Durchgelesen: Maya Rasker – „Wenn Du eine Landschaft wärst“


Die Sprache von Maya Rasker ist noch imposanter als die Berge, über die sie schreibt.

Autor Maya Rasker
Titel Wenn Du eine Landschaft wärst
Verlag Luchterhand
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung ****

Der Montsec, auf dem der größte Teil der Handlung dieses Romans spielt, muss ein gewaltiger Berg sein. Schroff, imposant, gefährlich – wie viele Gipfel in den spanischen Pyrenäen. Doch er kann nicht halb so gewaltig sein wie die Sprache von Maya Rasker.

Der dritte Roman der niederländischen Erfolgsautorin erzählt die Geschichte des Geologen Abel, der auf dem Montsec ein Leben beinahe als Eremit führt. Bis er Xenia trifft. Die Forscherin fasziniert ihn noch mehr als Geröll-Lawinen, Schnee und Sturm. Doch Abel hat auch ebenso viel Angst vor einer Beziehung mit ihr wie vor den unberechenbaren Kräften der Natur.

Mit beeindruckendem Scharfsinn verfolgt die Autorin diese Parallele zwischen Geologie und Zwischenmenschlichem weiter: Maya Rasker begegnet den Menschen mit einem alles durchdringenden Blick. Wie es der Forscher an einem Berg erkennt, so sieht sie das Ewige in ihnen, aber auch das Individuelle.

Das Ergebnis ist ein Roman, der so voller Witz und Weisheit steckt, das man ständig aus ihm zitieren möchte. Und ein virtuoses Spiel mit Perspektivwechseln, das unser Bild von Beziehungen ebenso in Frage stellt wie das Selbstverständnis der Geschlechter.

Beste Stelle: „Und ich denke: Könnte es sein, dass ich mich zum zweitenmal verliebe? Oder war da nie Verliebtheit, war diese erste Episode in unserem Leben lediglich ein Versuch, auf den ich hauptsächlich meine eigenen Bedürfnisse projizierte, ohne darauf zu achten, wer sie war?“

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