Durchgelesen: Hermann Hesse – „Roßhalde“


„Roßhalde“ ist mehr als nur eine Träne wert.

Autor Hermann Hesse
Titel Roßhalde
Verlag Suhrkamp
Erscheinungsjahr 1956
Bewertung ****1/2

Diesmal kein Selbstmord. Der kleine Pierre stirbt auf natürliche Weise. Der 7-Jährige ist der heimliche Herrscher auf dem Gut Roßhalde, weil er die einzige Verbindung zwischen seinen übrigen Bewohnern und vor allem seinen einander entfremdeten Eltern ist.

Pierres zentrale Position wird gerade deshalb so deutlich, weil Hesse als auktorialer Erzähler Einblicke in das Seelenleben aller Beteiligten gibt. Dadurch wird deutlich, wie herrlich unschuldig Pierre ist, wie resigniert und im doppelten Sinne selbstlos sich seine Mutter verhält und wie tot und feige sein Vater durchs Leben geistert. Pierre ist nicht nur alles, was sie zusammenhält, sondern auch alles, was sie am Leben erhält.

Wie er dann qualvoll stirbt und seine Eltern so ohne Halt im Leben zurücklässt, ist herzzerreißend und mehr als eine Träne wert.

Beste Stelle: „Dieselbe Einsamkeit, in welcher er Jahre und Jahre gelebt und gegen die er sich in so langer Gewöhnung hart und beinahe unempfindlich gemacht hatte, überfiel ihn nun wie ein unbekannter, ganz neuer Feind und sank von allen Seiten erstickend über ihm zusammen.“

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