Durchgelesen: Evelyn Peternel, Andreas R. Peternell – „Who The Fuck Is Alice?“


Autoren Evelyn Peternel, Andreas R. Peternell

Ins Reich des unnützen Wissens tauchen Peternel & Peternell ab.

Ins Reich des unnützen Wissens tauchen Peternel & Peternell ab.

Titel Who The Fuck Is Alice?101 Antworten auf die drängendsten Fragen der Popmusik
Verlag Rogner & Bernhard
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Platz 1 in den Niederlanden, Platz 2 in den Charts von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als im Sommer 1995 halb Europa „Alice, who the fuck is Alice?“ gebrüllt hat, wünschte sich manch einer bestimmt auch eine Antwort auf diese Frage. Jetzt kommt sie, zumindest beinahe. Evelyn Peternel und Andreas R. Peternell liefern in ihrem hoch amüsanten Büchlein Who The Fuck Is Alice? das, was sie im Untertitel versprechen: 101 Antworten auf die drängendsten Fragen der Popmusik.

Die Auswahl ist „hemmungslos subjektiv“, gestehen die beiden Journalisten (weder verwandt noch verheiratet) im Vorwort. Die Bandbreite reicht von Who Killed Bambi? (Sex Pistols) über How Deep Is Your Love? (Bee Gees) bis Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus? (Elvis Presley). Da die beiden Autoren aus Österreich stammen (Evelyn Peternel, Jahrgang 1981, ist Redakteurin bei der Tageszeitung Kurier; Andreas R. Peternell, Jahrgang 1971, arbeitet unter anderem für das Feuilletonmagazin schreibkraft), hat die Auswahl ein bisschen Schlagseite hin zu Künstlern aus dem Nachbarland: Gleich sieben Mal sind österreichische Interpreten vertreten.

Die ausgewählten Fragen sind nicht nur Songtitel, sondern auch andere wichtige Fragen aus der Musikgeschichte. Dass das kaum ins Gewicht fällt, merkt man schnell: Who The Fuck Is Alice? enthält viele interessante Gedanken, die aber nur in den seltensten Fällen tatsächlich etwas mit dem ausgewählten Lied (oder mit Popmusik überhaupt) zu tun haben müssen. Meist ist man nach vier bis fünf Zeilen weit weg vom eigentlichen Thema und die Autoren navigieren ziemlich freigeistig und mit herrlich launiger Schreibe durch die Untiefen des unnützen Wissens.

Zarah Leanders Kann denn Liebe Sünde sein? wird mittels eines Überblicks von Moralvorstellungen in verschiedenen Weltreligionen und Rechtssystemen beantwortet. In What’s New Pussycat? (Tom Jones) gehen Peternel & Peternell dem Phänomen der Katzenvideos im Internet auf den Grund. Alles klar, Herr Kommissar? ist Anlass für ein Kurzreferat über internationale Notrufsysteme.

Besonders gerne liefern die Autoren mehr oder weniger hilfreiche Auskünfte aus den Bereichen Weltgeschichte, Verhaltenspsychologie und Etymologie, zugleich merkt man ihnen eine innige Liebe zur Popmusik an. Sie wählen einen süffisanten, ironischen Unterton, wie ihn (um beim Thema zu bleiben) im Pop etwa Großmeister wie The Kinks oder Belle & Sebastian hinbekommen haben. Und sie finden für ihr Frage-Antwort-Spiel eine faszinierende Bandbreite an Formen: Mal umfasst eine Antwort nur zwei Zeilen, mal erfolgt sie in Form eines Fragebogens zur Ermittlung der eigenen Männlichkeit (bei einem Klassiker von Herbert Grönemeyer), mal wird die Aminosäurefrequenz des Beta-Endorphins wiedergegeben (als Antwort auf Alfred J. Kwaks notorische Frage „Warum bin ich so fröhlich?“).

„Mal lehrreich, mal mit wilden Assoziationen und immer unterhaltsam … dieses Buch könnte ihre Rettung sein, wenn sie auf der nächsten Party im Smalltalk glänzen wollen“, hat man bei Radio Bremen ganz treffend über Who The Fuck Is Alice? angemerkt. In der Tat: Wenn die Autoren im letzten Kapitel neun Fragen aus dem Buch noch einmal stellen, um den Lernfortschritt des Lesers zu kontrollieren, dann merkt man erst, wie vielseitig und erhellend die vorangegangen 200 Seiten waren.

Bestes Zitat: „Katzen können Menschen eigentlich gar nicht so richtig leiden. Vielmehr legen sie von Natur aus eine ablehnende Haltung gegenüber ihren Herr- und Frauchen an den Tag – und das macht sie so attraktiv: die Katze, das unnahbare Wesen. Darüber hinaus lassen sich gewisse Parallelen zwischen Vierbeinern und zweibeinigen Internetfreaks nicht verleugnen. Beide sind mit sich selbst beschäftigt, geradezu in sich selbst versunken. Einzelgänger unter sich also, vor und hinter dem Bildschirm, da ergibt sich eine (einseitige) Anziehung ganz automatisch.“

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