Durchgelesen: Best Of Comedy 1


"Best Of Comedy" versammelt Beiträge von Humoristen, die wenig miteinander zu tun haben.

"Best Of Comedy" versammelt Beiträge von Humoristen, die wenig miteinander zu tun haben.

Autor Diverse
Titel Best Of Comedy
Verlag Riva
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung **

„In der Unterdrückung hat der Witz Hochkultur“, hat Matthias Matussek unlängst in einem Gespräch im Freitag festgestellt. Insofern sollte man meinen, irgendjemand oder irgendetwas hält die Republik seit Jahren mächtig unter der Knute. Zumindest den gewichtigen Teil des Volkes, der zum TV-Publikum gehört. Denn der einst von RTL Samstag Nacht, Sat1-Wochenshow und dem Quatsch Comedy Club in Gang gesetzte Siegeszug der Fernseh-Ulknudeln kennt weiterhin kein Ende.

Kein Wunder also, dass da der eine oder andere versucht, ein bisschen mitzuverdienen. Eines der Ergebnisse ist Best Of Comedy. Das Buch versammelt bereits zuvor (praktischerweise zum Teil im selben Verlag) erschienene Beiträge von 14 Humoristen. Das Ergebnis ist freilich weit davon entfernt, einen repräsentativen Überblick über die aktuelle deutsche Komik-Kultur zu geben. Stattdessen wird hier zusammengeführt, was nicht zusammen gehört.

Das betrifft nicht nur die Prominenz (Größen wie Helge Schneider oder Otto Waalkes stehen Newcomer wie Matze Knop und No-Names wie Michaela Moses gegenüber). Es betrifft auch die Form. Denn Best Of Comedy enthält Kolumnen und anderes, das als Text konzipiert war, an anderer Stelle gibt es hingegen einfach transkribierte Sketche. Und es betrifft natürlich die Qualität.

Für ein Buch, das sich Best Of Comedy nennt, ist die Lacherdichte erstaunlich gering. Willy Astor lässt ein Feuerwerk von Wortspielen los, allerdings funktionieren seine Pointen gesprochen deutlich besser als geschrieben, denn sowohl der Dialekt als auch die Pausen sind bei ihm oft genug das Salz in der Suppe. Olaf Schubert ist genial wie immer, Helge Schneider ist mit einem eher untypischen Text aus der Quasi-Biographie Bonbon aus Wurst vertreten.

Horst Evers ist hingegen nur leidlich witzig, Sascha Korf steuert einen komplett unlustigen Ratgeber bei. Ingo Oschmann findet kein originelleres Opfer für seine Kalauer als die Deutsche Bahn. Chris Boettcher versucht sich an Lothar-Matthäus-Englisch, allerdings ist manch Übersetzungsprogramm kreativer als sein Fränglisch mit Loddar. Michael Mittermeier zeigt sich wie immer: zu selbstverliebt. Auch Matze Knop ist in Buchform genauso wie im Fernsehen: Er wäre besser zu ertragen, wenn es nicht so viel von ihm gäbe.

Immerhin zeigen Uralt-Sketche von Otto Waalkes, die hier ebenfalls noch einmal aufgewärmt werden, dass man auch früher schon gerne über schlechte Witze gelacht hat. Und dann ist da ja noch Oliver Kalkofe. Ganz am Schluss von Best Of Comedy gibt es einige seiner Kolumnen. Bitterbös und reflektiert kriegt dann endlich auch das Medium sein Fett weg, dem wir dieses Machwerk zu verdanken haben: das Fernsehen.

Das beste Zitat steuert Willy Astor bei: „Lektüre, die blöd macht, gibt es auch, z. B. die Biografien von Daniel Küblböck, Boris Becker, Dieter Bohlen. Wenn Sie diese Bücher öffnen, werden Sie es leise stöhnen hören: ‚Ah, oh, uh, oh!‘ Das sind die Leiden der jungen Wörter.“

 


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