Durchgelesen: Natascha Sagorski – „Don’t Call It Pussy“


Hilfe für verzweifelte Männer verspricht Natascha Sagorski in "Don't Call It Pussy".

Hilfe für verzweifelte Männer verspricht Natascha Sagorski in "Don't Call It Pussy".

Autorin Natascha Sagorski
Titel Don’t Call It Pussy
Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung **

„Auf der einen Seite wollt ihr, dass wir immer gut aussehen, auf der anderen Seite sollen wir aber kein Geld dafür ausgeben. Das passt doch irgendwie nicht zusammen, oder?“ Das ist eine typische Frage von Natascha Sagorski. Die Autorin, auch als Fernsehkolumnistin bei ProSieben bekannt, geht in ihrem Buch Don’t Call It Pussy – 33 Dinge, die Männer endlich über Frauen lernen sollten, den kleinen Missverständnissen und großen Katastrophen zwischen den Geschlechtern nach. Im Alltag, im Beruf und im Bett.

Sagorski, bisher im selben Verlag als Autorin von Krasse Abstürze (einem Buch über die Vielfalt und Peinlichkeit von Filmrissen) und Schuhe, Taschen, Männer (Frauen erzählen über ihr liebstes Accessoire) in Erscheinung getreten, richtet sich damit erstmals in erste Linie an ein männliches Publikum. Besonders an die Gruppe der männlichen Spezies, die endlich verstehen will, wie Frauen ticken und was sie vielleicht schon immer falsch gemacht hat. In ihren Recherchegesprächen für das Buch habe sie „von so vielen Frauen Horrorstories gehört, dass mir erst richtig klar wurde, wie viele hilfsbedürftige Typen da draußen rumlaufen müssen“, erklärt die 27-Jährige im Interview mit news.de ihre Motivation.

Mit Don’t Call It Pussy verspricht sie nun Antworten und Lebenshilfe. Man muss schon reichlich verzweifelt sein, um daran wirklich zu glauben. Schließlich macht sich Sagorski nicht die Mühe, ihre Thesen mit wissenschaftlichen Studien zu untermauern oder wenigstens ein paar passende Umfragen zu Rate zu ziehen. Stattdessen erzählt die Münchnerin von ihren eigenen Erfahrungen, von Freundinnen und ihrer Interpretation der weiblichen Natur an sich. Das ist zwar nicht besonders substantiell, aber dafür dann immerhin mitten aus dem Leben – oder eben gut ausgedacht.

Schnell entwickelt Don’t Call It Pussy dadurch aber auch den Charakter, den auch Frauenzeitschriften haben: Hier gibt es das weibliche Gegenstück zum Stammtisch, also Klischees und Zoten satt. Das fängt beim Titel an. „Pussy“ als Bezeichnung für das weibliche Geschlechtsteil ist ein Killer für jede Beziehung. Sagorski selbst nennt die Vagina in ihrem Buch „unsere kleine Freundin da unten“, und ansonsten empfiehlt sie Paaren selbst erfundene, individuelle Kosenamen.

Nachhilfe fürs Bett gibt es auch in einigen anderen Kapiteln (die übrigens durchweg durch sehr schlau ausgewählte Zitate eingeleitet werden). Die Bandbreite von Don’t Call It Pussy ist aber deutlich größer als es der Titel vermuten lässt. Der lernwillige Mann erfährt, was wirklich dahintersteckt, wenn Frauen rasend eifersüchtig sind (sie fürchten nicht nur, betrogen zu werden, sondern verachten auch die andere Frau, die sich einbildet, Chancen bei ihrem Partner zu haben). Sagorski erklärt, warum vergebene Männer nicht merken, wenn sie angeflirtet werden – und was für Probleme das mit sich bringen kann. Sie hat ein bisschen Anleitung für die Praxis zu bieten (kein Bier beim ersten Date!) und interessante Einblicke in die weibliche Psyche (nach einem One-Night-Stand haben Frauen das spontane Bedürfnis, so schnell wie möglich mit ihrer besten Freundin zu telefonieren).

Vor allem aber macht Don’t Call It Pussy auf erschreckende Weise deutlich, wie sehr sich moderne Frauen (oder zumindest solche, deren Leben sich in erster Linie inmitten der Münchner Schickeria abspielt) mit dem Weltbild von Sex And The City identifizieren – oder sich gar über diesen Lebensstil definieren. Immer wieder gibt es Handtaschen, Cocktails, Tratsch – dieser oberflächliche Materialismus nervt sehr schnell sehr gewaltig.

Auf der anderen Seite macht er die Schwarz-Weiß-Malerei, die in diesem Quasi-Beziehungsratgeber Prinzip ist, mitunter auch erst erträglich. Sagorski inszeniert sich selbst als Klischee-Frau, die nicht einparken kann, Schuhe liebt und Fußball hasst. Und immerhin versieht sie ihre 33 Kapitel immer wieder mit einem Schuss Ironie und einer guten Dosis Übertreibung.

Trotzdem ist Don’t Call It Pussy durchaus ernst gemeint als Beitrag für eine bessere Verständigung zwischen Männern und Frauen. Nicht zuletzt betont die 27-Jährige, dass sie keineswegs eine Männerhasserin ist. Sie will dem starken Geschlecht einfach nur helfen, noch toller zu werden.

Bestes Zitat: „Was Manolo Blanik für uns ist, war Steve Jobs (möge er in Frieden ruhen) wohl für euch. Ich habe zumindest selten etwas gesehen, das einen Mann derart in Verzückung geraten lassen kann wie ein iPad. Und dabei hat es nicht einmal Brüste.“

Eine Kurzversion dieser Rezension gibt es auch bei news.de – mit vielen Tipps aus dem Buch.

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