotionales und intellektuelles Interesse, also eine wirkliche Beziehung (eben: eine Girlfriend Experience) vorzugaukeln.

Ebenso wie für Chelsea ist auch für Chris der eigene Körper ein Produktionsmittel. Beide investieren in diesen Körper, um sich noch besser verkaufen zu können und ihren Marktwert zu steigern – und beide wollen eigentlich lieber etwas anderes mit ihrem Leben anfangen. Chris hat keinen Erfolg mit seinen Gehversuchen als Modedesigner, Chelseas Ambitionen als Autorin astrologischer Ratgeber werden ebenso wenig ernst genommen.

Dass Personen hier zu Produkten werden, ist bezeichnend, ebenso wie die sich auflösende Unterscheidung zwischen Job und Privatleben bei Chris und Chelsea. Dass derjenige, der gerade spricht, oft noch nicht oder nicht mehr im Bild ist, verstärkt in The Girlfriend Experience den Eindruck von der Selbstauflösung zwischen zwei Welten.

In welche Wunde Regisseur Steven Soderbergh seine Finger legen möchte, ist offensichtlich genug, doch es passt ins Bild, dass dies auch noch durch ständige Verweise auf die Finanzkrise betont werden muss. Einige von Chelseas Kunden befürchten, sich ihre Dienste bald nicht mehr leisten zu können. Die Begleiter von Chris orakeln auf dem Flug nach Las Vegas über Konjunktur und Geldpolitik. In so einer Welt muss auch der Mensch zur Ware werden – das soll wohl die Botschaft sein.

Das Problem an The Girlfriend Experience ist, wie bemüht diese Aussage formuliert ist. Noch viel schwerer wiegt allerdings, dass der Film kaum Substanz hat: Es gibt keine Figur, die zu erhellenden oder gar bewegenden Einblicken einladen würde – und so etwas Banales wie eine Handlung hat Soderbergh bei allen stilistischen Finessen leider auch vergessen.

Bestes Zitat:

„Manchmal sagen die Kunden, sie wollen mich so, wie ich wirklich bin. Aber das ist nicht wahr. Sie wollen vielmehr das, was sie in mir sehen möchten. Wenn sie wirklich mich haben wollten, würden sie nicht dafür bezahlen.“

Der Trailer zum Film.

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