Durchgelesen: Helge Schneider – „Globus Dei“


Autor Helge Schneider

Helge Schneider Globus Dei Kritik Rezension

Vom Nordpol bis Patagonien führt der Expeditionsroman von Helge Schneider.

Titel Globus Dei. Vom Nordpol bis Patagonien. Ein Expeditionsroman
Verlag KiWi
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung

Die Karikatur war in den Büchern von Helge Schneider stets das Mittel der Wahl. In seinen Romanen um Kommissar Schneider nahm er wunderbar den Machismo und die Pseudo-Gerechtigkeit von Krimis aufs Korn. Auch in Globus Dei, seinem Reiseroman, kann man diesen Effekt wieder beobachten. Auch hier nutzt er den völligen Verzicht auf Plausibilität als höchst unterhaltsames Stilmittel und wechselt in seiner kruden Sprache mühelos von schwärmerisch zu vulgär, manchmal innerhalb eines Absatzes.

Bei Globus Dei kommt zu diesen bewährten Mitteln aber noch eine besondere Stärke hinzu: Helge Schneider erzählt im Buch von einer Reise Vom Nordpol bis Patagonien, so der Untertitel. „Alles stimmt, alles ist echt passiert!“, behauptet er. Diese besonders exotischen Schauplätze und vor allem sein Anspruch auf Authentizität dienen wunderbar dazu, Erleuchtungs-Reise-Bücher wie Hape Kerkeling (allerdings erst nach Globus Dei veröffentlichtes) Ich bin dann mal weg zu zerpflücken.

Das angeblich Unvergessliche und das vermeintlich Erhabene während seiner Reise nimmt er besonders gerne auf die Pieke. Mit seinem Trip durch die Wildnis persifliert er die seltsamen Parameter und Statussymbole, die wir für unser Leben im Überfluss angelegt haben. Er zeigt immer wieder, wie lächerlich es ist, die Ursprünglichkeit und den Einklang mit der Natur entdecken zu wollen, wenn die Ausrüstung aus dem Designershop und der Proviant aus dem sündteueren Bioladen stammen. Und wie schizophren die Vorliebe selbsternannter Naturfreunde ist, besonders unberührte Flecken der Erde mit ihrem Besuch (der oft genug der Türöffner für den Massentourismus wird) zu beglücken.

Gelegentlich wird er sogar vorgeblich politisch, moralisch oder philosophisch und führt in diesen Passagen wunderbar vor, wie anmaßend derlei Belehrungen aus dem Mund eines Bühnenclowns wie Schneider oder eines Fernsehkomikers wie Kerkeling sind. „Auch Menschen sind den Waschbären ja ähnlich. Wir sind überhaupt mit Tieren vergleichbar. Warum isst der Mensch Tiere und erhebt sich zum Ebenbild Gottes, obwohl er auch nur ein gefährlicher Beutegreifer ist? Ich weiß manchmal nicht, wer hier der Schlimme ist, der Löwe, der töten muss, um zu essen, oder der Mensch, der sehr oft essen muss, um zu töten“, ist so ein Beispiel.

Freunde seines Humors werden in Globus Dei auch reichlich typischen Helge Schneider erkennen: So ist seine Expedition durch die Arktis, die am Beginn des Buchs steht, nicht anderes als eine sehr ausgedehnte Version des alten Reinhold-Helge-Spiels. Sein Ich-Erzähler beweist, ähnlich wie Kommissar Schneider, auch in diesem Buch immer wieder Mac-Gyver-Fähigkeiten: Er ist für alles gewappnet und kann aus den unmöglichsten Alltagsgegenständen die wertvollsten Helferlein konstruieren. Nicht zuletzt besteht er den Kampf mit wilden Tieren, und zwar mehrfach: Eisbären, Piranhas, Seeelefanten, Polarfüchse und Kamele gehören zu seinen Herausforderern. Echte Pointen gibt es fast gar nicht, dafür wird er mit Vorliebe eklig, vor allem wenn es um Fragen von Ernährung und Hygiene (oder gar einer Vermischung von beiden) geht.

„Ich kann jedem, der so eine Reise machen will, total davon abraten“, lautet schon zu Beginn des Reiseromans das Fazit. Auf die Expedition mag das zutreffen, auf das Buch ganz gewiss nicht.

Bestes Zitat: „In einer Zeit der Niederlagen für Tiere ist es unbedingt erforderlich, auf die Gefahren einer Ausrottung von Tieren hinzuweisen. Wenn Menschen alle Tiere am Ende ausmerzen, wovon sollen sie sich ernähren? Und es gibt ja nicht nur Vegetarier. Vor allem aber ist die Flora auch Bestandteil der Fauna, denn Elefantendung zum Beispiel macht erst aus einer Einöde eine grüne Oase. Der grüne Daumen der Natur wird auch mit Hilfe von Tieren erreicht.“

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