Durchgelesen: Albert Camus – „La peste“


„Die Pest“ durchzieht eine hell erstrahlende Moral.

Autor Albert Camus
Titel La peste
Verlag Gallimard
Erscheinungsjahr 1947
Bewertung ****1/2

Nachdem ich „Der Fremde“ gelesen hatte, hielt ich Camus für einen großen Autor. Seit ich „Die Pest“ gelesen habe, halte ich ihn für einen großen Menschen.

Literarisch mag „Die Pest“ etwas schwächer sein, kann nicht die Konzentration in einer Person bieten, die den „Fremden“ so eindrucksvoll gemacht hat. Aber Camus überzeugt hier mit kräftigeren Bildern (wie dem Todeskampf eines Kindes, der Wiedersehensfreude am Bahnsteig oder dem heimlichen Genuss des nächtlichen Badens im Meer) und anderen Qualitäten: einer faszinierenden Sprache, die eher referiert als reflektiert, einem Glücksgriff von einer Metapher (die Pest steht für den Krieg und/oder den Totalitarismus) und vor allem einer Moral, die durch das ganze Werk hindurch hell erstrahlt.

Mit seiner Geschichte einer Stadt, die in den 1940er Jahren von der Pest befallen und daraufhin von der Außenwelt abgeschnitten wird, macht er unmissverständlich klar: Das menschliche Leben ist der höchste Wert überhaupt. Und man muss sich wehren, wenn es bedroht wird. Widerstand ist keine Möglichkeit, sondern eine Pflicht.

In der Figur des Arztes Bernard Rieux, der sich der Seuche gegenüber machtlos sieht und doch weiter gegen sie (und für das Leben) kämpft, der kaum Hoffnung hat und doch nie an seiner Pflicht zweifelt, der nicht helfen kann und sich dennoch selbst opfert, hat Camus Appell, der auch seine Lebensmaxime war, eine so zwingende Logik, dass man beiden nur zurufen kann: Chapeau!

Beste Stelle: „Le mal qui est dans le monde vient presque toujours de l’ignorance, et la bonne volonté peut faire autant de dégâts que la méchanceté, si elle n’est pas éclairée. Les hommes sont plutôt bons que mauvais, et en vérité c’est ne pas le question. Mais ils ignorent plus ou moins, et c’est ce qu’on appelle vertu ou vice, le vice le plus désespérant étant celui de l’ignorance qui croit tout savoir et qui s’autorise alors à tuer. L’âme du meurtrier est aveugle et il n’y a pas de vraie bonté ni de bel amour sans toute la clairvoyance possible.“

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