Draufgeschaut: Unter dir die Stadt


Svenja (Nicolette Krebitz) beginnt eine Affäre mit Roland (Robert Hunger-Bühler).

Svenja (Nicolette Krebitz) beginnt eine Affäre mit Roland (Robert Hunger-Bühler).

Film Unter dir die Stadt
Produktionsland Deutschland
Jahr 2010
Spielzeit 109 Minuten
Regie Christoph Hochhäusler
Hauptdarsteller Nicolette Krebitz, Robert Hunger-Bühler, Mark Waschke, Corinna Kirchhoff
Bewertung

Worum geht’s?

Aus Hamburg sind Svenja und Oliver vor sechs Wochen nach Frankfurt gezogen, denn er hat einen attraktiven Job in der Finanzmetropole angenommen. Es gilt, eine Bank bei einer heiklen Übernahme zu unterstützen, und das bedeutet reichlich Arbeit. Svenja fremdelt derweil mit der neuen Stadt und langweilt sich, bis sie Roland kennen lernt, einen der mächtigsten Banker der Stadt – und zugleich Olivers Chef. Svenja beginnt eine Affäre mit dem deutlich älteren und ebenfalls verheirateten Mann. Was sie nicht ahnt: Er setzt alle Hebel in Bewegung, damit Oliver nach Indonesien versetzt wird – und dieser neue Posten dürfte nicht nur für die Ehe von Svenja und Oliver gefährlich werden.

Das sagt shitesite:

Man könnte meinen, ein Film, der in einer der heißesten Phasen der Finanzkrise im Epizentrum der deutschen Bankbranche gedreht wurde, müsse Spekulation, Gier und Casino-Kapitalismus thematisieren. Das ist bei Unter dir die Stadt aber eher am Rande der Fall. Der Film von Christoph Hochhäusler seziert nicht das System, sondern die Personen, die sich in diesem System eingerichtet haben, die es tragen und vorantreiben.

Sie residieren in den Chefetagen der Wolkenkratzer, aber ihr Schweben über den Dingen hat hier nichts Erhabenes. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass sie keinen Halt haben und eingesperrt sind. Sie können nicht nach links und rechts, sondern nur nach oben oder unten, und so etwas Alltägliches (und Hilfreiches) wie Bodenhaftung geht ihnen völlig ab.

Gleich in der ersten Szene von Unter dir die Stadt läuft Svenja einer fremden Frau hinterher, die dasselbe Shirt trägt; später folgt sie einer verzweifelten Frau auf die Damentoilette eines Restaurants – und es ist schnell klar: Sie sucht Orientierung, Verwandtschaft. Was sie findet, ist ein Mann mit deutlich mehr Lebenserfahrung, mit Macht, Ruhm und Geld. Roland ist einer von den Männern, die mit Milliarden jonglieren und die scheinbar nichts aus der Ruhe bringen kann. Aber der Grund dafür ist nicht Selbstvertrauen und Kompetenz, sondern Apathie. Auch Roland ist ein Mensch ohne einen Anker im Leben, der weiß, dass es da irgendwo eine Wirklichkeit geben muss, der aber spürt, dass er von dieser Wirklichkeit nichts mit- und viel zu wenig abbekommt. Auch er fragt sich, ob er überhaupt an diesen Ort passt, aber bei ihm ist mit diesem Ort nicht nur Frankfurt gemeint, sondern die Welt.

Svenja und Roland beginnen ihre Affäre, als würden sie sich aus den höchsten Etagen der Wolkenkratzer in die Tiefe stürzen, ohne einen erkennbaren Grund, ohne ein erkennbares Ziel, einfach aus dem Gefühl heraus, irgendetwas aufs Spiel setzen zu müssen. „Ich habe keinen Namen dafür“, umschreibt er an einer Stelle den Charakter dieser Beziehung. Passend dazu spielen die Sexszenen in Unter dir die Stadt an Orten, die für das Vorübergehende stehen: Parkhäuser, Hotelzimmer, Tagungsräume.

Die Bankenmetropole mit ihren dubiosen Millionengeschäften, ihrer Internationalität und ihren Karrieristen ist dafür ein passender Schauplatz. Ein Ort des Zwischendurch, keine Heimat. Ein Ort, an dem man keine Wurzeln hat und die Zukunft allenfalls bis zur nächsten Job-Option reicht – das passt dann letztlich doch zur Finanzkrise.

Bestes Zitat:

„Wer Banker des Jahres ist, kann sich Gefühle nicht leisten.“

Der Trailer zum Film:

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