Draufgeschaut: Zabriskie Point


Mark (Mark Frechette) und Daria (Daria Halprin) finden bei einem Trip in die Wüste zueinander.

Mark (Mark Frechette) und Daria (Daria Halprin) finden bei einem Trip in die Wüste zueinander.

Film Zabriskie Point
Produktionsland USA
Jahr 1970
Spielzeit 107 Minuten
Regie Michelangelo Antonioni
Hauptdarsteller Mark Frechette, Daria Halprin, Rod Taylor
Bewertung ***

Worum geht’s?

Mit einem Streik kämpfen die Studenten an der Universität von Los Angeles für mehr Mitbestimmung. Doch Mark geht all das nicht schnell genug. Er kritisiert die Halbherzigkeit seiner Altersgenossen, das Verharren in Debatten und die Mutlosigkeit im Kampf gegen Autoritäten. Als mehrere seiner Freunde Opfer von Polizeigewalt werden, ist das Maß für ihn voll: Mark erschießt einen Polizisten, stiehlt dann ein Sportflugzeug und flieht damit in Richtung Wüste. Dort trifft er auf Daria, eine Sekretärin, die auf dem Weg zu einer Konferenz in Phoenix ist. Sie ist fasziniert vom Freigeist, den Mark vorlebt. Am Zabriskie Point, einem Aussichtspunkt mitten in der Wüste, entdeckt auch sie, dass sie gerne aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen möchte.

Das sagt shitesite:

Die Handlung von Zabriskie Point wirkt nicht nur auf dem Papier verworren, doch sie ist für diesen Film letztlich zweitrangig. Viel wichtiger sind hier zum einen die Musik (unter anderem von Pink Floyd, Grateful Dead und den Rolling Stones) und zum anderen die Ästhetik.

Michelangelo Antonioni will zugleich den amerikanischen Konsumwahn vor Augen führen und die passenden Bilder für die Hippie-Ideale finden, die an seine Stelle treten sollen. Für Ersteres setzt er auf die Omnipräsenz von Werbetafeln, thematisiert Verkehrsinfarkt, Smog und das gnadenlose Ausschlachten der Natur, für Letzteres findet er eine ganz eigene Form mit fantastischen Elementen und Zitaten aus der Trash-Kultur. Das Ergebnis ist nicht besonders konsistent in der Handlung, aber höchst reizvoll in den filmischen Mitteln.

Die Protagonisten sehnen sich danach, auszubrechen und fliehen aus einer bedrückenden Welt voller Materialismus, Rassismus, Sexismus und Gewalt notfalls mittels Drogen ins Reich der Fantasie. Genau für diesen Geist findet Zabriskie Point eine wunderbare Form. Der Film lebt in seiner Ästhetik genau die Kompromisslosigkeit vor, die er mit seiner Botschaft einfordert: Auf eine Orgie der Debatten zum Beginn lässt Antonioni in der Wüste eine Orgie der körperlichen Liebe und am Ende eine Orgie der Gewalt folgen, die fast malerische Qualität annimmt.

Rückblickend betrachtet ist es höchst bemerkenswert, wie weitblickend Zabriskie Point mit seiner Diagnose von Verfall und Größenwahn war. Aus deutscher Perspektive gibt es noch eine erstaunliche Erkenntnis: Man brauchte in den späten 1960er Jahren gar nicht das Nazi-Erbe, um gegen die Zustände, die Autoritäten, den Mief und die Arroganz der älteren Generation aufzubegehren.

Bestes Zitat:

“Ein weißer Radikaler ist eine Mischung aus Scheiße und Gewäsch.”

Der Trailer zum Film:

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