Durchgelesen: E.L. Doctorow – „Das Leben der Dichter“


„Das Leben der Dichter“ vereint Schnappschüsse und brutale Einblicke.

Autor E. L. Doctorow
Titel Das Leben der Dichter
Verlag KiWi
Erscheinungsjahr 1984
Bewertung ***

Ein Band mit Erzählungen, meist aus der Kindheit und Jugend Doctorows, also aus den 1950er Jahren. Mitunter sind es nur Schnappschüsse (wie das später zum Roman erweiterte „Das Wasserwerk“), mitunter auch brutale Einblicke, als hätte jemand einfach wahllos ein paar Seiten aus der Biografie der Protagonisten herausgerissen.

Das kann faszinierend sein, wie der kleine Junge, der „Der Dichter in der Familie“ ist, verstörend wie „Die ausländische Gesandtschaft“ oder rührend und todtraurig wie „Willi“ und das sprachlich famose „Der Jäger“.

In der Gegenwart, also (bei Erscheinen des Bandes) den 1980er Jahren spielt lediglich „Das Leben der Dichter“, die bei weitem umfangreichste und auch beste Erzählung des Buchs. Manchmal ein wenig zu selbstverliebt bietet Doctorow darin seinen Blick auf New York. Oder besser: Einen Blick auf sich selbst, bei dem New York als Spiegel dient, samt seiner intellektuellen Cliquen, Versuchungen und Abgründen. Quasi eine Art „Sex & the city“ der 1980er. Bloß, dass der Erzähler hier ein Mann ist – und jenseits der 50.

Beste Stelle: „Für mein Leben wünsche ich mir jetzt, dass es schlicht ist, ohne Geheimnisse, ich möchte jedem gegenüber immer der sein, der ich wirklich bin. Ich möchte, dass die Person, die ich liebe, auch die Person ist, mit der ich das treibe, was zur Liebe gehört. Ich erlebe die Liebe, oder die Liebe zu ihr, als einen Zustand der Klarheit, der Ichwerdung. Wer ich bin und wer ich sein sollte, wird zu einem.“

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