Draufgeschaut: Tödliche Versprechen


Film Tödliche Versprechen

Tödliche Versprechen Kritik Rezension

Anna (Naomi Watts) sucht Hilfe bei Semjon (Armin Mueller-Stahl).

Originaltitel Eastern Promises
Produktionsland Großbritannien, Kanada
Jahr 2007
Spielzeit 100 Minuten
Regie David Cronenberg
Hauptdarsteller Viggo Mortensen, Naomi Watts, Vincent Cassel, Armin Müller-Stahl, Sinéad Cusack
Bewertung

Worum geht’s?

In einer Apotheke in London bricht eine junge Frau zusammen. Sie wird ins Krankenhaus gebracht, die Ärzte können aber nichts mehr für sie tun. Immerhin kann ihre ungeborene Tochter gerettet werden. Die Hebamme Anna nimmt sich des Babys an und will die Identität der Mutter herausfinden. Die Spur führt zu einer Familie von russischen Geschäftsleuten in London. Semjon, der Patriarch dieser Familie, gibt sich freundlich und aufgeschlossen und verspricht, Anna bei ihrer Suche nach Kräften zu unterstützten. Doch das Tagebuch der Verstorbenen, das Anna ebenfalls an sich genommen hat und von ihrem Onkel nach und nach übersetzen lässt, erzählt eine wenig charmante Geschichte: Es geht um Zwangsprostitution, Vergewaltigung, die Mafia und ein Mordkomplott.

Das sagt shitesite:

Gleich in doppelter Hinsicht ist Tödliche Versprechen ein ungewöhnlicher Thriller: Die Hintergünde des Falls rücken schnell in den Hintergrund, stattdessen geht es um Strukturen, Machtkämpfe und vor allem Persönlichkeiten. Dazu wird die Unterwelt hier nicht als Sphäre voller Nervenkitzel, Glamour und Action inszeniert, sondern als ein einigermaßen nüchternes Geschäft mit einer ordentlichen Portion Schwermut.

Einigermaßen früh kann der Zuschauer ahnen, wie das Baby, das Anna in ihre Obhut genommen hat, mit der Russenmafia in Englands Hauptstadt in Verbindung steht. Spannend wird der Film dennoch, weil er einerseits reichlich zusätzliche Konflikte integriert, etwa den Kampf von Nachwuchs-Gangster Kirill um die Anerkennung seines Vaters Semjon, Homophobie und Fremdenfeindlichkeit, aber auch das Ringen um Loyalität und Zusammenhalt, die in dieser Welt immer auch auf ethnischer Gemeinschaft beruhen oder gar aus familiärer Bande bestehen. Andererseits verzichtet Tödliche Versprechen auf die üblichen Klischee-Figuren und setzt stattdessen auf facettenreiche, realistische Protagonisten. Auch die Schläger und Mafia-Drahtzieher haben hier ihre schwachen Momente, auch die vermeintlich barmherzige Anna handelt keineswegs rein uneigennützig. Dadurch bekommen fast alle Figuren zumindest das Potenzial, sich mit ihnen zu identifizieren und ihre Taten nachvollziehen zu können – eine Seltenheit in diesem Genre.

Neben derlei psychologischer Finesse bietet der Film natürlich auch knüppelharte Szenen, an erster Stelle ist da der Kampf gegen Ende zu nennen, den Nikolai nackt in einem Dampfbad führen muss, um einem Hinterhalt zu entkommen. Die größte Stärke von Tödliche Versprechen ist aber: Regisseur David Cronenberg zeigt das organisierte Verbrechen als ein durchrationalisiertes Geschäft. Genau wie in allen anderen Branchen sind die Involvierten hier zuallererst den Regeln des Profits unterworfen – und genau wie in allen anderen Branchen leiden sie darunter.

Bestes Zitat:

„Wut ist sehr gefährlich. Sie bringt Menschen dazu, Dummheiten zu machen.“

Der Trailer zum Film.

 

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