Draufgeschaut: Verblendung


Film Verblendung

Journalist Mikael Blomkvist (Mikael Nyqvist, rechts) soll Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) helfen.

Journalist Mikael Blomkvist (Mikael Nyqvist, rechts) soll Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) helfen.

Originaltitel Män som hatar kvinnor
Produktionsland Schweden
Jahr 2009
Spielzeit 146 Minuten
Regie Niels Arden Oplev
Hauptdarsteller Mikael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath, Ewa Fröling, Gösta Bredefeldt
Bewertung

Worum geht’s?

Mikael Blomkvist hat eigentlich keine Lust auf eine neue Story. Gerade hat er versucht, in seinem Enthüllungsmagazin Millennium die kriminellen Machenschaften eines Industriellen aufzudecken. Doch alles, was es ihm eingebracht hat, ist eine Verurteilung wegen Verleumdung – und die Gewissheit, dass er reingelegt wurde. Die Einladung von Henrik Vanger, dem Patriarchen eines weit verzweigten Industrieunternehmens, macht den Journalisten dann aber doch neugierig: Es geht um Vangers Nichte Harriet, die seit 40 Jahren verschwunden ist, und die einst das Kindermädchen für Mikael gespielt hat, als dessen Eltern bei den Vangers gearbeitet haben. Henrik Vanger ist überzeugt, dass sie ermordet wurde, und zwar von missgünstigen Verwandten. Der Journalist beginnt mit seiner Recherche, und er hat eine heimliche Assistentin: Lisbeth Salander arbeitet für eine Securityfirma und hackt sich in Blomkvists Computer ein, um ihre eigenen Schlüsse zu ziehen und Mikael Tipps zu geben. Sie hat ihre ganz eigene Motivation, den Journalisten zu unterstützen, als der auf die Spur eines brutalen Frauenmörders kommt. Denn Lisbeth ist selbst Opfer von Missbrauch und Sadismus geworden.

Das sagt shitesite:

Sehr früh deutet sich in Verblendung an (auch dann, wenn man nichts davon weiß, dass dies der Auftakt zu einer Trilogie ist), dass man es hier mit einem hoch komplexen und sehr stimmungsvollen Thriller zu tun hat. Die Verquickung der einzelnen Handlungsstränge gelingt blendend, auch wenn dabei einige zusätzliche Dimensionen aus der Romanvorlage von Stieg Larsson wegfallen. Die Stimmung ist düster: Die Kälte des Nordens, die Kälte der Großstadt, die Kälte des Wirtschaftslebens – all das wird in Bildern voller Regen und Trübnis eingefangen und nur noch von der Kälte der menschlichen Seele übertroffen.

Sehr geschickt spielt Verblendung mit eher klassischen Stilmitteln (Schatten, Schüsse aus dem Nichts, Hinweise aus der Vergangenheit), um von den ganz großen Themen (Religion, Rassismus, Familie, Sex, Trauma) zu erzählen und diese sehr überzeugend miteinander zu verweben – bis hin zu einem Ende, an dem alles ein bisschen zu gut ist.

Das Besondere an Verblendung ist dabei die Konstellation der Hauptfiguren. Nicht der perfide Täter ist hier der heimliche Star wie in Sieben oder Das Schweigen der Lämmer, und auch kein durch nichts hinters Licht zu führender Ermittler wie in Denn zum Küssen sind sie da oder Staatsfeind Nr 1. Im Gegenteil: Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander sind im höchsten Maße verletzlich. Sie sind von Anfang an Opfer.

Der Journalist soll vorgeblich die Rolle des Pseudo-Kommissars übernehmen, doch er ist sensibel, behutsam und verlässt sich lieber auf seine Intuition als auf eiskaltes Kalkül oder gar Rambo-Methoden. Lisbeth ist der pechschwarze Racheengel, kaputt, aber konsequent. Ein zerbrechliches Mädchen mit dem eisernen Willen einer Kampfmaschine. Es ist vor allem dieser Gegensatz aus bürgerlicher Reife und und rebellischem Affekt, der aus Verblendung einen besonderen Thriller macht.

Bestes Zitat:

“Man hat die Wahl, wer man sein will. Er war kein Opfer. Er war ein widerliches Schwein.”

Der Trailer zum Film:

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