Clemens Stadlbauer – „Quotenkiller“


Autor Clemens Stadlbauer

Sterben zu Mariah Carey? Das macht den Tod unerträglich.

Titel Quotenkiller
Verlag Haymon
Erscheinungsjahr 2003
Bewertung

Dass man sterben muss, ist betrüblich genug. Aber ausgerechnet bei einem Mariah-Carey-Stück zu sterben, muss die Hölle sein. Das findet auch Tommy. Er nimmt noch einmal alle Kraft zusammen, um den Regler zu schieben, die Rolling Stones ertönen, dann verlassen ihn die Lebensgeister.

Tommy ist Radio-DJ und gerade während seiner Sendung mitten im Sender erschlagen worden. Die Szene steht am Anfang von „Quotenkiller“, dem ersten Roman des Österreichers Clemens Stadlbauer. Der 40-Jährige hat selbst reichlich Radio-Erfahrung. Und dass er weiß, wovon er spricht, merkt man in seinem Buch sehr schnell. Liebhaberei und Geschmack haben im Radio schon längst nichts mehr zu suchen. Stattdessen geht es um Quote, Karrieren und Dienstleistung.

Herrlich deutlich wird das in der Szene, als ein Kollege den blutüberströmten Tommy im Studio findet, aber zunächst noch die Nachrichten spricht (die Uhrzeit erfordert es) und dann, als er endlich den Rettungsdienst rufen will, aus lauter Gewohnheit zunächst die Nummer der Pressestelle wählt, die mitten in der Nacht natürlich nicht mehr besetzt ist.

Stadlbauers Einblicke in den Sender, in den Journalismus und die Journalisten, sind erhellend, manchmal schonungslos, aber auch nie frei von Klischees. Zudem lässt der Autor keine Gelegenheit für ein noch so geschmackloses Wortspiel oder einen hoffnungslos abgestandenen Kalauer aus (eben ganz der Radio-Mann). Da scheint dann mitunter Gerhard Delling Pate gestanden zu haben, was Sätze wie „Seinen Samenstau war Tony nicht losgeworden, jetzt ging ihm dafür auch noch der Verkehrsstau am Außenring fürchterlich auf die Eier“ oder „Doch im Gegensatz zu Tom Cruise, der stets zielsicher wie die gleichnamige Missile am Ort des Geschehens einzutreffen pflegte, irrte er herum wie ein Abfangjäger des österreichischen Bundesheeres auf der Suche nach dem Feind.“ zur Folge hat.

Auch die (zugegebenermaßen treffend geschilderte) Wiener Schickeria, in der sich die durchweg reichen und schönen Protagonsiten des Buches herumtreiben, droht nach einem Drittel des Buches langweilig zu werden. Doch gerade da gibt Stadlbauer seiner Handlung eine interessante Wendung und verlegt den Kriminalroman in ein sizilianisches Fischerdorf.

Der Autor überzeugt nun (meist) mit cleveren Zitaten, originellen Ideen und einer irrwitzigen Pointe und entwickelt so eine (manchmal zu) spektakuläre, in ihren besten Momenten sogar atemlose Geschichte. Um davon allerdings gefesselt zu sein, muss man eher Musik- denn Krimifan sein. Denn auf Plausibilität legt Stadlbauer keinen Wert. Aber wie heißt es so schön: You can’t always get what you want.

Beste Stelle: „Tommy switchte sich durch die fünfzig Knöpfe der Telefonanlage und lauschte den verschiedenen Gesprächen, die da die Leitungen zum Glühen brachten. Meist waren bescheuerte Hörer dran, die irgendeinen Musikwunsch äußerten, wobei sie größtenteils nach Titeln fragten, die auf der Hitstation ohnehin auf und ab gespielt wurden, was für ihn ungefähr so sinnvoll war, wie wenn sich ein Lawinenverschütteter Schneefall wünschte. Aber gut, Tommy hatte es aufgegeben, sich über die Intelligenz der Hörer den Kopf zu zerbrechen.“

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